Forschung
(c) J. Fachner
Zwei Musiktherapiestudentinnen sind für die EEG Datenaufzeichnung vorbereitet und werden gleich gemeinsam improvisieren
(c) J. Fachner

Musik als Therapie

(c) Privatfoto
Prof.(FH) Priv.Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek - IMC Fachhochschule Krems
(c) Privatfoto

Das Josef Ressel Zentrum für die Grundlegung einer personalisierten Musiktherapie an der IMC FH Krems widmet sich der Schaffung evidenzbasierter wissenschaftlicher Grundlagen für eine personalisierte Musiktherapie, erklärt Leiter Prof.(FH) Priv.-Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek.

Wie kamen Sie auf die Idee zur Gründung dieses JR-Zentrums?

Den „rote Faden“ durch das gesamte Forschungsvorhaben bilden Fragestellungen im Hinblick auf eine gelingende PatientInnen-TherapeutInnen-Interaktion. Im Rahmen meiner therapeutischen Tätigkeit im Feld der Neuro-Rehabilitation  seit Mitte der 1990er Jahre fielen mir zwei Dinge besonders auf: Wie bedeutsam und effektiv ein individuell auf die jeweilige musikalische Biografie und die momentane psychophysiologische Verfassung des/der PatientIn abgestimmtes musiktherapeutisches Handeln ist und dass PatientInnen kaum Zeit haben, den von einer Disziplin gesetzten therapeutischen Impuls zu verarbeiten, bevor die nächste therapeutische Intervention gesetzt wird. Nachdem der allgemeine Forschungstrend wenig auf die konkrete Situation am Krankenbett Bezug nimmt (bevorzugt werden experimentelle Designs), und ich in der Literatur sowie in persönlichen Gesprächen mit KollegInnen kaum Hinweise darauf fand, dass den oben genannten Aspekten Aufmerksamkeit geschenkt wird, beschloss ich mich im Rahmen eines JRZ den genannten Fragestellungen (im Sinne einer Personalisierung von Therapieabläufen) vertieft nachzugehen. 

Welche konkreten Forschungsarbeiten führen Sie durch?

Der erste Forschungsschwerpunkt richtet sich auf die Bestimmung des individuell abgestimmten optimalen Zeitfensters für einen musiktherapeutischen Impuls. Während dieses Therapiefensters sollten PatientInnen maximal aufnahmefähig und TherapeutInnen gleichzeitig maximal achtsam und empathiefähig sein. Weiters soll bestimmt werden, wieviel Zeit PatientInnen für die Verarbeitung des in der jeweiligen Therapieeinheit gesetzten Impulses benötigen, bevor sie in der Lage sind einen nächsten therapeutischen Impuls aufzunehmen bzw. nach welchem Zeitraum sich TherapeutInnen auf eine nächste Therapieeinheit konzentriert einzulassen vermögen.

In einer ersten Phase des Josef Ressel Zentrums werden mithilfe von Studierenden mittels biometrischer Verfahren (Elektrokardiogramme, Elektroenzephalogramme) und Videoanalysen reproduzierbare Abläufe zur Erkennung dieser optimalen Zeitfenster entwickelt. In weiterer Folge werden innerhalb dieser Zeitfenster therapeutisch bedeutsame Momente (s.g. „Begegnungsmomente“) im musiktherapeutischen Prozess identifiziert. Diese Erkenntnisse werden ab dem dritten Jahr in die klinische Praxis übertragen. Der zweite Forschungsschwerpunkt stellt sich der Frage, wie Studierende und TherapeutInnen ihre empathischen Fähigkeiten entwickeln bzw. vertiefen können, um mit ihren PatientInnen in Resonanz zu treten. Der erste Forschungsschwerpunkt richtet sich auf die Bestimmung des individuell abgestimmten optimalen Zeitfensters für einen musiktherapeutischen Impuls. Während dieses Therapiefensters sollten PatientInnen maximal aufnahmefähig und TherapeutInnen gleichzeitig maximal achtsam und empathiefähig sein. Weiters soll bestimmt werden, wieviel Zeit PatientInnen für die Verarbeitung des in der jeweiligen Therapieeinheit gesetzten Impulses benötigen, bevor sie in der Lage sind einen nächsten therapeutischen Impuls aufzunehmen bzw. nach welchem Zeitraum sich TherapeutInnen auf eine nächste Therapieeinheit konzentriert einzulassen vermögen.

Wo sehen Sie einen gesellschaftlich bzw. wirtschaftlich releveanten, möglichen Nutzen Ihrer Arbeiten?

Wir erwarten, dass durch eine auf die psychophysiologische Verfassung achtende, und somit stimmiger gesetzte (musik)therapeutische Interventionen das Therapieoutcome deutlich verbessert werden kann.  Dies wäre nicht nur ein Beitrag zur Evidenzbasierung des in Österreich gesetzlich geregelten Gesundheitsberufes Musiktherapie, sondern eröffnet in weiterer Folge auch potentiell eine Perspektive zur Effizienzsteigerung in anderen therapeutischen Berufsgruppen. Zudem kann ein derartiger Zugang dazu beitragen, dass parallel zur Digitalisierung in den Gesundheitsberufen der humane und beziehungsorientierte Zugang zu PatientInnen gewährleitstet bleibt.

Ziel des JR-Zentrums für Musiktherapie an der IMC FH Krems ist es, neue wissenschaftliche Messverfahren und Modelle zu entwickeln, mit deren Hilfe individuell auf die Patientin bzw. den Patienten abgestimmte Therapiezeiträume („right period“) und passende Therapiezeitpunkte („right moment“) festgestellt werden können.

Unternehmenspartner sind die Niederösterreichische Landeskliniken Holding sowie s-team IT solutions GmbH, Forschungspartner sind die FH St. Pölten, die FH Gesundheit Tirol und die Anglia Ruskin University in Cambridge.  


Am 26. September 2017 wurde die Forschungsfabrik „Center for Smart Manufacturing“ auf dem FH OÖ Campus Wels eröffnet – ein weiterer Meilenstein in der...

Weiterlesen

Bildungsministerin Dr. Sonja Hammerschmid hat mit der Bildungsreform einen großen Wurf geschafft, an den schon fast niemand mehr geglaubt hätte. Jetzt...

Weiterlesen

Prof. Dr. Andreas Kugi, Vorstand des Instituts für Automatisierungs- und Regelungstechnik (ACIN) und Professor für komplexe dynamische Systeme an der...

Weiterlesen

Im Jahr 2050 werden 70 Prozent der Weltbevölkerung im urbanen Raum leben und arbeiten. Zero Emission Cities 2017 der Wirtschaftskammer Wien...

Weiterlesen

Von 2. bis 5. November 2017 präsentieren wieder Erfinder aus der ganzen Welt ihre Ideen, Erfindungen und Neuheiten aus verschiedensten Lebensbereichen...

Weiterlesen

Laut einer Studie der TU-Wien fehlt jedem zweiten Unternehmen eine Digitalisierungsstrategie, gerade bei KMU kommt oft Excel statt ERP-Systemen als...

Weiterlesen

Für Rektor Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Harald Kainz zählt die TU Graz zu den führenden europäischen Forschungs- und Bildungseinrichtungen in IT und...

Weiterlesen

Die 7. Zukunftskonferenz der JOANNEUM RESEARCH stand unter dem Generalthema „Licht und Mobilität“ – und zeigte überraschende Einblicke.

Weiterlesen

Eine neue WIFO-Studie zeigt: Mehr Forschung bedeutet mehr Wachstum und auch mehr Arbeitsplätze. Die FFG sieht sich daher auf dem richtigen Weg – und...

Weiterlesen

Wien ist auf einem guten Weg, neuer Hotspot in Europa für JungunternehmerInnen im „Cutting-Edge“ Technologiebereich zu werden. Das AIT Austrian...

Weiterlesen

Termine

iENA Nürnberg von 2. bis 5. November 2017

Datum: 02. November 2017 bis 05. November 2017
Ort: Messe Nürnberg, Deutschland

Zero Emission Cities 2017

Datum: 06. November 2017
Ort: Wien, Rathaus/Festsaal, Lichtenfelsgasse 2

Mehr Termine

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten