Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen Reststoffe aus der Elektroofen-Stahlproduktion sinnvoll im Wertmetallkreislauf verwendet und in der Bindemittelproduktion eingesetzt werden können. Foto: © envato/lenina11only
Allerdings ersetzen Elektroöfen die Hochöfen nach und nach und damit droht auch die bekannte Quelle für Hüttensand zu versiegen, weil sich Elektroschlacke von Hochofenschlacke unterscheidet. Doch innovative Ansätze eröffnen neue Wege, um auch diese Schlacken zu verwerten und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts arbeiten die Montanuniversität Leoben und die TU Graz an der Frage, wie Reststoffe aus der Elektroofen-Stahlproduktion sinnvoll im Wertmetallkreislauf verwendet und in der Bindemittelproduktion eingesetzt werden können.
Projekt „RecoverMetBinder“: Nachhaltige Lösungen für Industrieabfälle
Damit möchten die Forschenden ein potentielles Problem in eine vorteilhafte Lösung umwandeln. Denn die Deponierung von Schlacken aus der Stahlproduktion ist mit Kosten verbunden. Eine stoffliche Verwertung in anderen Industriezweigen, wie etwa der Baustoffindustrie, vermeidet hingegen Abfall und bietet Einnahmen statt Ausgaben.
„Wir haben gemeinsam mit einem Forscherteam der TU Graz untersucht, mit welchen Komponenten die Schlacken vermischt und behandelt werden müssen, damit sie beispielsweise als Sekundärstoff in der Stahlindustrie und in der Zementindustrie eingesetzt werden können“, erklärt Dr. Klaus Doschek-Held vom Lehrstuhl für Thermoprozesstechnik der MontanuniversitätLeoben.
„Durch genaue Analyse der Ausgangsstoffe und karbothermische Behandlung kann die Elektroofenschlacke als Bindemittelbestandteil für die Baustoffindustrie, z.B. als Portlandzementbestandteil, aufbereitet werden,“ sagt Dr. Florian Steindl von den Instituten Materialprüfung und Baustofftechnologie und für Angewandte Geowissenschaften der TU Graz. „In unserem Privatkonsortium haben wir ein gutes Prozessverständnis dafür aufgebaut, welche Stellschrauben wir aus chemischer und mineralogischer Sicht drehen müssen, damit wir Hüttensand-ähnliche Eigenschaften bei Reaktivität, Festigkeit und Beständigkeit erhalten.“
Die sektorübergreifende Verwertung dieser Schlacken – kombiniert mit weiteren sekundären Rohstoffen – ermöglicht somit nicht nur die Rückgewinnung von Metallen wie Eisen, Chrom und Mangan, sondern auch die Entwicklung CO2-armer Bindemittelkomponenten. Damit leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung und zur Erreichung der Klimaneutralität.
Eine zentrale Rolle für die Kreislaufwirtschaft
Die Eisen- und Stahlindustrie sowie die Baustoffindustrie gehören zu den CO2- und energieintensivsten Sektoren weltweit. Innovative Projekte wie „RecoverMetBinder“ zeigen jedoch, wie durch gezielte Forschung und sektorübergreifende Kooperationen der Weg zu einer nachhaltigeren und effizienteren Kreislaufwirtschaft geebnet werden kann.
Mit diesen Ansätzen tragen die Forscherteams dazu bei, die Umweltbelastung zu reduzieren, natürliche Ressourcen zu schonen und die Industrie auf eine klimafreundlichere Zukunft auszurichten.