Die Analyse basiert auf anonymisierten Abrechnungsdaten aus etwa 11.000 Mehrfamilienhäusern. | © Techem
Wie viel Haushalte für das Heizen bezahlen, hängt in Österreich stark vom Wohnort ab. Während in Salzburg durchschnittlich 11,14 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche anfielen, waren es in Vorarlberg nur 6,82 Euro. Österreichweit lagen die jährlichen Heizkosten 2025 bei durchschnittlich 8,33 Euro pro Quadratmeter. Das zeigt der aktuelle Techem Atlas für Energie, Wärme & Wasser 2026, für den Verbrauchsdaten aus rund 198.000 Wohnungen ausgewertet wurden.
Die Analyse basiert auf anonymisierten Abrechnungsdaten aus etwa 11.000 von Techem betreuten Mehrfamilienhäusern. Berücksichtigt wurden bei den Heizkosten die Energieträger Erdgas, Fernwärme und Heizöl. Neben den regionalen Preisunterschieden untersucht der Bericht auch die Wärmeversorgung, den Einsatz fossiler Energieträger und die Digitalisierung der Verbrauchserfassung.
Salzburg mit höchsten Heizkosten
Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Bundesland liegt ein Unterschied von 4,32 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Bei einer Wohnung mit 80 Quadratmetern entspricht das einer Differenz von rund 346 Euro jährlich.
Nach Salzburg folgen Kärnten mit durchschnittlich 9,91 Euro und die Steiermark mit 9,55 Euro pro Quadratmeter. Im Burgenland betragen die Heizkosten 8,60 Euro, in Niederösterreich 8,28 Euro und in Tirol 7,89 Euro.
Günstiger fällt das Heizen in Oberösterreich mit 7,55 Euro und Wien mit 7,54 Euro aus. Den niedrigsten Wert weist Vorarlberg mit 6,82 Euro auf.
Im europäischen Vergleich liegt Österreich laut Techem bei den durchschnittlichen Raumheizkosten pro Wohneinheit im Mittelfeld. Höhere Kosten wurden unter anderem in Deutschland, der Schweiz und Italien festgestellt.
Fernwärme dominiert die Wärmeversorgung
Bei den untersuchten österreichischen Mehrfamilienhäusern ist Fernwärme mit einem Anteil von 51,4 Prozent der am häufigsten eingesetzte Energieträger. Dahinter folgen Erdgas mit 30,3 Prozent und Heizöl mit 9,2 Prozent. Strom kommt auf 5,1 Prozent, Holz auf vier Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigt sich im europäischen Vergleich. In den rund 1,1 Millionen untersuchten Wohnungen entfallen 52 Prozent auf Fernwärme und 32 Prozent auf Erdgas.
Trotz des hohen Fernwärmeanteils bleibt die Wärmeversorgung in Österreich stark von fossilen Energieträgern abhängig. Laut Techem entfielen 2025 rund 64 Prozent der Wärmeversorgung in den analysierten österreichischen Mehrfamilienhäusern auf fossile Energieträger. In Deutschland lag der Vergleichswert bei etwa 89 Prozent.
Der fossile Anteil der Wärmeversorgung ist dabei nicht mit dem Anteil direkt eingesetzter fossiler Heizsysteme gleichzusetzen. Auch bei der Fernwärmeerzeugung können fossile Energieträger zum Einsatz kommen.
Drei Viertel der Heizungsanlagen potenziell wärmepumpentauglich
Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung betrifft die Umrüstung bestehender Heizsysteme. Laut Techem sind 22 Prozent der untersuchten Heizungsanlagen bereits heute für einen Betrieb mit niedrigen Vorlauftemperaturen geeignet. Damit kommen sie grundsätzlich für den Einsatz von Wärmepumpen infrage.
Durch einen Austausch der Heizkörper könnte dieser Anteil auf 76 Prozent steigen. Die Ergebnisse deuten damit auf ein erhebliches technisches Potenzial für den Umstieg auf Wärmepumpen in bestehenden Mehrfamilienhäusern hin.
„Mit gezielten Investitionen kann die Nutzung fossiler Energieträger deutlich reduziert werden. Wärmepumpen sind dabei ein möglicher Lösungsansatz“, erklärt Karl Moll, Geschäftsführer von Techem Österreich.
Ob sich eine Umrüstung im Einzelfall wirtschaftlich und technisch sinnvoll realisieren lässt, hängt allerdings von weiteren Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem der energetische Zustand des Gebäudes, die bestehende Wärmeverteilung und die erforderlichen Investitionen.
Österreich bei Fernablesung unter EU-Vergleichswert
Neben der Wärmeversorgung untersucht der Techem Atlas auch den Digitalisierungsgrad der Verbrauchserfassung.
In Österreich waren 2025 bereits 85,3 Prozent der untersuchten Erfassungsgeräte fernablesbar. Damit liegt das Land unter dem europäischen Vergleichswert von 92,8 Prozent.
Fernablesbare Messgeräte ermöglichen es, Verbrauchsdaten ohne Betreten der Wohnung zu erfassen. In Verbindung mit digitalen Anwendungen können Bewohner ihren Energieverbrauch regelmäßiger nachvollziehen und mögliche Einsparpotenziale erkennen.
„Die Kombination aus funkbasierter Erfassung und digitaler Verbrauchsinformation schafft die Grundlage dafür, den eigenen Energieverbrauch besser nachzuvollziehen und Einsparpotenziale zu erkennen“, sagt Moll.
Techem verweist in diesem Zusammenhang auf Untersuchungen der Technischen Universität Dresden, wonach eine verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung im Mittel Energieeinsparungen von rund 20 Prozent ermöglichen kann. Dieser Wert beschreibt ein grundsätzliches Einsparpotenzial und ist nicht als tatsächlich erzielte Einsparung in den untersuchten österreichischen Wohnungen zu verstehen.
Datenbasis aus 198.000 Wohnungen
Der Techem Atlas 2026 stützt sich auf Verbrauchsabrechnungen des Jahres 2025. Für die österreichische Auswertung wurden rund 198.000 Wohnungen in etwa 11.000 Mehrfamilienhäusern berücksichtigt.
Um die Ergebnisse zwischen den Ländern vergleichbar zu machen, flossen ausschließlich Datensätze ein, die einheitliche Auswahlkriterien erfüllten. Die Zahlen beziehen sich somit auf die untersuchten, von Techem betreuten Gebäude und sind nicht automatisch repräsentativ für den gesamten österreichischen Wohnungsbestand.
Die Auswertung zeigt dennoch zwei zentrale Herausforderungen für die Wärmewende: Einerseits bestehen weiterhin deutliche regionale Unterschiede bei den Heizkosten. Andererseits bietet der Gebäudebestand erhebliches Potenzial, den Einsatz fossiler Energieträger durch effizientere und klimafreundlichere Heizsysteme zu reduzieren.
Den vollständigen Bericht und eine interaktive Karte mit den Ergebnissen auf Bundesländerebene stellt Techem online zur Verfügung.
