V.l.n.r.: Henrietta Egerth und Karin Tausz | © Philipp Stambera
Trotz schwacher Konjunktur bleibt die Nachfrage nach Forschungsförderung in Österreich hoch. Das zeigt die Jahresbilanz 2025 der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Gleichzeitig wird deutlich: Viele Projekte scheitern nicht an Qualität, sondern am Budget.
Nachfrage deutlich höher als verfügbare Mittel
2025 bewilligte die FFG Fördermittel in Höhe von 878 Millionen Euro, rund zwei Drittel davon gingen an Unternehmen. Dem gegenüber steht jedoch ein deutlich höheres Antragsvolumen von 1,8 Milliarden Euro.
Die Folge: Rund ein Drittel der als förderwürdig eingestuften Projekte konnte nicht umgesetzt werden. Insgesamt betrifft das etwa 760 Vorhaben mit einem Volumen von rund 430 Millionen Euro.
Öffentliche Förderung als Konjunkturimpuls
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten kommt öffentlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung eine stabilisierende Rolle zu.
„Innovation ist kein Kostenfaktor, sondern ein Konjunkturimpuls“, betonen die FFG-Geschäftsführerinnen Henrietta Egerth und Karin Tausz. Laut einer Studie der KMU Forschung Austria generiert ein Euro Förderung im Schnitt 8,6 Euro zusätzlichen Umsatz.
Fokus auf Schlüsseltechnologien
Strategisch setzt die FFG gemeinsam mit der Bundesregierung verstärkt auf sogenannte Schlüsseltechnologien. Diese sollen künftig maßgeblich über Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung entscheiden.
„Die Innovationsdynamik ist vorhanden – entscheidend ist, sie gezielt in jene Technologien zu lenken, die künftig über Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung entscheiden“, sagt Karin Tausz.
Bereits heute adressieren rund zwei Drittel der geförderten Projekte solche Zukunftsfelder – etwa Künstliche Intelligenz oder Quantentechnologien. Mit der Industriestrategie 2035 sollen dafür zwischen 2026 und 2029 rund 2,6 Milliarden Euro bereitgestellt werden.
Forschung schneller in Anwendung bringen
Neben der Finanzierung bleibt die Überführung von Forschungsergebnissen in industrielle Anwendungen eine zentrale Herausforderung.
„Entscheidend ist jetzt, diesen Anteil weiter zu erhöhen und Forschung schneller in industrielle Anwendungen zu bringen“, betont Henrietta Egerth.
Auch aus der Industrie kommt Unterstützung für diesen Kurs. Rupert Ursin, CEO und Gründer von ZeroThird und qtlabs, verweist auf das Potenzial insbesondere in der Quantentechnologie: Wissenschaftliche Exzellenz müsse stärker in wirtschaftliche Wertschöpfung überführt werden.
Standort steht vor strategischen Entscheidungen
Die Bilanz zeigt ein klares Bild: Österreich verfügt über eine hohe Innovationsbereitschaft, steht jedoch vor strukturellen Herausforderungen bei Finanzierung und Umsetzung.
Für die kommenden Jahre wird entscheidend sein, ob es gelingt, vorhandene Innovationskraft gezielt zu fördern und schneller in marktfähige Anwendungen zu überführen – insbesondere in zentralen Zukunftstechnologien.
