Laura Bassi Centres

Frauen in der Forschung sichtbarer machen

FFG/Astrid Knie
Sabine Pohoryles-Drexel (BMWFW), Barbara Kofler (LBC-Leiterin), Ruth Breu (LBC-Leiterin), Herta Steinkellner (LBC-Leiterin), Annelie-Martina Weinberg (LBC-Leiterin), Silvia Miksch (LBC-Leiterin), FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth (v. l. n. r.)
FFG/Astrid Knie

2009 starteten acht kooperativ forschende Laura Bassi Centres (LBC) mit dem Ziel, „exzellente Forschung plus“ zu ermöglichen und Frauen in der Forschung neue Möglichkeiten zu bieten. Nach sieben Jahren Laufzeit und hervorragenden Ergebnissen findet das Programm eine Fortsetzung.

von: Harald Hornacek

Manchmal dauert es etwas, bis gute Ideen in die Realität umgesetzt werden. So forderte der Rat für Forschung und Technologieentwicklung seit seinem Bestehen die Wichtigkeit des Vorhandenseins von qualifizierten und motivierten Wissenschafterinnen für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wissenschaft und Wirtschaft. Und doch dauerte es Jahre, bis mit den „Laura Bassi Centres of Expertise“ die richtige Lösung gefunden wurde. Ein Blick zurück: In den Jahren 2004-2005 kam es zu einer verstärkten Sensibilisierung für das Thema „Frauen in Forschung und Technologie“, v.a. im Zuge des erstmaligen Erscheinens der SHE-Figures[i] , erinnert sich Mag.a. Sabine Pohoryles-Drexel, Programmleiterin im BMWFW: „Dabei wurde die Frage gestellt, warum es so wenig Frauen in der Leitung kooperativer Forschungszentren gibt.“ Der politische Wille, etwas zu verändern, war vorhanden, auf Beamtenebene wurden damals die Themen der EU-Kommission aufgegriffen. Auch eine Quote für Forschung stand im Raum. „Eine Studie zeigte, dass die Rahmenbedingungen für exzellente Frauen in der Forschung schlecht waren“, so Pohoryles-Drexel: Wissenschaftlerinnen hatten schlechte Kontakte zur Industrie, damit war es für sie schwieriger an Finanzierungen heranzukommen, was sich dann auch nach den üblichen Förderkriterien negativ auf den Erfolg auswirkte - der klassische Matthäus-Effekt. „Was wir nun wollten waren exzellente Projekte, aber ohne die Quote zu strapazieren“, so Pohoryles-Drexel. So wurde die Zukunftspotenzialanalyse entwickelt, ein Auswahlverfahren, das nicht auf Alter oder akad. Grad, nicht auf die Einwerbung von Drittmitteln oder die Anzahl der Publikationen oder der Auslandaufenthalte, sondern ausschließlich auf das eingereichte Vorhaben und die Frage, mit wem und wie man sich vorstellt dieses zu managen und zu realisieren, abzielte. Das heißt das Programmdesign war bewusst nicht vergangenheitsbezogen, sondern nach vorne gerichtet. Faktoren wie Teamführung kamen ebenfalls hinzu. „Beispiele aus Sport und Kunst zeigen: es genügt nicht, die Besten ihres Fachs in ein Team zu holen – das Zusammenspiel und die Zusammensetzung sind entscheidend für den Erfolg. Das gilt auch für die Forschung, ganz besonders an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft“, fasst Pohoryles-Drexel zusammen.

Seiner Zeit weit voraus

Schließlich starteten 2009 acht kooperativ forschende Laura Bassi Centres (LBC), die ein Teil des Programms w-fFORTE - Wirtschaftsimpulse von Frauen in Forschung und Technologie sind. Nach sieben Jahren Laufzeit bestätigen die hervorragenden weiblichen Führungsleistungen das Programmkonzept der „exzellenten Forschung plus“ (Top-Forschung plus Management, Frauenförderung, Karriereentwicklung). Die „Laura Bassi Centres of Expertise“ sind wirtschaftsnah und praktizieren eine neue Forschungskultur. Sie setzen auf trans- und interdisziplinäre Forschung, Teamorientierung, gezielte Personalentwicklung sowie effiziente Managementkultur als Antwort auf aktuelle Anforderungen in der Wissenschaft. Alle Zentren weisen eine sehr gute Performance auf, die Industriepartner haben von den Kooperationen eindeutig profitiert. Auch die Forschungsförderungsgesellschaft FFG ist von diesem Programm überzeugt, betont Geschäftsführerin Dr.in Henrietta Egerth: “Die Laura Bassi Centres of Expertise haben sich zu einem Erfolgsprogramm entwickelt und wir unterstützen die Fortsetzung dieser europaweit einzigartigen Initiative. Künftig soll der Fokus auf Digitalisierung und Chancengerechtigkeit liegen, ein entsprechender Förderantrag wurde bei der Nationalstiftung eingereicht. Die Digitalisierung ist eine Querschnittsmaterie, auf die die FFG mit einem entsprechenden Angebot in ihrem Förderportfolio reagiert und als Digital Agency fungiert. Es ist daher richtig und konsequent, die Digitalisierung nun auch in die Weiterentwicklung der Laura Bassi Zentren einfließen zu lassen.“ Der Schwerpunkt der Zentren auf zeitgemäßes Forschungsmanagement und Karriereförderung brachte positive Effekte für alle Projektmitglieder. “Die Leiterinnen haben demonstriert, dass eine neue Forschungskultur möglich und lohnend ist”, betont Egerth. Generell hätten die Laura Bassi Zentren zu einer verstärkten Sichtbarkeit exzellenter Forscherinnen beigetragen und damit noch mehr Forscherinnen in ihrer Arbeit bestärkt. “Diese Role-Model-Funktion ist gerade in Forschungsbereichen, wo der Frauenanteil immer noch sehr gering ist, wichtig”, meint Henrietta Egerth. Die FFG unterstützt daher die Fortsetzung der "Laura Bassi Centres of Expertise". Diese ist dank der Zusagen der Mittel aus der Nationalstiftung gesichert. Auch Dr. Stefan Riegler, Abteilungsleiter im BMWFW, kann einer Verlängerung des Programms viel abgewinnen und ergänzt: „Das Laura Bassi-Programm war seiner Zeit weit voraus. Es war damals weit weg vom Mainstream. Insofern hat es dazu beigetragen, dass wir als Land ein Stück weiter auf dem Weg zum Innovation Leader gekommen sind.“ Denn um in Zukunft erfolgreich zu sein, dürfe man sich nicht auf den Lorbeeren der Gegenwart ausruhen. Daher werde man sich auch bei der neuen Bundesregierung um eine Fortsetzung des Programms bemühen. Das Ziel, bis 2020 15 Prozent Frauen in leitenden Positionen in BMWFW-finanzierten Programmen zu haben, sei erreichbar. Im Vorjahr habe dieser Wert 13,3 Prozent betragen. In der Zwischenevaluierung 2013 arbeiteten 8 Forschungsleiterinnen sowie rund 87 weitere ForscherInnen in acht Zentren an gesellschaftlich relevanten Forschungsfragen in den Bereichen Medizin, Life Science und Informationstechnologie. Die erste Förderphase begründete 230 Publikationen, 21 Dissertationen, 41 Diplomarbeiten und Masterthesis sowie zwei neue Patente und zwei neue Lizenzen.. Zwei der Zentren haben nunmehr bereits erfolgreich ihre Projekte abgeschlossen und setzen ihre Forschungsarbeit in neuen Top-Projekten (z.B. als Research Studio Austria oder Christian Doppler Labor) oder auch als Forschungsunternehmen fort. Die anderen Zentren werden 2018 ihre Arbeit abschließen.

HINWEIS: Die Langfassung dieses Artikels finden Sie in der Printausgabe von AUSTRIA INNOVATIV Dezember 2017. Ihr Gratisexemplar können Sie einfach bestellen unter harald.hornacek@remove-this.verlagholzhausen.at

 

 


[i] Die SHE-Figures sind die größte Sammlung von Daten, die in diesem Bereich je zusammengestellt wurde:

https://data.europa.eu/euodp/de/data/dataset/she-figures-2015-gender-in-research-and-innovation; Werden von der Europäischen Kommission seit 2003 alle 2 Jahre herausgegeben.


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