Neben dem Personalmangel verweisen die Experten auch auf Sicherheitsaspekte. | © Holo
Österreichs Verkehrs- und Transportsystem steht unter zunehmendem Druck. Laut Wirtschaftskammer fehlen derzeit bis zu 8.000 LKW-Fahrer, rund ein Fünftel der Beschäftigten dürfte in den kommenden Jahren in Pension gehen. Gleichzeitig wächst das Verkehrsaufkommen auf den Straßen. Branchenvertreter und Forschende sehen daher in autonomen Fahrzeugen eine mögliche Entlastung – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung.
Personalengpass trifft Güter- und Personenverkehr
Der Fahrermangel betrifft sowohl den Güter- als auch den Personentransport. Die Gewerkschaft vida warnt vor steigenden Betriebskosten und wachsendem Druck auf das bestehende Personal. Neueinstellungen allein werden das Problem nicht lösen.
„Der Fahrermangel ist kein Problem, das wir allein durch Neueinstellungen beheben können. Wir müssen an neue Betriebsformen und Technologien denken“, sagt Stefan Krogh-Hansen, CEO des Mobilitätsunternehmens Holo. Autonome Fahrzeuge könnten dort unterstützen, „wo die Personaldecke zu dünn ist“ und helfen, bestehende Strecken aufrechtzuerhalten.
Autonome Systeme als Ergänzung
Auch Wolfgang Pree, Professor für Software-Engineering an der Universität Salzburg, sieht Potenzial: „Das Potenzial für autonome Technologie ist enorm, und es ist eine Branche, die einen positiven Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben kann, indem der sich verschärfende Fahrermangel zumindest zum Teil ausgeglichen werden kann.“
Pilotprojekte seien insbesondere auf Autobahnen oder in ausgewählten Regionen bereits heute denkbar. Allerdings sei die Implementierung technisch und regulatorisch anspruchsvoll.
Neben dem Personalmangel verweisen die Experten auch auf Sicherheitsaspekte. Laut EU-Parlament gehen bis zu 95 Prozent der Verkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurück. Automatisierte Systeme könnten hier unterstützend wirken.
„Die Technologie kann die Fahrer auf den Autobahnen unterstützen und Müdigkeit sowie Fehler reduzieren. So wird zweifelsohne die Anzahl der Unfälle reduziert“, betont Pree.
Zwischen Skepsis und Regulierung
Vollautonome Fahrzeuge sind laut Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur noch nicht für den kommerziellen Betrieb zugelassen. Weitere Tests und Standards seien notwendig. Zudem zeigt eine Allianz-Umfrage aus dem Jahr 2025, dass viele Österreicherinnen und Österreicher der Technologie skeptisch gegenüberstehen.
„Unternehmen und Behörden müssen vorsichtig agieren und akzeptieren, dass die Einführung derart neuer Technologien Zeit in Anspruch nimmt“, so Pree. Vertrauen lasse sich nur durch kontrollierte Tests unter realen Bedingungen aufbauen.
Auch Krogh-Hansen sieht autonomes Fahren nicht als kurzfristige Lösung, sondern als strategische Ergänzung. Ziel sei es, ein robusteres Transportsystem aufzubauen, „auch dann, wenn es nicht genügend Hände hinter dem Lenkrad gibt“.
Die Debatte zeigt: Autonome Technologien könnten einen Beitrag leisten, um Engpässe im Verkehr abzufedern. Entscheidend wird sein, ob Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den Übergang aktiv gestalten – und die notwendige Akzeptanz schaffen.
