Als praktische Entscheidungshilfe entstand ein kostenlos zugängliches KI-Technologieradar. | © Salzburg Research/Veronika Hornung-Prähauser, Christian Kogler
Künstliche Intelligenz kann Kommunen bei Klimaschutz und Klimawandelanpassung unterstützen – von der Verkehrssteuerung bis zur Optimierung von Energie- und Wärmenetzen. Welche Anwendungen bereits praxistauglich sind und welche Voraussetzungen sie benötigen, untersucht die Studie „cityclimAIte“. Insgesamt wurden 29 KI-Lösungen für fünf kommunale Anwendungsfelder analysiert.
Als praktische Entscheidungshilfe entstand ein kostenlos zugängliches KI-Technologieradar. Es ordnet Anwendungen unter anderem nach Technologiereife, Wirkung, Machbarkeit und Komplexität ein und soll Städten und Gemeinden damit die Auswahl geeigneter Technologien erleichtern.
„Viele Kommunen wissen, dass KI helfen kann, Klimaziele schneller zu erreichen. Was oft fehlt, ist eine belastbare Orientierung, welche Anwendungen wirklich passen, welche Daten und Kompetenzen nötig sind und wo rechtliche Leitplanken zu beachten sind“, sagt Christian Kogler, Senior Research Engineer und Projektleiter am AIT Austrian Institute of Technology.
29 KI-Lösungen für fünf kommunale Bereiche
Für die Studie wurden KI-Anwendungen systematisch erfasst und hinsichtlich ihres Beitrags zu Klimaneutralität und Klimawandelanpassung sowie ihrer praktischen Umsetzbarkeit untersucht. Berücksichtigt wurden auch mögliche Folgewirkungen und rechtliche Rahmenbedingungen.
Die 29 identifizierten Lösungen verteilen sich auf fünf Bereiche: Mobilität und Logistik, Strom- und Wärmenetze, energieeffiziente Gebäude, städtisches Klima und Klimawandelanpassung sowie energieeffiziente Rechenzentren und die Nutzung ihrer Abwärme.
Die Untersuchung macht zugleich deutlich, dass der Einsatz von KI nicht allein eine technologische Frage ist. Entscheidend sind unter anderem verfügbare und qualitativ geeignete Daten, interoperable Systeme, entsprechende Kompetenzen in den Kommunen sowie Vorgaben aus Datenschutz und Regulierung. Dazu zählen insbesondere die DSGVO und der EU AI Act.
Technologieradar zeigt Reifegrad und Aufwand
Das im Projekt entwickelte webbasierte Technologieradar soll diese komplexen Faktoren für kommunale Entscheidungstragende übersichtlich zusammenführen. Technologien und Best-Practice-Beispiele werden nach ihrer Marktnähe drei Bereichen zugeordnet: Forschung und Entwicklung, Erprobung sowie Technologieadoption im Markt.
Zusätzlich zeigt das Tool den technischen und organisatorischen Aufwand einer Umsetzung. Eine Listenansicht bietet Detailinformationen zu den einzelnen Anwendungsfällen; Factsheets können zudem als PDF abgerufen werden. Die Lösungen lassen sich unter anderem nach Wirkung und Machbarkeit sortieren.
„Das Technologieradar macht KI für Städte vergleichbar. Er zeigt auf einen Blick, was bereits marktreif ist, was gerade erprobt wird und wo noch Forschung nötig ist“, erklärt Veronika Hornung-Prähauser, Innovationsforscherin für digitale Technologien bei Salzburg Research. Dadurch könnten Kommunen Prioritäten nachvollziehbarer setzen und Pilotprojekte gezielter vorbereiten.
Orientierung für kommunale KI-Projekte
Der Ansatz zielt damit weniger auf den Einsatz von KI um ihrer selbst willen als auf eine systematische Bewertung ihres konkreten Nutzens. Gerade bei kommunalen Investitionen soll sichtbar werden, ob eine Technologie tatsächlich einen Beitrag zu Klimazielen leisten kann und welche technischen, organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.
Die Studie „cityclimAIte – KI für klimafreundliche Städte“ stammt von Christian Kogler, Pia Weinlinger, Jasmin Lampert, Isabella Hinterleitner und Veronika Hornung-Prähauser. Sie ist 2026 in der Reihe „Berichte aus Energie- und Umweltforschung“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) erschienen. Das interaktive Technologieradar sowie die Studie stehen online kostenlos zur Verfügung.
