Am stärksten betroffen wären große asiatische Volkswirtschaften. | © ASCII
Die Blockade der Straße von Hormus entwickelt sich zu einem wachsenden Risiko für die Weltwirtschaft. Eine aktuelle Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), des Complexity Science Hub (CSH) und der TU Delft zeigt, dass insbesondere globale Lieferketten und Energiemärkte bei anhaltender Störung erheblich unter Druck geraten könnten.
Milliardenhandel durch Engpass gefährdet
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten maritimen Engpässen der Welt. Über sie verlaufen Exportströme im Wert von rund 1,2 Billionen US-Dollar jährlich – vor allem aus den Golfstaaten Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait und Bahrain.
Ein Großteil entfällt auf Energieprodukte wie Rohöl und Flüssiggas.
„Die Straße von Hormus ist einer der kritischsten Engpässe der Weltwirtschaft“, sagt Peter Klimek, Studienautor und ASCII-Direktor. Eine längere Blockade würde daher nicht nur Energiemärkte treffen, sondern auch zahlreiche Lieferketten unter Druck setzen.
Dauer der Störung entscheidet über Auswirkungen
Die Studie zeigt: Kurzfristige Blockaden von bis zu zwei Wochen hätten nur begrenzte wirtschaftliche Folgen. Kritisch wird es ab einer Dauer von mehr als vier Wochen.
„Je länger eine Störung dauert, desto stärker wirken sich Kettenreaktionen in globalen Lieferketten aus“, erklärt Stefan Thurner, Präsident des CSH. Verzögerungen könnten sich dann gegenseitig verstärken – etwa durch überlastete Häfen und verschobene Transportpläne.
Kurzfristig rechnen die Forschenden vor allem mit steigenden Preisen und erhöhter Marktvolatilität. Langfristige Blockaden könnten jedoch Produktionskosten erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien schwächen.
Asien besonders abhängig von Energieimporten
Am stärksten betroffen wären große asiatische Volkswirtschaften. China, Indien und Japan zählen zu den wichtigsten Abnehmern von Energieexporten aus der Golfregion.
Neben Öl und Gas spielen auch andere Rohstoffe eine Rolle: So stammt ein erheblicher Anteil globaler Düngemittel- und Spezialgasexporte – etwa für die Halbleiterproduktion – aus den betroffenen Ländern.
Europa unterschiedlich exponiert
Für Europa ergibt sich ein differenziertes Bild. Die Abhängigkeit von Importen aus der Region konzentriert sich auf wenige Länder. Besonders stark betroffen wären Italien, Belgien und das Vereinigte Königreich, die große Mengen an Flüssiggas beziehen.
Deutschland und Frankreich sind hingegen breiter diversifiziert und damit weniger anfällig für kurzfristige Störungen.
Österreich vor allem indirekt betroffen
Österreich weist laut Studie nur eine geringe direkte Abhängigkeit von Importen aus den betroffenen Golfstaaten auf. Die Risiken entstehen vor allem indirekt – etwa über steigende Energiepreise in Europa.
„Sollten LNG-Lieferungen nach Ländern wie Italien, Belgien oder Großbritannien ausfallen […] könnten sich diese Effekte […] auch in Österreich bemerkbar machen“, so Peter Klimek.
Auch aus politischer Sicht wird die Lage beobachtet. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betont: „Unser oberstes Ziel ist die Versorgungssicherheit in Österreich.“ Direkte Engpässe seien aktuell nicht zu erwarten, dennoch müssten internationale Abhängigkeiten berücksichtigt werden.
Studie fordert Deeskalation und Vorbereitung
Die Autor:innen leiten aus der Analyse klare Handlungsempfehlungen ab: Entscheidend sei eine rasche Deeskalation, um Störungen kurz zu halten. Gleichzeitig brauche es Vorsorge für länger andauernde Krisen sowie transparente Kommunikation, um Marktunsicherheiten zu vermeiden.
„Kurzfristige Störungen lassen sich in der Regel bewältigen. Kritisch wird es, wenn eine Blockade länger anhält“, sagt Klimek.
