Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von CRIF Österreich | © CRIF
Die wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit schlägt zunehmend auf Unternehmensentscheidungen durch. 57 Prozent der für eine CRIF-Studie befragten Unternehmen in fünf europäischen Ländern bezeichnen die aktuelle Situation als die unsicherste Phase, an die sie sich erinnern können. Die Folgen reichen von überarbeiteten Wachstumsplänen bis zu Einstellungsstopps und Personalabbau.
Für die Studie „Banking on Banks 2026“ wurden 500 Unternehmensentscheider in Deutschland, Großbritannien, Irland, Italien und Polen befragt. Österreich war damit nicht Teil der Erhebung.
Besonders die Kostenentwicklung belastet die Planung. 40 Prozent der Befragten erwarten in den kommenden zwölf Monaten einen deutlichen Anstieg ihrer Betriebskosten. Gleichzeitig geben 73 Prozent an, dass hohe Kosten und Inflation die Unternehmensführung zunehmend erschweren.
Unternehmen korrigieren ihre Wachstumspläne
Die angespannte Lage hat bei einem erheblichen Teil der Unternehmen bereits konkrete Konsequenzen. 36 Prozent haben ihre Wachstumspläne überarbeitet, 27 Prozent Neueinstellungen pausiert. 22 Prozent verschoben oder strichen Expansionspläne, 20 Prozent lagerten Leistungen zur Kostensenkung aus. 15 Prozent haben bereits Personal abgebaut.
Auch längerfristige Initiativen werden zurückgestellt: Zwölf Prozent pausierten Maßnahmen in den Bereichen Diversity, Equity & Inclusion (DEI), zehn Prozent ESG-Vorhaben.
„Unternehmen setzen sich sehr bewusst mit ihrer Situation auseinander und treffen gezielte Entscheidungen, statt in Aktionismus zu verfallen. Genau das erhöht die Chance, gestärkt aus dieser Phase herauszugehen“, sagt Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von CRIF Österreich.
Inflation bleibt größtes externes Risiko
Als größten externen Risikofaktor nennen 39 Prozent der Befragten die anhaltend hohe Inflation. Es folgen die Instabilität im Nahen Osten mit 37 Prozent sowie eine mögliche wirtschaftliche Abschwächung im eigenen Land mit 36 Prozent.
33 Prozent sorgen sich um die Konjunkturentwicklung in Europa insgesamt, 32 Prozent um die angespannten Beziehungen zwischen Europa und den USA. Die Unsicherheit erschwert insbesondere längerfristige Entscheidungen: 70 Prozent geben an, dass das globale Umfeld die langfristige Unternehmensplanung schwieriger macht.
Damit geht es für viele Unternehmen nicht allein um einzelne Kostensteigerungen. Auch die mangelnde Vorhersehbarkeit wirtschaftlicher und geopolitischer Entwicklungen wird zunehmend zum Problem für Investitions- und Wachstumsentscheidungen.
Finanzierung wird für Unternehmen schwieriger
Trotz des schwierigen Umfelds schreiben viele Unternehmen ihren Finanzpartnern eine wichtige Rolle zu. 62 Prozent sehen in den praktischen Instrumenten ihrer Banken oder Versicherungen eine Unterstützung beim Umgang mit Cashflow-Risiken. 63 Prozent betrachten Versicherer als wichtigen Schutz vor den Folgen wirtschaftlicher Abschwünge.
Gleichzeitig nimmt der Druck bei der Finanzierung zu. 46 Prozent empfinden den Zugang zu Finanzierungen als zunehmend schwierig, während für 55 Prozent steigende Fremdkapitalkosten die Wachstumspläne belasten.
Auch bei den Dienstleistungen sehen die Befragten Verbesserungsbedarf: 57 Prozent halten Finanzservices für Privatkund:innen für schneller und unkomplizierter als entsprechende Angebote für Unternehmen. 43 Prozent geben zudem an, dass die Schließung von Bankfilialen den Zugang zu benötigter Unterstützung erschwert habe.
„Unternehmen, die in dieser Phase auf verlässliche Finanzpartner und eine klare Anpassungsstrategie setzen, sind klar im Vorteil“, sagt Eisner-Schwarz. Einfachere Prozesse und stärker auf Unternehmen zugeschnittene Lösungen könnten aus ihrer Sicht zusätzlichen Nutzen schaffen.
