„Der Mittelstand steht vor einem Jahr, das härter werden könnte als erwartet“. | © Unsplash
Steigende Insolvenzen, hohe Finanzierungskosten und eine schwächelnde Nachfrage könnten 2026 für viele Unternehmen zu einer ernsten Belastungsprobe werden. Besonders der Mittelstand – oft mit schmalen Margen und hohem Kostendruck – steht vor einem schwierigen Umfeld. Branchen wie Bauwirtschaft, produzierendes Gewerbe, Handel und energieintensive Bereiche spüren die Auswirkungen bereits deutlich.
„Der Mittelstand steht vor einem Jahr, das härter werden könnte als erwartet“, sagt Matthias Ortner, Equity Partner bei Advicum Consulting. „Jetzt ist nicht die Zeit für Durchhalteparolen, sondern für strategisches Handeln.“ Restrukturierung rückt damit als Instrument in den Fokus – nicht nur als Reaktion auf Krisen, sondern als gezielte Neuausrichtung in einem volatilen Marktumfeld.
Insolvenzen bleiben über Vorkrisenniveau
Die wirtschaftliche Lage wird auch durch internationale Insolvenzentwicklungen untermauert. Laut der globalen Insolvenzstudie von Allianz Trade steigen die Unternehmensinsolvenzen weltweit 2025 um +6 %, 2026 um weitere +5 %. In Österreich dürfte die Zahl der Firmeninsolvenzen 2025 nahe an frühere Spitzenwerte heranreichen. Für 2026 wird zwar ein Rückgang erwartet, dennoch bleibt das Niveau hoch und liegt weiterhin deutlich über dem Vorkrisenschnitt. Auch in den Folgejahren dürfte sich die Lage nur schrittweise entspannen.
Hohe Zinsen, steigende Kosten, schwache Nachfrage
Trotz teils optimistischer politischer Signale bleibt die wirtschaftliche Realität angespannt. Ein weiterhin hohes Zinsniveau, steigende Kosten, stagnierende Nachfrage sowie geopolitische Unsicherheiten wirken belastend auf Investitionsklima und Ertragskraft. In einem solchen Umfeld wird Restrukturierung zunehmend als strategischer Hebel verstanden – etwa um Liquidität zu sichern, Risiken früher zu erkennen und Geschäftsmodelle kritisch zu überprüfen.
„Viele Unternehmen operieren bereits nahe der Belastungsgrenze. 2026 wird zum Jahr der Wahrheit – in dem bestehende Geschäftsmodelle auf den Prüfstand und neu evaluiert gehören“, betont Ortner. Besonders betroffen seien Bau- und Projektfirmen, Produktionsbetriebe, Handelsunternehmen und energieintensive Industrien – der Handlungsdruck sei jedoch branchenübergreifend spürbar.
Kaufkraft sinkt – Konsum wird vorsichtiger
Auch private Haushalte stehen unter Druck: Energie- und Wohnkosten bleiben hoch, Finanzierungskosten wirken bremsend, und die reale Kaufkraft sinkt weiter. Das macht sich im Konsum bemerkbar – mit direkten Folgen für viele mittelständische Unternehmen, die stark von privater Nachfrage abhängig sind.
„Die Konsumenten werden deutlich zurückhaltender – und genau das trifft den Mittelstand, der stark von privater Nachfrage abhängt“, erklärt Ortner. Besonders im Handel, Tourismus und konsumgetriebenen Dienstleistungen waren diese Effekte laut Einschätzung bereits in den vergangenen Jahren sichtbar.
Früh restrukturieren statt unter Druck reagieren
Advicum Consulting sieht Restrukturierung vor allem dann als wirksam, wenn sie frühzeitig und strategisch angelegt ist. Im Zentrum stehen dabei klare Zielbilder, schnelle Entscheidungen sowie der Fokus auf umsetzbare Maßnahmen.
„2026 wird ein Jahr, in dem Unternehmen Risiken nicht länger ausblenden können“, sagt Daniel Knuchel, Equity Partner bei Advicum Consulting. „Es geht darum, handlungsfähig zu bleiben – durch klare Zielbilder und schnelle Entscheidungen, durch Fokus auf Wirkung statt Perfektion und durch transparente Kommunikation mit aktiver Einbindung der wichtigsten Stakeholder. Nur so lassen sich klare Analysen, schlanke Strukturen und strategisch kluge Maßnahmen erfolgreich umsetzen.“
