Wirtschaft

Ökonomie

Der globale Süden braucht eine wirtschaftliche Transformation

Credit: Peter Tajmar
Dr. Cornelia Staritz
Credit: Peter Tajmar

Dr. Cornelia Staritz ist Ökonomin mit den Forschungsschwerpunkten Internationaler Handel sowie Globale Wertschöpfungsketten und Produktionsnetzwerke. Mit dem neuen Semester ist sie an der Universität Wien mit einer Laufbahnprofessur am Institut für Internationale Entwicklung tätig.

Interview: Peter Tajmar

AI: Frau Staritz, sie haben als wissenschaftliche Mitarbeiterin schon in vielen Institutionen und Ländern gearbeitet. Welche Themen werden die Schwerpunkte jetzt in Wien sein?

Cornelia Staritz: Ich schaue mir vor allem an, wie Länder des globalen Südens, und hier vor allem afrikanische Länder, in das globale Handels- und Wirtschaftssystem integriert sind. Es geht also um internationale Handels- und Investitionspolitik, aber auch um die Möglichkeit von Wirtschafts- und Industriepolitik in afrikanischen Ländern und eben auch um die globalen Produktionsnetzwerke und Wertschöpfungsketten, in denen heute der Großteil des internationalen Handels stattfindet. Diese Netzwerke werden von transnationalen Unternehmen gesteuert; die Produktionsschritte für ein Produkt sind oft stark fragmentiert und global verstreut. Trotz wichtiger Verschiebungen vor allem nach Asien, befinden sich die meisten dieser sogenannten Lead Firmen weiterhin im globalen Norden, vor allem in Europa und den USA, und dominieren den Welthandel. Ich schaue mir an, welche Machtbeziehungen zwischen den Akteuren in diesen Produktionsnetzwerken bestehen und welche Möglichkeiten es für die Länder des globalen Südens gibt, ihre wirtschaftliche und soziale Situation im internationalen Handelssystem zu verbessern.

AI: Aktuell gibt es ja von vielen Seiten Bemühungen, die Entwicklungspolitik neu zu strukturieren. Allerdings gibt es gleichzeitig Bestrebungen, bestehende Verträge aufzukündigen. Hat das konkrete Auswirkungen auch auf das, was sie den Studierenden vermitteln?

CS: Ja, es geht natürlich um die Inhalte, an denen ich arbeite, aber ich versuche den Studierenden auch einen kritischen Zugang zu diesen Themen zu vermitteln. Es geht darum, unterschiedliche Blickwinkel und Perspektiven und die dahinterliegenden Interessen von unterschiedlichen Akteuren zu verstehen. Wichtig ist mir dabei, sich nicht zu schnell eine einseitige Meinung zu bilden. Interessant hierzu ist etwa das Engagement Chinas in Afrika. China investiert stark in Afrika und stellt einen Gegenpol zu den europäischen Ländern und den USA dar. Die Einen sehen das als sehr positiv; die Anderen sehen das sehr negativ, weil dieses Engagement kaum soziale und ökologischen Kriterien beinhaltet. Obwohl die Ansätze dieser Länder unterschiedlich sind, sind die Aktivität der EU und der USA jedoch genauso wie die Chinas sehr stark von ihren eigenen Interessen getrieben - politischen und auch Unternehmensinteressen. Durch diese geopolitischen Verschiebungen haben die afrikanischen Länder aber mehr Möglichkeiten, da sie nicht mehr nur angewiesen sind auf Gelder der Weltbank oder vom internationalen Währungsfonds oder der EU und den USA. Es gibt eben jetzt auch andere neue Geberländer und Investoren aus China und anderen Schwellenländern, und das verändert die Machtstrukturen. Es gibt für die afrikanischen Länder mehr Möglichkeit beim Verhandeln. Diese Möglichkeiten müssen aber auch genützt werden und nur Länder, die da eine eigene Entwicklungsstrategie haben und strategisch agieren, können auf diese Weise bessere Deals herausholen.

Lesen Sie das ungekürzte Interview in der aktuellen Ausgabe 6/2018 auf Seite 26-28.


Mit der abermals gesteigerten Forschungsquote auf 5,14% des BIP erzielt die Steiermark eine Spitzenplatzierung in Europa und ist – im Vergleich zur...

Weiterlesen

Rechtzeitig vor dem Alpbacher Technologiegesprächen wurde am 22. August wurde die Zukunftsoffensive für Forschung, Technologie und Innovation...

Weiterlesen

Trotz einer F&E-Quote von 3,16 Prozent wird Österreich am selbstgesteckten Ziel, in die Gruppe der Innovation Leaders vorzustoßen, wegen der...

Weiterlesen

Mobilität ist im Wissenschaftssystem ein zentraler Faktor, der für die internationale Position des Forschungsstandortes Österreich immer wichtiger...

Weiterlesen

Im Rahmen des RTO Innovation Summit in Brüssel Anfang November sprach AUSTRIA INNOVATIV mit Helmut Leopold, Head of Center for Digital Safety &...

Weiterlesen

Es sind aufregende Zeiten für die Donau-Universität Krems: Mehr Ressourcen vom Land NÖ und dem Bund, Aufnahme in das Universitätsgesetz – Rektor...

Weiterlesen

Rund 250 Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Politik folgten der Einladung zur 17. ACR-Enquete – und sahen tolle Preisträgerinnen und...

Weiterlesen

Österreich ist in der Umsetzung der NIS-Richtlinie säumig. Dabei ist das Thema eines der wichtigsten für die Zukunft, weiß Prof. DI Robert Kolmhofer,...

Weiterlesen

Das BMI beiteiligt seit 2006 an Projekten der Sicherheitsforschung (SIFO) im Rahmen des vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie...

Weiterlesen

Prof. Reinhart Kögerler, Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft, sieht in Österreichs Forschungssystem – bei allen Standortstärken –...

Weiterlesen

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten