„Deutschland und Österreich stehen vor vergleichbaren Herausforderungen“, nun gelte es Stärken gemeinsam zu nutzen. | © DHK/Florian Wieser
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich haben sich nach zwei schwachen Jahren wieder erholt. Von einem nachhaltigen Aufschwung könne jedoch noch keine Rede sein, warnte Hans Dieter Pötsch, Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), bei deren 71. Generalversammlung am 29. Oktober in Wien. Angesichts hoher Standortkosten und anhaltender Inflationsrisiken sprach er sich für zurückhaltende Lohnabschlüsse aus.
Nach rückläufigen Entwicklungen in den Jahren 2023 und 2024 habe sich der bilaterale Wirtschaftsaustausch zuletzt wieder verbessert. Die Unternehmen beider Länder stünden allerdings weiterhin unter erheblichem Kostendruck. Neben hohen Energiepreisen und zunehmender internationaler Konkurrenz erschwere auch die regulatorische Belastung die wirtschaftliche Entwicklung.
Pötsch fordert moderate Lohnsteigerungen
Besonders kritisch beurteilt der DHK-Präsident die Gefahr einer erneuten Beschleunigung der Inflation durch hohe Lohnabschlüsse.
„Angesichts der anhaltenden Inflationsrisiken sind in Österreich und Deutschland derzeit moderate Lohnsteigerungen das Gebot der Stunde“, betonte Pötsch bei der Generalversammlung im Palais Niederösterreich.
Der Wunsch der Beschäftigten nach einem Ausgleich der Kaufkraftverluste sei nachvollziehbar. Gleichzeitig müssten die Sozialpartner die gesamtwirtschaftlichen Folgen ihrer Abschlüsse berücksichtigen, argumentierte der DHK-Präsident.
Aus seiner Sicht gehe es darum, zusätzlichen Preisdruck zu vermeiden und Unternehmen ausreichend finanziellen Spielraum für Investitionen zu lassen.
Die Aussagen fallen in eine Phase, in der die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in beiden Ländern zunehmend diskutiert wird. Während Unternehmen auf hohe Kosten und schwache Konjunktur verweisen, bleibt die Entwicklung der Reallöhne für Beschäftigte eine wesentliche wirtschaftliche Frage.
Bürokratieabbau kommt in Betrieben kaum an
Neben der Lohnentwicklung kritisierte Pötsch vor allem die zunehmende regulatorische Belastung.
„Deutschland und Österreich stehen vor vergleichbaren Herausforderungen: einem weiterhin schwachen wirtschaftlichen Umfeld, hohen Energie- und Standortkosten, zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck sowie einer immer komplexeren Regulierung“, erklärte er.
Insbesondere beim angekündigten Bürokratieabbau sieht der DHK-Präsident weiterhin Handlungsbedarf. „Der Abbau ist bislang in unseren Unternehmen kaum angekommen.“
Pötsch plädierte deshalb für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Österreich. Beide Länder könnten auf leistungsfähige Industrieunternehmen, qualifizierte Fachkräfte sowie eine international anerkannte Forschungs- und Technologiekompetenz aufbauen.
Diese Stärken gelte es angesichts des globalen Wettbewerbs stärker gemeinsam zu nutzen.
Langjährige Mitgliedsunternehmen ausgezeichnet
Im Rahmen der 71. Generalversammlung ehrte die Deutsche Handelskammer in Österreich mehrere Unternehmen und Institutionen für ihre langjährige Mitgliedschaft.
Für 70 Jahre Mitgliedschaft wurden RHI Magnesita sowie die Industrie- und Handelskammern für Niederbayern in Passau und Frankfurt am Main ausgezeichnet.
Die Messe Offenbach und die ÖSWAG Werft Linz gehören der DHK seit 60 Jahren an. Auf eine 50-jährige Mitgliedschaft blicken die Deutsche Zentrale für Tourismus, Gebrüder Weiss, GPK Pegger Kofler & Partner Rechtsanwälte sowie XERVON Austria zurück.
Im Anschluss an die Generalversammlung fand im Palais Niederösterreich der „Hessische Abend“ statt. Dazu luden der hessische Ministerpräsident Boris Rhein und DHK-Präsident Hans Dieter Pötsch ein.
