Aus zahlreichen Einreichungen wählte eine Fachjury fünf Kategorien mit besonders wirksamen Projekten aus. | © BMLUK
Boden ist eine der zentralen Grundlagen unseres Lebens. Er sichert die Ernährung, schützt die Biodiversität und spielt eine entscheidende Rolle für eine nachhaltige Entwicklung. Um Initiativen sichtbar zu machen, die diese Ressource schützen und verantwortungsvoll nutzen, verlieh das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) am 27. Jänner den ERDREICH-Preis 2026.
Aus zahlreichen Einreichungen wählte eine Fachjury fünf Kategorien mit besonders wirksamen Projekten aus. In der Jury vertreten waren Johannes Pressl (Gemeindebund), Hanna Simons (WWF), Martin Gerzabek (BOKU), Elisabeth Leitner (Verein Landluft) und Arthur Kanonier (TU Wien).
Umweltminister Norbert Totschnig betonte bei der Preisverleihung die Bedeutung des Bodenschutzes: „Böden sind eine der kostbarsten Ressourcen unseres Planeten. Sie leisten einen entscheidenden Beitrag zu Umweltschutz, Biodiversität und unserer Ernährungssicherheit. Der Schutz unserer Böden ist daher eine wichtige Aufgabe für uns alle. Mit dem ERDREICH-Preis 2026 holen wir jene Initiativen vor den Vorhang, die zeigen, wie gelebter Bodenschutz in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden kann. Ich darf allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich gratulieren und bedanke mich für ihr Engagement.“
Bodengesundheit: Fruchtbarkeit und Resilienz stärken
In der Kategorie Bodengesundheit standen Projekte im Fokus, die die Vitalität und Regenerationsfähigkeit von Böden verbessern. Die Boden.Wasser.Schutz.Beratung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich überzeugte mit einem dreistufigen Beratungsnetzwerk, das Wissen zum Gewässer- und Bodenschutz direkt in die landwirtschaftliche Praxis bringt. Die Renaturierung des Schremser Hochmoors sichert wertvolle Kohlenstoffspeicher und stabilisiert den natürlichen Wasserhaushalt. In der Oststeiermark zeigen acht Betriebe mit Agroforst- und Wassermanagementsystemen, wie Erosion reduziert und Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen Extremwetter gemacht werden kann.
Flächensparen: Bodenverbrauch gezielt reduzieren
Die prämierten Projekte dieser Kategorie zeigen, wie durch bauliche Verdichtung und Standortbündelung wertvolle Flächen erhalten bleiben. Das Dynacenter Neufelden verwandelte eine Industriebrache in ein energieautarkes Multifunktionszentrum. Die LFS Winklhof setzte durch bauliche Neuordnung ein ökologisches Zeichen und rekultivierte 3,5 Hektar Dauergrünland. Das Drauforum Oberdrauburg realisierte einen modernen Kultursaal durch vertikale Nachverdichtung direkt über einem bestehenden Supermarkt.
Flächenrecycling: Neue Nutzung statt Neuwidmung
Statt auf unbebaute Flächen zu setzen, fokussieren diese Projekte auf die Revitalisierung bestehender Strukturen. Das Haus Wiederstein in Kleinzell wurde von einem leerstehenden Wirtshaus zu einem barrierefreien Zentrum für Wohnen, Co-Working und Therapie umgestaltet. Die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG) revitalisiert im Burgenland ehemalige Fabrikhallen und Schulen zu ressourcenschonendem Wohnraum. Der ecoplus Wirtschaftspark IZ NÖ-Süd setzt seit Jahrzehnten Maßstäbe im Flächenrecycling und sanierte zuletzt ein Verwaltungsgebäude auf einem ehemaligen Luftschutzbunker nach klimaaktiv-Goldstandard.
Partizipation und Bewusstseinsbildung
Bodenschutz erfordert gesellschaftliches Bewusstsein. Das Projekt „Zukunft säen – Zukunft sehen“ im Bezirk Kufstein macht jährlich rund 2.000 Schulkinder mit praktischen Feldversuchen zu Botschafterinnen und Botschaftern für Humusaufbau. Das Klimabündnis Österreich unterstützt Gemeinden mit dem Projekt „Klimafaktor Boden“ dabei, Entsiegelungspotenziale zu erkennen und zu nutzen. Der Bodenfilmpreis beim INFF verbindet seit elf Jahren Kunst und Wissenschaft und vermittelt die Bedeutung des Bodens einem breiten Publikum.
Kommunale Vorreiter im Bodenschutz
In dieser Kategorie wurden Gemeinden ausgezeichnet, die Bodenschutz strategisch in ihre Entwicklung integrieren. Die Marktgemeinde Fels am Wagram schützt 82 Prozent ihres Gemeindegebiets als Grünland-Freihalteflächen. Die Stadtgemeinde Wolkersdorf entwickelte mithilfe eines Bürgerrates eine verbindliche Strategie zur Reduktion des Bodenverbrauchs. Mit dem Projekt „Moor4Klagenfurt“ sichert die Landeshauptstadt Klagenfurt wertvolle Feuchtflächen und verankert Moorschutz in der Stadtentwicklung.
Abschluss des Brachflächen-Gipfels 2026
Die Verleihung des ERDREICH-Preises bildete den feierlichen Abschluss des Brachflächen-Gipfels 2026. Der Gipfel fungiert im Rahmen des Brachflächen-Dialogs als Innovationsplattform für Akteurinnen und Akteure im Bodenschutz. Die fachliche Begleitung erfolgt durch das Umweltbundesamt.
