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Andreas Reichhardt: "Erfolgreiche Forschungsgruppen arbeiten marktorientiert"

bmvit/Johannes Zinner
Andreas Reichhardt: „Wir wollen die Innovationsfördernde Öffentlichen Beschaffung über das gesamte Ministerium, aber auch in Kooperation mit den anderen Ministerien, intensivieren.“
bmvit/Johannes Zinner

bmvit-Generalsekretär Mag. Andreas Reichhardt über die Auswirkungen der Digitalisierung, die Weiterentwicklung des Standortes Österreich sowie die Stärken und Herausforderungen unseres Forschungssystems.

von: Harald Hornacek

Sie sind seit vielen Jahren Sektionschef. Was hat sich mit Ihrer Bestellung zum Generalsekretär für Sie persönlich geändert?

Mein Verantwortungsbereich war früher schon nicht klein, er hat sich nun noch einmal erweitert. Es geht um eine sektionsübergreifende Steuerung, durch die wir wichtige Themen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Technologie und Innovation verstärkt in andere Bereiche der Infrastruktur einbringen und artikulieren können. So wird eine einheitliche Strategie unterstützt. Man sieht das beispielsweise an der Innovationsfördernden Öffentlichen Beschaffung: Diese wollen wir über das gesamte Ministerium, aber natürlich auch in Kooperation mit den anderen Ministerien, intensivieren.

Eines der wichtigsten Themen ist die Digitalisierung. Welche Rolle kann und soll hier das bmvit spielen?

Die Digitalisierung gewinnt in allen Lebensbereichen immer mehr an Bedeutung. Daher nimmt das bmvit in diesem Bereich eine bewusste und selbstbewusste Position ein. Hier geht es vor allem um eine Weiterentwicklung von Kernbereichen, die zum Ausbau der Digitalisierung nötig sind: Investitionen in Infrastruktur, eine entsprechende Gesetzgebung, die Unternehmen unterstützt, aber auch die Technologieentwicklung an sich mit dem Fokus auf die positive Weiterentwicklung des Standortes.

Gerade die Digitalisierung ist eine Querschnittsmaterie. Wie vollzieht sich die Zusammenarbeit mit den anderen Ministerien?

Diese Regierung legt großen Wert auf eine Weiterentwicklung des Standortes Österreichs. Das heißt, wir werden ein Bündel von Maßnahmen setzen: Ausbildung, Infrastruktur, regulative Rahmenbedingungen, angewandte Technologien, Aufbau von Partnerschaften – national wie international – die diesem Zweck dienlich sind, alles das sind Themenfelder, auf die wir größtes Augenmerk legen.

Wo sehen Sie noch Aufholbedarf?

Im Bereich Breitband und Infrastruktur haben wir noch einiges zu tun. Da stehen wir noch nicht dort, wo wir stehen sollten im internationalen Vergleich. Die Beschleunigung des Breitbandangebotes und die Entwicklung einer 5G-Strategie sind wesentliche Faktoren. Wir werden auch eine neue FTI-Strategie definieren.

Was sind wesentliche Themen, in denen Österreich seine Bemühungen verstärken sollte?

Es sind die grand challenges, mit denen letzten Endes alle Staaten – nicht nur Österreich – konfrontiert sind. Also Bereiche wie künftiges urbanes Leben, Smart City, Mobilität, Big, Data, Dekarbonisierung, Energie- und Ressourcenschonung oder eben die 5G-Technologie. Das sind auch Themen, die Bundesminister Norbert Hofer persönliche Anliegen sind und in denen er nicht nur Kompetenz, sondern auch eine Weitsicht hat, die uns im Ministerium gut tut. Hier sehe ich gute Chancen für Österreich, stärker Position zu beziehen. Die relative Kleinheit unseres Landes hilft dabei, schneller zu Partnerschaften und Projekten zu gelangen – und diese Projekte in Systeme zu integrieren. Als Beispiel kann man die Silicon Austria Labs nennen: Daran beteiligen sich viele Unternehmen, die in ihren Bereichen zu den Weltmarktführern zählen. Auf diesem sehr guten und soliden Fundament gilt es aufzubauen. Wir als bmvit unterstützen das auch dementsprechend.

Ein Kritikpunkt ist immer wieder die zersplitterte Förderlandschaft. Wie sehen Sie das?

Die österreichische Förderlandschaft ist mit den großen Playern FWF, FFG und aws auf Bundesebene relativ übersichtlich und auch gut strukturiert. Wir können damit entlang der gesamten FTI-Wertschöpfungskette, von Grundlagenforschung über Demoprojekte bis zur Markteinführung, in vielen Situationen passende Antworten geben. Das ist meiner Meinung nach ein gutes Zeichen für ein hochentwickeltes Wirtschafts- und Wissenschaftssystem, wie es Österreich ist und insgesamt sehr positiv zu bewerten. Natürlich gilt es, Doppelgleisigkeiten abzustellen. Aber an sich haben wir in diesem Bereich eine sehr gute Position. Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir viele Nischenplayer im Land haben, die von diesem System profitieren können und sollen. Daher ist eine gewisse Kleinteiligkeit im Fördersystem positiv für den Wirtschaftsstandort.

Und wie beurteilen Sie die Struktur des Systems an sich? Immer wieder wird die Frage nach der kritischen Größe von Forschungseinrichtungen gestellt...

Entscheidend sind letzten Endes langfristig erfolgreiche Forschungsgruppen, die marktorientiert arbeiten. Wichtig in Fragen der internen Strukturen ist, über welche Forschungs-Infrastruktur die Institute verfügen oder welche Overheads sie haben. Jede Gruppe mit einer eigenen Verwaltung auszustatten ist sicherlich suboptimal. Und dann ist es natürlich eine Frage des Forschungsthemas – ob man richtig aufgestellt ist, ob man wettbewerbsfähige Lösungen erarbeitet. Wir brauchen eine Exzellenzforschung, die wirtschaftliche wirksame Themen behandelt, und das bedingt eine effiziente Infrastruktur dazu. Themen, die vom bmvit gefördert werden, müssen Marktpotenzial bzw. Marktfähigkeit aufweisen können.

In welchen Bereichen soll die Forschungs-Infrastruktur verstärkt werden?

Wir schaffen beispielsweise mit den Silicon Austria Labs ganz neue F&E-Infrastrukturen, die wir auf strategischer Ebene einsetzen. Die neue FTI-Strategie der Bundesregierung wird auf dieses Thema ebenfalls Bezug nehmen. Auch die Evaluierungen von FFG und aws in Bezug auf ihre Wirksamkeit, aber auch auf die interne Governance oder die angewandten Förderrichtlinien wird hier berücksichtigt.

Sehr positiv ist zu vermerken, dass sich die Zusammenarbeit der verschiedenen Ressorts unter der neuen Bundesregierung massiv verbessert hat. Wir sehen das etwa an gemeinsamen Initiativen wie im Bereich der Digitalisierung. Wir haben eine eigene Task Force Digitalisierung eingerichtet. Wenn wir den Standort nachhaltig weiterentwickeln wollen – und dazu bekennt sich die Regierung in ihrem Arbeitsübereinkommen – dann brauchen wir Investitionen in Infrastruktur, in Personal, in Bildung und in die Entwicklung qualifizierter Arbeitskräfte. Diese Ansätze werden auch in die in Erarbeitung befindliche förderpolitische Rahmenstrategie einfließen. Wir prüfen hierbei alle möglichen Finanzierungspotenziale und werden auch die öffentliche Hand verstärkt als Referenzmarkt positionieren. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Aber man kann vieles besser machen.  


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