Nach Ansicht der Forschenden sollte aktive Kühlung erst die letzte Option sein. | © Baumgartner
Hitzewellen und Tropennächte stellen Städte zunehmend vor Herausforderungen. Während Klimaanlagen oft als naheliegende Lösung gelten, sehen Forschende der FH Technikum Wien deutlich nachhaltigere Ansätze. Im Mittelpunkt stehen klimafitte Gebäude und Stadtquartiere, die Hitze gar nicht erst entstehen lassen oder ihren Einfluss deutlich reduzieren.
Expertinnen und Experten des Kompetenzfelds Climate-fit Buildings and Districts arbeiten an Lösungen, die den Wohnkomfort verbessern und gleichzeitig Energieverbrauch sowie CO₂-Emissionen senken.
Gebäude sollen Hitze gar nicht erst aufnehmen
Nach Ansicht der Forschenden sollte aktive Kühlung erst die letzte Option sein. Stattdessen setzen sie auf Maßnahmen wie intelligente Beschattungssysteme, Grundwasserkühlung oder optimierte Gebäudetechnik.
„Klimaanlagen sollten auf jeden Fall das letzte Mittel der Wahl sein, weil sie eine geringere Effizienz haben, einen höheren Stromverbrauch verursachen und die Umgebung zusätzlich erwärmen“, erklärt Manfred Schindler, Lecturer und Researcher an der FH Technikum Wien.
Im Forschungsprojekt PowerShade wurden beispielsweise mit Photovoltaik ausgestattete Lamellen entwickelt, die mithilfe Künstlicher Intelligenz ihren Neigungswinkel automatisch anpassen. Dadurch konnte der Kühlbedarf in Tests um rund 40 Prozent reduziert werden.
Sanierung muss nicht teuer sein
Auch im Gebäudebestand sehen die Forschenden großes Potenzial. Bereits kleinere Sanierungsmaßnahmen könnten den thermischen Komfort deutlich verbessern und gleichzeitig den Energieverbrauch senken.
„Besonders in dicht verbauten Stadtvierteln ist die Sanierung oft eine Kostenfrage. Hier zeigt sich, dass man nicht immer eine teure Vollsanierung benötigt, um große Effekte zu erzielen“, sagt David Sengl, Leiter des Kompetenzfelds Climate-fit Buildings and Districts.
Im Forschungsprojekt MidSKliN werden unter anderem Nachtlüftung und optimierte Oberflächen untersucht, um insbesondere sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen besser vor Hitzebelastung zu schützen.
Plus-Energie-Quartiere als Zukunftsmodell
Neben einzelnen Gebäuden rückt zunehmend das gesamte Stadtquartier in den Fokus. Datenanalysen zeigen laut FH Technikum Wien, dass die Sanierung besonders ineffizienter Gebäude den größten Effekt auf Energieverbrauch und Stadtklima erzielt.
Ein Schwerpunkt der Forschung sind sogenannte Plus-Energie-Quartiere, die über das Jahr hinweg mehr Energie erzeugen als verbrauchen.
„Diese Stadtteile sind so konzipiert, dass sie über das Jahr gerechnet mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen“, erläutert Simon Schneider, Senior Lecturer und Leiter des Kompetenzteams Klimafitte Stadtsanierung.
Ermöglicht wird dies durch eine Kombination aus energieeffizienten Gebäuden, Photovoltaik, Wärmepumpen und intelligenten Energiemanagementsystemen.
Praxisnahe Ausbildung und neue Forschung
Um die Energiewende im Gebäudesektor voranzutreiben, setzt die FH Technikum Wien auch auf Ausbildung. Neben Studiengängen zu erneuerbaren Energien und klimabewusster Gebäudetechnik entsteht mit dem EnerFlexLab ein neues Lehr- und Forschungslabor, in dem Studierende innovative Gebäudetechnik unter realen Bedingungen erproben können.
Parallel sucht das Forschungsteam im Projekt FluccoSan derzeit Expertinnen und Experten aus Medizin, Architektur und Psychologie für eine Studie zu den Auswirkungen von Wohnraum auf Gesundheit und Wohlbefinden.
