Ein Schwerpunkt der diesjährigen Auszeichnungen lag auf Gebäuden und Energieversorgung. | © Monika Fellner / Gesundheit Österreich
Von klimafreundlichen Gebäuden über nachhaltige Labore bis zur Vermeidung von Medikamentenabfällen: 18 Gesundheitseinrichtungen und Projekte wurden am 19. Oktober mit dem Best Practice Award „Klimafreundliche Gesundheitseinrichtungen“ 2026 ausgezeichnet. Die prämierten Maßnahmen zeigen, wie Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen ihren Ressourcenverbrauch reduzieren und gleichzeitig die Gesundheitsversorgung verbessern können.
Der österreichische Gesundheitssektor verursacht rund sieben Prozent der heimischen CO₂-Emissionen. Gleichzeitig ist er selbst zunehmend von den Folgen des Klimawandels betroffen. Insbesondere steigende Temperaturen stellen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen vor zusätzliche Herausforderungen.
Mit dem Best Practice Award wollen das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz und die Gesundheit Österreich zeigen, welche Klimaschutzmaßnahmen bereits umgesetzt werden und sich auf andere Einrichtungen übertragen lassen.
Energieeffizienz und Hitzeschutz im Fokus
Ein Schwerpunkt der diesjährigen Auszeichnungen liegt auf Gebäuden und Energieversorgung. Prämiert wurden unter anderem ein klimafreundliches Ausbildungsgebäude der Tirol Kliniken, der Ausstieg aus fossilen Energieträgern im Seniorenheim Sankt Raphael sowie ein Konzept gegen sommerliche Überwärmung der Reha Bad Erlach.
Die Projekte greifen eine Entwicklung auf, die für das Gesundheitswesen zunehmend relevant wird: Klimaschutzmaßnahmen können zugleich die Belastung durch Hitze reduzieren. Gebäudesanierungen, Dämmung, Beschattung und optimierte Lüftungssysteme senken nicht nur den Energiebedarf, sondern können auch die Aufenthaltsbedingungen für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessern.
„Jede Maßnahme für den Klimaschutz ist auch eine Investition in die Gesundheit von heute und die Lebensqualität von morgen“, erklärte Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig bei der Preisverleihung.
Neben baulichen Maßnahmen spielen auch Grünflächen eine Rolle. Ausgezeichnet wurden der Generationengarten des Bezirksalten- und Pflegeheims Ulrichsberg sowie das Projekt „No mow may – blühende Gesundheit“ des Orthopädischen Spitals Speising in Wien.
Weniger Abfall und nachhaltigere Beschaffung
Auch der Umgang mit Materialien und Ressourcen bietet Einsparpotenzial. Vier der ausgezeichneten Projekte beschäftigen sich mit Abfallvermeidung, Ressourcenschonung und nachhaltiger Beschaffung.
Dazu zählt die ARGE Green-Labs der Tirol Kliniken, die sich mit nachhaltigeren Laboratorien befasst. Das Franziskus Spital wurde für eine digitale Speisensteuerung ausgezeichnet, die Lebensmittelabfälle und damit verbundene Emissionen reduzieren soll.
Die Privatklinik Confraternität erhielt eine Auszeichnung für den Ansatz, beim Rückbau von Gebäuden Materialien und Bauteile möglichst weitgehend wiederzuverwenden beziehungsweise als Ressourcen zurückzugewinnen. Das Konventhospital der Barmherzigen Brüder Linz wurde für ein Projekt zum nachhaltigen Wundmanagement prämiert.
Die Beispiele verdeutlichen, dass Klimaschutz im Gesundheitswesen nicht auf Energieversorgung und Gebäudetechnik beschränkt ist. Auch Beschaffungsentscheidungen, medizinische Abläufe und die Organisation der Versorgung beeinflussen den Ressourcenverbrauch.
Klimaschutz im medizinischen Alltag
Zu den ausgezeichneten Projekten zählt auch „Paracetamol – oral statt intravenös!“ des LKH-Univ. Klinikums Graz. Das Projekt wurde in der Kategorie Bewusstseinsbildung und Kommunikation prämiert und setzt bei der Verabreichungsform eines häufig eingesetzten Medikaments an.
Weitere Auszeichnungen gingen an die ökologische Transformation einer Kassenaugenordination sowie einen Dekarbonisierungsfahrplan der Gesundheit Burgenland.
Im Bereich Ernährung wurden das Seniorenwohnheim Lindl in Kärnten und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien ausgezeichnet. Vier weitere Projekte beschäftigen sich mit klimafreundlicher Mobilität, darunter Initiativen zur Förderung des Radfahrens bei Beschäftigten im Gesundheitswesen.
Damit reicht das Spektrum der prämierten Maßnahmen von organisatorischen Veränderungen im Klinikalltag bis zu längerfristigen Infrastrukturprojekten.
74 Projekte seit 2023 ausgezeichnet
Der Best Practice Award wurde 2026 zum vierten Mal vergeben. Seit dem Start im Jahr 2023 wurden aus mehr als 250 Einreichungen insgesamt 74 Projekte ausgezeichnet.
Die Bewertung erfolgte durch eine Fachkommission anhand mehrerer Kriterien. Berücksichtigt wurden unter anderem die erzielte beziehungsweise angestrebte Treibhausgasreduktion, die langfristige Wirkung, der Innovationsgrad und die Übertragbarkeit auf andere Einrichtungen. Auch der Beitrag zur Gesundheitsförderung floss in die Bewertung ein.
„Die Auszeichnung macht engagierte Gesundheitseinrichtungen sichtbar, würdigt ihre Vorreiterrolle und fördert den Wissenstransfer erfolgreicher Maßnahmen im österreichischen Gesundheitswesen“, betonte Ruperta Lichtenecker, Leiterin der Abteilung Klimaneutralität und nachhaltige Transformation bei der Gesundheit Österreich.
Die ausgezeichneten Projekte stehen zugleich im Zusammenhang mit der nationalen „Strategie klimaneutrales Gesundheitswesen“, die im Juli 2024 veröffentlicht wurde. Sie bildet einen übergeordneten Rahmen für die Reduktion der Umwelt- und Klimabelastungen im Gesundheitssektor.
Wie groß die tatsächlichen CO₂-Einsparungen der 18 prämierten Projekte insgesamt ausfallen, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor. Die Auszeichnung zeigt jedoch, in welchen Bereichen Gesundheitseinrichtungen bereits Maßnahmen umsetzen – und welche Ansätze künftig auch für andere Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Ordinationen relevant sein könnten.
