Mit der Eröffnung des AI:AT Coworking Hub in Wien positioniert sich Österreich strategisch im europäischen KI-Netzwerk. | © AI:AT/Krisztian Juhasz
Mit der Eröffnung des AI:AT Coworking Hub in Wien positioniert sich Österreich strategisch im europäischen KI-Netzwerk. Rund 300 Vertreter:innen aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung kamen zur Eröffnung im SOLARIS im dritten Wiener Gemeindebezirk zusammen. Im Zentrum standen digitale Souveränität, der Zugang zu europäischen Hochleistungsrechnern (EuroHPC) und der Transfer von KI-Anwendungen in die Praxis.
Die AI Factory Austria (AI:AT) versteht sich als nationale Schnittstelle zwischen Infrastruktur, Expertise und Umsetzung. Der neue Hub soll Projektteams, Start-ups, Industrie und öffentliche Institutionen vernetzen und konkrete KI-Vorhaben begleiten.
Politisches Signal für digitale Souveränität
Innovationsminister Peter Hanke bezeichnete die Initiative als strategischen Schritt: „Die AI Factory ist ein Meilenstein für die Stärkung von Österreichs digitaler Souveränität und ein zentrales Element im KI-Ökosystem des Innovationsstandortes Österreich.“ Der Hub biete Zugang zu KI-Hardware, Trainingsangeboten und Kompetenzen – insbesondere für KMU und Start-ups.
Seit Juli 2025 wurden laut AI:AT mehr als 20 Trainings mit über 900 Teilnehmer:innen durchgeführt, mehr als 40 Organisationen begleitet und über 30 Veranstaltungen organisiert. Der Anspruch: ein marktneutraler Zugangspunkt für anspruchsvolle KI-Projekte.
Brücke zwischen Forschung und Anwendung
Karl Kugler, Co-Lead von AI:AT, sieht den neuen Standort als strategischen Treffpunkt: „Der AI:AT Coworking Hub im SOLARIS ist ein Ort, an dem Infrastruktur, Expertise und Zusammenarbeit zusammenkommen.“ Ziel sei es, wissenschaftliche Exzellenz in „Anwendung, Wertschöpfung und gesellschaftlichen Nutzen“ zu überführen.
Auch Markus Stöhr, ebenfalls Co-Lead, betont die Rolle im EuroHPC-Ökosystem: „Über die EuroHPC-Systeme wird Hochleistungsrechnen heute breiter zugänglich.“ Die Aufgabe von AI:AT sei es, diesen Zugang mit möglichst geringen Hürden zu ermöglichen und Organisationen bei rechenintensiven KI-Vorhaben zu begleiten.
Die europäische Perspektive wurde bei der Eröffnung ebenfalls sichtbar: Vertreter:innen mehrerer europäischer AI Factories diskutierten über Infrastruktur, Transfer und Souveränität. Damit versteht sich AI:AT nicht nur als nationale Plattform, sondern als aktiver Teil eines EU-weiten Netzwerks.
Fokus auf Umsetzung statt Vision
In Panels und Praxisbeispielen ging es um konkrete Anwendungen – von Industrieprojekten bis zu Start-up-Initiativen. Andreas Kugi, Scientific Director des AIT Austrian Institute of Technology, sieht in der AI Factory Austria eine strukturelle Weiterentwicklung: „Entscheidend ist, dass wir KI nicht nur erforschen, sondern unter realen Bedingungen skalierbar machen.“
Auch Wolfgang Kastner, Vizerektor der TU Wien, betont die stärkere Verzahnung von Forschung und industrieller Umsetzung. Nikolaus Hautsch, Vizerektor der Universität Wien, hebt die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und praktischer Anwendung hervor.
Nationaler Knotenpunkt mit europäischer Anbindung
Der Coworking Hub umfasst aktuell 94 Arbeitsplätze, 67 davon sind bereits belegt – verteilt auf 28 Unternehmen aus fünf Branchen. Neben dem physischen Standort in Wien agiert AI:AT bundesweit und kooperiert mit Forschungs- und Innovationsakteuren im gesamten Land.
Die Eröffnung markiert damit weniger einen symbolischen Akt als den Versuch, eine strukturelle Lücke zu schließen: Zwischen Forschungsstärke, europäischer Infrastruktur und konkreter Umsetzung von KI-Projekten. Ob der Hub tatsächlich zum Motor für souveräne KI in Österreich wird, dürfte sich an der Geschwindigkeit und Qualität künftiger Projekte messen lassen.
