Alpen-Adria-Universität

Die Welt nach Klagenfurt holen

Foto: AAU/Waschnig
Oliver Vitouch: "2018 werden wir im QS-Ranking unter den Top 150 Universitäten dieser Kategorie liegen, noch vor Universitäten in Bielefeld oder Dublin."
Foto: AAU/Waschnig

2020 wird die Alpen-Adria-Universität 50 Jahre alt. Das „zarte Alter“, wie es Rektor Dr. Oliver Vitouch nennt, bietet viele Vorteile und zugleich großes Potenzial für die Zukunft. Vor allem in den neuen Technologien ist die Universität gut aufgestellt. Das soll künftig noch mehr internationale Studierende anlocken.

von: Harald Hornacek

PER ASPERA AD ASTRA, auf rauen Wegen zu den Sternen, steht auf dem Rundsiegel der Alpen-Adria-Universität zu lesen. Ein Leichtspruch auch für Sie?

 

Der Spruch ist in unserem revitalisierten Schriftzug enthalten. Das Wahrzeichen Klagenfurts, der Lindwurm, darf seit dieser sanften Erneuerung somit Feuer spucken, nachdem er zuvor eine eher plüschartige Anmutung hatte. Ich halte dies für eine sehr probate Metapher für eine Universität, die es nicht immer einfach hatte, in einem Bundesland, das nicht immer schöne Zeiten durchlebte. Die Universität Klagenfurt musste immer wieder um ihre Position und ihre Möglichkeiten kämpfen, sich auch gewissermaßen aus dem Sumpf ziehen und neu erstehen. Von daher ist dieser unserer Leitspruch auch eine schöne Botschaft an die Studierenden: Niemals aufgeben, mit voller Überzeugung einstehen und mitunter auch kämpfen.

Die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt ist eine verhältnismäßig junge Universität am Schnittpunkt dreier Kulturen. Welche Vorteile bringt diese Juvenilität für eine Universität?

2020 werden wir den 50. Geburtstag begehen. Wobei wir eigentlich zwei Gründungsdaten haben: Anfang der 1990er Jahre gab es eine intensive Schließungsdebatte, 1993 wurde die Universität gewissermaßen nochmals errichtet. Wir haben damals die Möglichkeit erhalten, mit den IT-Wissenschaften und den Wirtschaftswissenschaften ein breiteres Spektrum anzubieten. Von Vorteil sind sicherlich die Veränderungsmöglichkeiten, die eine verhältnismäßig kleine Universität, wie wir es sind, bieten kann. Wir können rasch Wirkungen entfalten und umsetzen. Wir sind eine Universität der kurzen Wege, nicht nur in der räumlichen Organisation, sondern auch in unserer personellen Struktur. Wir haben wenige Exposituren, das heißt, der interdisziplinäre Zugang wird damit deutlich erleichtert. Nicht zuletzt ist es sicherlich einfacher, in einem wenige Jahrzehnte alten Haus Kursänderungen einzuleiten, als einen 650 Jahre alten Supertanker in eine neue Richtung zu bringen.

 

Andererseits fehlen naturgemäß Jahrhunderte an Reputation...

 

...ja, das zarte Alter bringt auch gewisse Startnachteile mit sich, eben etwa was die Dauer der Reputation anlangt oder eine gewisse Ernsthaftigkeitsdimension in der äußeren Wahrnehmung. Letzten Endes ergibt sich aus einer jahrhundertealten Tradition auch ein intrinsisches Selbstverständnis für eine Universität. Das sieht man in Wien, das sieht man aber auch in der Steiermark, die heute noch von der Weitsicht eines Erzherzogs Johann profitiert. Dieser Visionär wollte mit der TU Graz einen Akzent für die fortschrittliche Entwicklung seines Landes setzen, und die TU Graz ist noch älter als die TU Wien. Kärnten sucht seinen Erzherzog Johann bis heute.

 

Wo liegen die Stärken Ihrer Universität?

 

Wir haben den Vorteil einer guten, jungen Infrastruktur. Wir haben Spiegel auf den Toiletten, gewissermaßen.  Unsere Wahrnehmung und unser Potenzial, Studierende für unsere Universität zu begeistern, nehmen beständig zu. Wir bemühen uns, unser Haus in Medien, in Schulen, auch über die Grenzen unseres Bundeslandes hinaus bekannter zu machen. Wir haben fachliche Schwerpunkte etabliert, für die man uns kennt und schätzt. Gerade bei eher noch jungen Technologien wie Automation, Visualisierung oder Robotik haben wir einen besonders guten Ruf. Wir verfügen über fantastische Einzelleistungen unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,  wir bemühen uns, zu fördern und zu fordern. Wir sind sehr stark in den „MIT-Wissenschaften“ – wir bieten zwar keine Naturwissenschaften an unserer Universität an, aber wir bieten das, was die technologische Zukunft benötigt. Wir hoffen hierbei durch die Initiative Silicon Austria noch mehr Akzente setzen können.

 

Universitäten sind heute zusehends angehalten, Kooperationen einzugehen. Wie positionieren Sie sich hierbei?

 

Auf technologischer Seite suchen wir bewusst nach Kooperationen, die für alle Beteiligten Vorteile bringen. Ein Beispiel dazu ist unsere Zusammenarbeit mit Joanneum Research. Da gibt es bereits Kooperationen etwa im Drohen- oder Robotikbereich. Mit der TU Graz werden wir eine Stiftungsprofessur Industrie 4.0 unterhalten, gemeinsam mit Unternehmen aus der Industrie und dem Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds (KWF). Seit einigen Jahren bieten wir auch ein Campus-Kolleg – das ist einem FWF-Doktoratskolleg vergleichbar – an. Unser Ziel ist, attraktive Arbeitsbedingungen für Doktorandinnen und Doktoranden sowie Fellows anzubieten. Im Bereich Vernetzte Systeme, Modellierung und Simulation sind wir hier bereits sehr erfolgreich unterwegs.

Anwendungsdurchbrüche haben wir unlängst aber auch in der Medizinischen Bildgebung erreicht, wo wir beispielsweise eine Kooperation mit dem Medizintechnik-Unternehmen Karl Storz. Am Institut für Informationstechnologie beschäftigt sich eine Gruppe von ForscherInnen in mehreren Projekten mit der Analyse und Verarbeitung von Endoskopie-Videos. Im Bereich Digital Humanities hatten wir beispielsweise mit der Robert Bosch Stiftung eine wegweisende Kooperation zum Thema „Palliative Care“. 

 

Wollen Sie künftig auch neue Forschungsschwerpunkte anbieten?

 

Einer unserer erfolgreichsten Schwerpunkte ist jener, den wir derzeit noch in Wien unterhalten. Im Bereich der sozialen Ökologie sind wir extrem gut unterwegs, haben einige ERC-Grants gewinnen können. Wir wollen aber die Forschungsagenden künftig mehr in Klagenfurt bündeln. Wir werden daher ab 2018 diesen Bereich an die BOKU übertragen und dafür eine anteilige Kompensation durch die BOKU erhalten. Diese Mittel ermöglichen es uns, in Klagenfurt einen neuen Schwerpunkt aufzubauen: Unter dem Titel „Der Mensch im digitalen Zeitalter – Humans in the digital age“ wollen wir uns mit den technologischen, ökonomische, rechtlichen und auch sozialen Auswirkungen der Digitalisierung auseinandersetzen. Hierzu werden wir neue Initiativen gründen und auch eine Reihe neuer Professuren etablieren.

 

Was wahrscheinlich nur wenige wissen, ist, dass Ihre Universität den Nachlass von Karl Popper verwaltet. Was geschieht damit?

Der Nachlass von Karl Popper ist tatsächlich etwas, auf das wir nicht nur stolz sind, sondern das wir auch nutzen und erweitern wollen. Zum 25. Geburtstag der Universität erhielten wir diesen Nachlass aus einer Schenkung von Land Kärnten und Stadt Klagenfurt, bei uns liegt auch die Rechteverwertung. Wir gehen mit dieser Verantwortung sehr sorgsam um. Seit 2014 bieten wir mit dem Karl Popper Kolleg (KPK) ein Wissenschafts- und Doktoratskolleg an. Diese Koppelung schafft nachhaltige Synergien zwischen vielversprechenden NachwuchswissenschaftlerInnen und internationalen SpitzenforscherInnen. Von 2015 bis 2018 widmet sich der erste Zyklus des Karl Popper Kollegs dem Thema Modeling – Simulation – Optimization (MSO) aus dem Bereich der Mathematik und der Technischen Wissenschaften. Ab jetzt startet der zweite Zyklus mit zwei unterschiedlichen Themen: Modeling, Analysis, Simulation and Optimization of Discrete, Continuous, and Stochastic Systems with Applications in Business and Economics (MANSIO) sowie Networked Autonomous Aerial Vehicles (NAV).

Derzeit herrscht eine große Gründungseuphorie, die Universitäten sollen vermehrt Spin-offs produzieren. Wie weit sind Sie da in Klagenfurt?

 

Es gab und gibt einige sehr attraktive Projekte. Das derzeit bekannteste Beispiel ist sicherlich Bitmovin, die schon einige Preise erhalten haben und deren adaptive Streaming-Technologie bis in die USA bekannt und auch begehrt ist. Ein echtes Referenzprojekt, das von Studierenden der Universität Klagenfurt gegründet wurde. Einer der Gründer ist erfreulicherweise immer noch bei uns tätig. Solche Beispiele sind natürlich ein großer Ansporn für die Studierenden, ich hoffe und denke, dass wir künftig mehr solcher Gründungen erleben werden.

 

Wie können Sie sich als kleine, regionale Universität im internationalen Forschungssystem sichtbar machen?

 

Die Welt ist ein globales Dorf, daher ist es entscheidend, Partnerschaften rund um den Globus zu suchen. Wir beschränken uns nicht auf den umliegenden geographischen Raum, sondern haben Kooperationen weltweit geschlossen. Aktuell unterhält die Alpen-Adria-Universität 315 Kooperationen mit 224 Universitäten in 51 Ländern. Dass dieses Bestreben Früchte trägt, zeigt sich auch an einem Anteil von rund 20 Prozent, der auf internationale Studierende entfällt. Da liegen wir besser als die Uni Graz, und auch die Universität Wien – die ja über einige Jahrhunderte ältere Bekanntheit und Tradition verfügt – ist da nicht mehr in unerreichbarer Entfernung für uns. Das ist sehr erfreulich, zumal dieser Wert beständig wächst.

 

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

 

Das liegt sicherlich auch darin begründet, dass wir gerade im Technologiebereich ein sehr gutes internationales Standing erreicht haben. Wir konnten uns zuletzt auch in einigen Rankings, die sich vor allem auf jene Universitäten konzentrieren, die unter 50 Jahre alt sind, sehr gut abschneiden. 2018 werden wir im QS-Ranking unter den Top 150 Universitäten dieser Kategorie liegen, noch vor Universitäten in Bielefeld oder Dublin. Das ist ein globaler Rankingerfolg, eine Benchmark für unser Haus. Ich sehe es als Vorteil, dass das QS-Ranking in seiner Analyse großen Wert auf die Peer-Umfrage legt. Anders gesagt. Die Leute, die uns kennen, schätzen uns sehr. Und das ist ein Faktor, der für die Zukunft positiv stimmt. Zumal wir uns auch in der akademischen Exzellenz nicht zu verstecken brauchen: Unsere Leute sind gefragt und werden etwa von der NASA abgeworben. Wir haben viele High Potentials im Haus, von denen man künftig noch hören wird. Nicht zuletzt sind wir als Universität auch in karrieretechnischer Hinsicht attraktiv: In den nächsten Jahren kommt ein starker Generationswechsel auf uns zu. Daher werden wir an die 50 Neubesetzungen benötigen.

 

Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?

 

Es soll uns noch besser gelingen, sehr gute Studierende anzuziehen, auch international. Mit den erwähnten Ranking-Erfolgen sind wir da einen wichtigen Schritt weiter gekommen. Hier werden wir hart daran arbeiten, diesen Weg fortzusetzen. Gleichzeitig hege ich den Wunsch und die Hoffnung, dass die Saat aufgeht, die wir in ausgewählten Schwerpunktbereichen setzen, so dass wir hier noch heller strahlen können.  Außerdem hoffe ich, dass wir – damit meine ich die universitären Akteurinnen und Akteure in ganz Österreich – vermehrt an einem Strang ziehen, zum Wohle der akademischen Bildung. Hier schließe ich alle Ebenen der Bildung, von den Schulen bis zu den Hochschulen, teilweise sogar durchaus auch im Kindergarten, mit ein. Und zum 50. Geburtstag dieser Universität wünsche ich mir, dass sie dann endgültig im Erwachsenenalter angekommen sein wird.


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