Das Ars Electronica Festival findet unter dem Titel „Negotiating Humanity“ in Linz statt. | © Ars Electronica
Mit dem heutigen Start des Ars Electronica Festivals in Linz präsentiert die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) drei Forschungsprojekte an der Schnittstelle von Medizin, Künstlicher Intelligenz und Kunst. Bis 13. September können Besucher unter anderem erleben, wie ein humanoider Roboter eine medizinische Behandlungssituation verändert oder wie KI Gesundheits- und Umweltdaten miteinander verknüpft.
Die Projekte sind Teil der „Impact Initiative: Transforming Medicine Through AI and Arts“ des LBG Open Innovation in Science Centers (LBG OIS Center). Beteiligt sind drei Ludwig Boltzmann Institute sowie Künstler und Technologieexpert. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Präsentation fertiger Forschungsergebnisse, sondern die Frage, welche neuen Perspektiven durch das Zusammenspiel von Wissenschaft, Technologie, Kunst und Gesellschaft entstehen können.
Humanoider Roboter trifft auf medizinische Fachkraft
Besonders unmittelbar beschäftigt sich das LBI for Digital Health and Prevention mit der Rolle von KI und Robotik in der Medizin. Gemeinsam mit dem Künstler Emanuel Gollob entstand die Installation „Intimate Triage“.
Jeweils eine Besucherin oder ein Besucher trifft dabei für fünf Minuten auf einen humanoiden Roboter und eine menschliche Fachkraft. Beide hören zu, reagieren und kommunizieren mit der teilnehmenden Person. Einen vorgegebenen Ablauf gibt es nicht. Die Installation soll erfahrbar machen, wie sich Vertrauen, Diagnose und Entscheidungsfindung verändern, wenn neben einem Menschen auch eine Maschine Teil einer medizinischen Situation wird.
„Das Ars Electronica Festival bringt Menschen aus Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft miteinander ins Gespräch“, erklären Elvria Welzig und Marisa Radatz, Geschäftsführerinnen der LBG. Die Teilnahme sei daher mehr als eine Präsentation der eigenen Forschung. Ziel sei es, „wissenschaftliche Erkenntnisse für die Gesellschaft zugänglich“ zu machen und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln.
KI verbindet Schmerz, Klima und soziale Daten
Einen anderen Zugang verfolgt das LBI for Network Medicine gemeinsam mit der Künstlerin Mary Maggic. Das Projekt „P.A.I.N.“ untersucht Zusammenhänge zwischen persönlichem Schmerz und gesellschaftlichen sowie ökologischen Entwicklungen.
Dafür werden unterschiedliche Datensätze – darunter Klimaindikatoren, Gesundheitsdaten, Stimmungsbilder aus sozialen Medien und Armutsindizes – mithilfe von KI und Netzwerkwissenschaft in einer interaktiven 3D-Weltkugel zusammengeführt. Besucher können eigene Erfahrungen einbringen und deren Einordnung in größere Zusammenhänge nachvollziehen.
Das LBI for Science Outreach and Pandemic Preparedness wiederum beschäftigt sich gemeinsam mit der Künstlerin Sonja Bäumel mit Viren. Im Workshop „The Virus Stories We Carry – Encounters at the Human Scale“ tauschen Teilnehmende Erfahrungen und Geschichten aus, arbeiten mit Materialien aus der Virologie und gestalten lebensgroße Virusformen.
Gesellschaft soll Teil des Forschungsprozesses werden
Hinter den drei Projekten steht ein Ansatz, bei dem gesellschaftliche Perspektiven bereits in Forschungs- und Innovationsprozesse einbezogen werden sollen.
„Innovation entsteht nicht allein durch technologischen Fortschritt, sondern dort, wo unterschiedliche Wissensformen, Erfahrungen, Menschen und Maschinen gelungen kooperieren“, sagt Georg Russegger, Leiter des LBG OIS Centers.
Die „Impact Initiative“ wurde vom LBG OIS Center gemeinsam mit dem Linz Institute for Transformative Change der Johannes Kepler Universität Linz (LIFT_C) und Ars Electronica entwickelt und wird durch Mittel des Fonds Zukunft Österreich kofinanziert.
Das Ars Electronica Festival findet ab heute bis 13. September unter dem Titel „Negotiating Humanity“ in Linz statt. Ausstellungen, Performances, Konferenzen und Workshops beschäftigen sich dabei mit der digitalen Transformation und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen.
