Jane Enny van Lambalgen, CEO der Beratungs- und Managementfirma Planet Industrial Excellence. | © Jane Enny van Lambalgen
Der wirtschaftliche Druck auf den Mittelstand in Deutschland wächst aus Sicht von Branchenexpert:innen deutlich. Eine Kombination aus steigenden Kosten, regulatorischen Anforderungen und strukturellen Problemen gefährdet laut einer aktuellen Einschätzung zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit.
Jane Enny van Lambalgen, CEO der Beratungsfirma Planet Industrial Excellence, spricht von einer sich verschärfenden Lage: „Wenn sich nichts Wesentliches ändert, wird sich die mittelständische Wirtschaft in Deutschland nie mehr erholen.“
Mehrfachbelastung statt Einzelkrise
Als Ursachen nennt die Managerin nicht nur die Energiepreise, sondern ein Bündel an Faktoren: Bürokratie, Fachkräftemangel, steigende Finanzierungskosten, Digitalisierungsausgaben sowie Unsicherheiten im internationalen Umfeld.
„Alle diese Belastungsfaktoren überlagern und verstärken sich gegenseitig“, sagt van Lambalgen. Dadurch entstehe ein struktureller Druck, der über konjunkturelle Schwankungen hinausgehe.
Bürokratie als wachsender Kostenfaktor
Ein zentrales Problem sieht sie in der zunehmenden Bürokratielast. Laut Daten des Statistischen Bundesamts belaufen sich die jährlichen Kosten für Unternehmen auf rund 65 Milliarden Euro.
„Für die Unternehmen ist das keine abstrakte Zahl, sondern Arbeitszeit, die auf Dokumentations-, Nachweis- und Meldepflichten verschwendet wird“, so van Lambalgen. Diese fehle dann für Innovation, Kundenarbeit und Marktentwicklung.
Energiepreise und Investitionsschwäche
Auch die Energiepreise bleiben ein zentraler Wettbewerbsnachteil. Bereits vor aktuellen geopolitischen Entwicklungen hätten viele Unternehmen ihre Produktion reduziert oder ins Ausland verlagert.
Gleichzeitig wird die Finanzierung schwieriger: Steigende Zinsen und strengere Kreditvergaberegeln erschweren Investitionen. Laut KfW investieren derzeit nur noch rund 40 Prozent der mittelständischen Betriebe regelmäßig.
Fachkräftemangel verschärft Lage
Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gilt als weiterer struktureller Engpass. Rund 45 Prozent der Unternehmen sehen ihre Geschäftstätigkeit dadurch beeinträchtigt.
Van Lambalgen verweist zudem auf demografische Entwicklungen: In den kommenden Jahren werde die Zahl der Erwerbstätigen deutlich sinken, was den Druck weiter erhöhen dürfte.
KI zwischen Chance und Risiko
Zwar könnte Künstliche Intelligenz Prozesse effizienter machen, doch viele Unternehmen zögern beim Einsatz. Gründe sind rechtliche Unsicherheiten und hohe Anforderungen durch europäische Regulierung.
„Für weite Teile des Mittelstands wird Künstliche Intelligenz aufgrund der strikten Regulatorik hierzulande zum Spiel mit dem Feuer“, warnt van Lambalgen. Besonders kleinere Betriebe ohne eigene Compliance-Strukturen seien betroffen.
Strukturelle Probleme dominieren
Geopolitische Risiken wie Handelskonflikte oder Lieferkettenprobleme spielen laut der Expertin zwar eine Rolle, seien jedoch nicht die Hauptursache.
„Die Kernprobleme für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind hausgemacht“, sagt sie. Ohne tiefgreifende Reformen drohe eine langfristige Schwächung des Mittelstands.
