Das IT:U Innovation Lab verfolgt einen praxisorientierten Ansatz. | © IT:U/A. Felte
Mit dem neuen WKO-Bildungscampus in Oberösterreich entsteht auch eine Plattform für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Wissenschaft. Im IT:U Innovation Lab sollen Studierende und Forschende der Interdisciplinary Transformation University (IT:U) gemeinsam mit Betrieben konkrete Herausforderungen bearbeiten. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz und Robotik sowie deren Integration in bestehende Arbeitsprozesse.
Das Innovation Lab verfolgt einen praxisorientierten Ansatz: Nicht die verfügbare Technologie, sondern ein konkretes Problem aus dem Unternehmensalltag bildet den Ausgangspunkt. Erst nach einer Analyse der betrieblichen Anforderungen werden geeignete Methoden und Technologien ausgewählt, Prototypen entwickelt und mögliche Lösungen unter realen Bedingungen überprüft.
Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) könnte das Modell einen Zugang zu wissenschaftlicher Expertise und neuen Technologien schaffen, ohne dafür eigene umfangreiche Forschungsstrukturen aufbauen zu müssen.
Unternehmen bringen konkrete Aufgaben ein
Die Zusammenarbeit ist branchenbezogen organisiert. Je Branche sollen vier bis fünf Unternehmen ihre betrieblichen Herausforderungen, Anforderungen und praktischen Erfahrungen einbringen.
Studierende und Forschende der IT:U ergänzen diese Perspektiven durch wissenschaftliche Methoden und interdisziplinäres Fachwissen. Gemeinsam werden Lösungsansätze entwickelt und auf ihre praktische Umsetzbarkeit geprüft.
„Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sowie für Gewerbe und Handwerk stellen sich konkrete Fragen: Wo kann Künstliche Intelligenz im eigenen Betrieb einen Mehrwert schaffen? Welche Aufgaben kann Robotik unterstützen? Und welche Kompetenzen und Veränderungen in den Arbeitsabläufen braucht es, damit neue Technologien sinnvoll eingesetzt werden können?“, erklärt IT:U Gründungspräsidentin Stefanie Lindstaedt.
Dabei soll nicht jede Problemstellung zwangsläufig zu einer technologischen Lösung führen. Auch die Erkenntnis, dass eine bestimmte Anwendung für einen Betrieb keinen ausreichenden Nutzen bietet, kann eine wichtige Entscheidungsgrundlage darstellen.
Prototypen sollen Praxistauglichkeit zeigen
Ein wesentlicher Bestandteil des Innovation Labs ist die Entwicklung und Erprobung von Prototypen. Die Studierenden analysieren zunächst die Ausgangssituation in den Unternehmen und untersuchen anschließend, welche Technologien oder Methoden zur Lösung beitragen könnten.
Erst danach beginnt die technische Umsetzung. Die entwickelten Ansätze sollen gemeinsam mit den beteiligten Betrieben bewertet und unter praktischen Bedingungen getestet werden.
„Unsere Studierenden fungieren hierbei als kleine ThinkTanks, die Lösungen finden, Prototypen erstellen und diese in der betrieblichen Praxis evaluieren“, sagt Lindstaedt.
Neben technischen Fragen geht es auch um organisatorische Veränderungen. Der Einsatz von KI und Robotik kann bestehende Aufgabenverteilungen verändern und neue Kompetenzen erforderlich machen. Deshalb sollen die Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen in die Entwicklungsprozesse eingebunden werden.
Wissenstransfer als Teil der Ausbildung
Das Innovation Lab verbindet die projektbasierte Ausbildung an der IT:U mit konkreten Anforderungen der oberösterreichischen Wirtschaft. Studierende erhalten Einblicke in betriebliche Abläufe, während Unternehmen von neuen wissenschaftlichen und technologischen Perspektiven profitieren sollen.
„Für uns gehören Forschung, Lernen und die Arbeit an realen Herausforderungen zusammen. Wenn Studierende, Forschende und Unternehmen gemeinsam eine Fragestellung bearbeiten, entstehen neue Erkenntnisse und Kompetenzen auf allen Seiten“, betont Lindstaedt.
Die Zusammenarbeit ist damit nicht ausschließlich auf die Entwicklung einzelner technischer Lösungen ausgerichtet. Sie soll auch dazu beitragen, Wissen über neue Technologien in den Betrieben aufzubauen und deren Einsatzmöglichkeiten besser einschätzen zu können.
Potenzial für neue Geschäftsmodelle
Mit der Einbindung des IT:U Innovation Labs erweitert der WKO-Bildungscampus seinen Schwerpunkt auf Qualifizierung und Wissenstransfer um die gemeinsame Bearbeitung betrieblicher Innovationsprojekte.
Ob daraus langfristig neue Produkte, effizientere Prozesse oder eigenständige Unternehmensgründungen entstehen, wird sich erst im Verlauf der Zusammenarbeit zeigen.
Lindstaedt sieht darin jedenfalls eine zusätzliche Perspektive: „Wenn es uns gelingt, Innovation für die beteiligten Unternehmen zu schaffen, ist ein weiterer Meilenstein erreicht. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich aus dem ein oder anderen Projekt auch bereits ein nächstes erfolgreiches Start-up“.
Das Innovation Lab setzt damit auf einen Ansatz, bei dem Unternehmen nicht nur Empfänger wissenschaftlicher Erkenntnisse sind, sondern aktiv an deren Entwicklung und praktischer Anwendung mitwirken.
