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© Grafik: Tschubby/wikipedia
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Innovatives Österreich – die Serie von Austria Innovativ Teil 2: Region Süd

Ausbau im Süden - Kärnten, Steiermark

Der Süden Österreichs zeigt, wie rasch der Aufstieg zu einer der innovativsten Hightech-Regionen Europas funktionieren kann. Die Steiermark führt seit Jahren das F&E-Ranking in Österreich und Kärnten fährt einen rasanten Aufholkurs. Austria Innovativ zeigt aktuelle Highlights.

von: Alfred Bankhamer

Es war ein wahrer Paukenschlag für Kärnten und  Österreich: Die feierliche Eröffnung der neuen Chipfabrik von Infineon im Herbst 2021 in Villach. Denn sie bedeutet nicht nur hochinnovative Jobs, sondern  auch etwas mehr  Unabhängigkeit für Europa in diesem wichtigen Industriesegment. 1,6 Milliarden wurden in den Standort gesteckt, um die für die Elektro-Mobilität und Industrie wichtigen Bauteile für eine hocheffiziente Leistungselektronik auf 300-Millimeter-Dünnwafern zu produzieren und im angeschlossenen Forschungszentrum weiterzuentwickeln. Für die Innovationsregion „Silicon South“ war das ein weiterer wichtiger Schritt, der zugleich 400 hochqualifizierte Arbeitsplätze schafft. Zugleich baut Infineon sein Entwicklungszentrum in Graz aus, das auf energieeffiziente Mikrocontroller spezialisiert ist. Hier gibt es 50 neue Jobs. Und in Leoben startete im März 2022 der Baubeginn für das neue Forschungszentrum des Mikroelektronikhersteller AT&S, in das bis 2025 rund 500 Millionen Euro fließen. Gesucht werden 700 neue Arbeitskräfte.

Ausgebaut wird in der Steiermark und Kärnten aktuell sehr viel. Beispielsweise auch der für den Innovationsstandort Kärnten wichtige Lakeside Park, ein Knotenpunkt zwischen der benachbarten Universität Klagenfurt und Forschungsinstitutionen wie dem Fraunhofer Innovationszentrum für Digitalisierung und künstliche Intelligenz, dem Institut für Robotik und Mechatronik von Joanneum Research oder dem Future Campus, der auf IKT-Forschung und Entwicklung spezialisiert ist und zudem Start-ups Platz bietet. Mittlerweile platzt der Lakeside Park schon aus allen Nähten, weshalb im April 2022 beschlossen wurde, zwei weitere Gebäudekomplexe zu errichten. Das Investitionsvolumen beträgt rund 18,4 Millionen Euro.

Rascher Aufstieg
Starke Branchen-Cluster, hervorragende Universitäten und Fachhochschulen, neue Forschungsgrößen wie etwa die einzigartigen Silicon Austria Labs sowie viele weitere Initiativen der Länder Steiermark und Kärnten haben den Süden Österreichs zu einer hochinnovativen Region mit weltweit führenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen gemacht. Besonders in Südösterreich zeigt sich, dass Forschung und Entwicklung Regionen deutlich stärken und auch resistenter gegen Krisen machen kann.

Die Steiermark führt in Österreich das Forschungsquoten-Ranking schon länger an. Mit einer F&E-Quote von 5,15 Prozent zählt sie schon zu den innovativsten Regionen in der EU. Im Vorjahr hat die Grüne Mark zugleich einen neuen Rekord bei den eingeworbenen FFG-Mitteln erzielen können. Mit 207 Millionen Euro liegt sie nun deutlich vor Wien und Oberösterreich an der Spitze der Bundesländer. Auch im kleineren Kärnten wächst die Forschungsintensität seit Jahren konstant und kräftig an. Mit einer F&E-Quote von 3,22 Prozent konnte sich Österreichs südlichstes Bundesland schon auf Platz 4 vorarbeiten, wobei die Region Südösterreich immer stärker zusammenwächst. Nicht nur durch Infrastrukturprojekte wie etwa den Ausbau der Koralmbahn zur Hochleistungsstrecke, sondern besonders auch durch die Vernetzung innovativer Branchen untereinander und mit Universitäten und Forschungseinrichtungen. Dies hat aus der Grünen Mark und dem sonnigen Kärnten, einst vor allem für Tourismus, Erholung und auch sanierungsbedürftige Großindustrien bekannt, in kurzer Zeit zu einer innovativen Vorzeigeregion in Österreich und Europa gemacht.

Die Steiermark gilt zudem als Geburtsort der heute österreichweit sehr erfolgreichen Clusterstrategie. Erfolgsbeispiele wie Österreichs erster Cluster, der Automobilcluster AC Styria, der 1995 von den drei Leitbetrieben AVL List, Steyr Daimler Puch Fahrzeugtechnik und Magna Steyr (einst Chrysler) gegründet wurde, oder neuere Beispiele wie der Elektronik-Cluster Silicon Alps oder der Green Tech Cluster zeigen vor, was mit nun schon längst länderübergreifenden Kooperationen möglich ist. „Österreich ist im ECO-Innovation Index der EU als Innovationleader unter den europäischen Top drei, und bei den Green Tech-Umsätzen ex aequo auf Platz 1“, betont Bernhard Puttinger. Geschäftsführer von Green Tech. Der Süden Österreichs ist längst nicht nur ein „Silicon Valley“ und ein Zentrum für Mobilität, sondern laut Puttinger auch ein Green Tech Valley: „14 von 18 Spitzenforschungskompetenzzentren befinden sich hier und 40 Prozent der österreichischen Erneuerbaren Energie-Forschungsprojekte werden im Valley abgewickelt. All das in einer Region, die 18 Prozent des österreichischen BIPs ausmacht. So pusht das Green Tech Valley ganz Österreich zum Green Innovation Leader.“

Koralm und „Hafen Villach
Die Region lebt vom Pioniergeist vieler innovativer Unternehmen und Forschender. Und die Politik setzt sich für die nötige Infrastruktur ein. Es wurden Technologieparks geschaffen und laufend ausgebaut sowie große Infrastrukturprojekte für Verkehr und Logistik angegangen wie aktuell die Koralmbahn, mit der ab 2026 der Weg Graz-Klagenfurt in nur 45 Minuten bewältigt werden kann. Mit dem Auto benötigt man auf der kürzesten, 139 Kilometer langen Strecke, gut eineinhalb Stunden. Sehr wichtig ist auch der Ausbau des Logistikstandorts Villach. Mit dem Projekt „Dry Port Villach“ wird der Containerterminal nun direkt mit den großen Adriahäfen „als Hafen im Hinterland“ vernetzt. Die Region diente seit jeher als Logistikdrehscheibe zwischen Zentral- und Süd- und Südosteuropa. Und diese Funktion wird nun laufend – mit nachhaltigen Verkehrsverbindungen – ausgebaut.

Innovationsraum Südösterreich
Eine aktuelle Standortstudie über den „Wirtschafts- und Innovationsraum Südösterreich“, durchgeführt von Joanneum Research, der Uni Graz und dem Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung, hebt neben verbindenden Infrastrukturprojekten wie dem Koralmtunnel besonders auch die Bedeutung der vielfältigen Kooperationen hervor. Die Region Südösterreich wird europaweit schon länger als einer der wichtigsten Standorte im Bereich Mikroelektronik gesehen – dank der kritischen Masse an Forschungsorganisationen und innovativer Unternehmen in beiden Bundesländern sowie der guten Vernetzung und Vermarktung etwa im Rahmen des länderübergreifenden Silicon Alps Clusters. Besonders die engen Kooperationen in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung etwa durch das neue Spitzenforschungszentrum Silicon Austria Labs oder Joanneum Research sind wichtige Erfolgsfaktoren.

Die Studie bietet auch zahlreiche Empfehlungen. Schon bestehende gemeinsame Aktivitäten in den Clustern, den Forschungseinrichtungen, dem Digital Innovation Hub Süd ober im Hochschulausbau (Bauleitplan Süd) sollen verstärkt und neue Initiativen gestartet werden. Die Pläne der Politik siehe in der blauunterlegten Information unten.

Im Blickpunkt
AGENDA SÜDÖSTERREICH 2030

Die Standortstudie über den „Wirtschafts- und Innovationsraum Südösterreich“ (siehe oben) dient nun als Basis, um die Zusam-menarbeit zwischen Steiermark und Kärnten weiter zu verstär-ken. Die Kärntner Forschungslandesrätin und Landehaupt-mannstellvertreterin Gaby Schaunig sowie die steirische Wirtschafts- und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl planen gemeinsam mit dem steirischen Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk und der Kärntner WKO-Vizenpräsidentin Astrid Legner die Erarbeitung einer gemeinsamen Agenda. Unter dem Titel „Agenda Wirtschafts- und Innovationsraum Süd-österreich 2030“ sollen zahlreiche Maßnahmen den Standort stärken und international noch sichtbarer machen. Ein klares Ziel ist, die gemeinsame F&E-Quote (aktuell liegt sie bei 4,57) ab 2030 dauerhaft auf über fünf Prozent zu heben. Die schon bestehenden gemeinsamen Aktivitäten in den Clustern und Forschungseinrichtungen, dem Digital Innovation Hub Süd oder beim Hochschulausbau (Bauleitplan Süd) sollen verstärkt und neue Initiativen gestartet werden. Eine große Herausforderung ist dabei, der aktuellen Abwanderung gut ausgebildeter Menschen entgegenzuwirken. Die Attraktivität des Standorts soll für Forschende wie Fachkräfte noch deutlich erhöht werden. Neben der sehr hohen Lebensqualität sollen deshalb noch Punkte wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, internationale Schulen, mehr MINT-Ausbildungsschwerpunkte, Ausbau der FHs und verstärkte Öffnung für Berufstätige und vieles mehr erfolgen.


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