Forschung Politik
Foto: Christian Husar
Bundesministerin Elisabeth Köstinger: „Noch viel Potenzial für die Sicherheitsforschung.“
Foto: Christian Husar

KIRAS

Resilienz erhöhen

Foto: Christian Husar
Andreas Reichhardt, Sektionschef im BMLRT: „Werden auch weiterhin in Sicherheit investieren.“
Foto: Christian Husar
Foto: Christian Husar
Volles Haus unter Einhaltung aller Corona-Regeln.
Foto: Christian Husar

Die 10. KIRAS Fachtagung war – natürlich unter Einhalten aller Corona-Vorschriften – ein voller Erfolg. Einmal mehr wurde die unbedingte Notwendigkeit von Sicherheitsforschung (KIRAS) und Verteidigungsforschung (FORTE) allen vor Augen geführt.

Es war eine Premiere für Elisabeth Köstinger. Immerhin liegen die Agenden für die Sicherheitsforschung und die Verteidigungsforschung erst seit der neuen Regierungsbildung in ihren Händen. Aber die Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus fühlte sich sichtlich „sicher“ in dieser Umgebung. Und das lag daran, dass die Themenvielfalt ebenso spannend ist wie die Bedeutung dieser Forschungen. „Der Lockdown im Frühjahr hat gezeigt, wie wichtig für die Menschen das Thema Versorgungssicherheit ist“, führte Köstinger aus. Das habe die Wichtigkeit des Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS unterstrichen, gleichzeitig aber auch gezeigt, dass noch viele Potenziale vorhanden sind. Köstinger nannte hier die Stärkung von Versorgungsketten, beispielsweise bei Schutzmasken oder Medikamenten. „Hier geht es um die strategische Vorsorge“, so die Bundesministerin. Auch in Fragen der Rohstoffversorgung und der Kreislaufwirtschaft sieht sie noch viel Bedarf. Ebenso seien digitale Sicherheitsfragen von zunehmender Bedeutung: „Wir hatten eine Million Schüler im Homeschooling, wir haben verstärkt Teleworking – diese Themen müssen wir weiterdenken.“ Auch Cyberkriminalität sei etwas, das man nicht unterschätzen dürfe, ebenso der Bereich der Fake News. „Sicherheit ist kein Inselthema“, machte Köstinger deutlich, und unterstrich damit auch die internationale Komponente in KIRAS und FORTE. Sie sei stolz darauf, dass bereits jedes vierte Projekt im Bereich der Sicherheitsforschungs-Förderung auf EU-Ebene unter Mitwirkung österreichischer Akteur*innen vonstatten gehe.
 

Schutz sollte selbstverständlich sein

Andreas Reichhardt, Sektionschef im BMLRT und für die Stabsstelle für Sicherheitsforschung und Technologietransfer verantwortlich, freute sich über die nette Aufnahme, die er mit seinem Sicherheits-Team im „neuen“ Ministerium erfahren hatte. „Wir sind mit offenen Armen aufgenommen worden“, so Reichhardt, der dafür Köstinger dankte. Gleichzeitig stellte Reichhardt fest, „dass Sicherheit und Schutz für unsere Heimat eine Selbstverständlichkeit sein muss“. Die Sicherheitsforschung leistet wichtige Beiträge, um die Gesellschaft resilienter und sicherer zu machen. Sie ist auch wirtschaftlich von Bedeutung: 278 Projekte wurden bisher mit insgesamt 94 Mio. Euro gefördert. 180 Mio. Euro Wertschöpfung wurden damit ausgelöst sowie rund 3.000 Arbeitsplätze gesichert bzw. begründet. Der große Vorteil an KIRAS und FORTE sei die verpflichtende Einbindung von Bedarfsträgern. Das sichere eine Marktrelevanz und öffne gleichzeitig Türen für neue Kooperationen. Zudem würden alle Projekte fachgerecht evaluiert. Die FFG sei ein wichtiger Partner in den Programmen. Im Herbst werde die nächste Ausschreibung vonstatten gehen, so Reichhardt. 15 Themen würden den Bereich Dienstleistung betreffen, 24 Themen die kooperative Forschung. All das würde dem Willen der Österreicher*innen entsprechen, deren Sicherheitsgefühl zunehme, so Reichhardt. „Wir werden daher auch weiterhin in die Sicherheit investieren.“
 

Menschen wollen klare Aussagen

Reinhard Raml, Geschäftsführer des IFES, untermauerte in seinem Statement die Aussagen von Elisabeth Köstinger und Andreas Reichhardt und belegte das mit Daten aus der Studie „Sicherheitsmonitoring“ vom April 2020. „Mehr als 800.000 Menschen fühlten sich im Frühjahr 2020 sicherer, als noch 2019.“ In der Corona-Krise sei dieses Sicherheitsgefühl durch ein „Zusammengehörigkeitsgefühl“ noch unterstützt worden. Da fast alle Menschen zu Hause waren, fühlte man sich „sicher in den eigenen vier Wänden“. Auch die klare Kommunikation der Politik wurde positiv angenommen: „Einfache und klare Regeln“, beschrieb das Raml. Derzeit würde vor allem die Sorge um die wirtschaftliche Weiterentwicklung die Menschen bewegen. Auch die Stabilität des Euro werde vermehrt in Frage gestellt. Und die Bedeutung von supranationalen Organisationen wie der UNO oder der NATO würde schwinden, ebenso jene der USA. „Die EU schneidet mittelmäßig ab“, stellte Raml fest. Er meinte aber auch, dass es wohl schwierig werde, die Menschen von einem zweiten Lockdown zu überzeugen. Vor allem Frauen hätten in der Lockdown-Phase durch die Mehrfachbelastungen extrem viel auf sich nehmen müssen. „Die Leute spüren die Auswirkungen der Kurzarbeit im positiven Sinne, meinen aber auch, jetzt müssten die Unternehmen direkt unterstützt werden“, sagte Raml. Er stellte hier einen Schulterschluss zwischen Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen fest – etwas, das eigentlich in dieser klaren Form nur selten der Fall ist.  

Die Präsentation der ausgewählten Projekte fand großen Anklang und zeigte vor allem die Themenvielfalt in der Sicherheits- und Verteidigungsforschung. Ein Aspekt, auf den auch Ralph Hammer, Leiter der Stabsstelle für Sicherheitsforschung und Technologietransfer im BMLRT, in seinem Abschlussstatement hinwies. Er unterstrich die Bedeutung der einzigartigen „Sicherheitsklammer“, die in Österreich mit der KIRAS Sicherheitsforschung und der FORTE Verteidigungsforschung geschaffen wurde.

Ausgewählte Projekte aus KIRAS

kURAGE – Erforschung von Zivilcourage und ­deren Förderung durch spielerische Erfahrungen

ELFUM – Die elektronische Fußfessel als Ressource modernen Haftmanagements

ETU-ZAB – Herausforderungen für Einsatzkräfte unter Tage

DigEx – Simulation des Bedrohungs- und ­Schadenspotenzials von Explosivkörpern auf ­städtischer Ebene

TecTREND – kollaboratives Analysewerkzeug zur Unterstützung der frühzeitigen Erkennung von    sicherheits- und verteidigungs­relevanten Technologieveränderungen

NutriSafe – Sicherstellung von Nahrungsmittel­produktion und -logistik mit Distributed Ledger Technologie

CISA Cyber Incident Situational Awareness – ­Sicherheit und Widerstandskraft der kritischen          Infrastrukturen gegenüber Cyber-Angriffen

security4pharmacy-transportation - Tool zur ­Erhöhung der Sicherheit der Produktion sowie des Transports von pharmazeutischen Vor- und Endprodukten

Energy Network Security – Ausfallssicherheit ­digitalisierter Verteilungsnetze für elektrische ­Energie

WatchDog – Mobile Kommunikations- und Multi-Sensorlösung für Sicherheits- und Risikomanagement im Freiland und im ­Objektschutz


Mehr über diese Projekte auf www.kiras.at

 


Foto: vivihouse

Das innovative Bausystem vivihouse soll vor allem für die Errichtung mehrgeschossiger Gebäude genutzt werden. Es vereint einen geringen…

Weiterlesen
Credit: feuerwehr.at / Andreas Rieger

Wissenstransfer einmal anders: Die Einrichtung von Freiwilligen Feuerwehren an Universitäten und Fachhochschulen in der Steiermark soll Erfahrungen in…

Weiterlesen
Quelle: Rat für Forschung und Technologienentwicklung (2015): Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs 2015. Wien, S. 47

Die Innovationsleistung eines Landes gewinnt für Regierungen immer mehr an Bedeutung, da diese konstant nach Möglichkeiten suchen, die Wirtschaft…

Weiterlesen
Credit: Peter Tajmar

Dr. Cornelia Staritz ist Ökonomin mit den Forschungsschwerpunkten Internationaler Handel sowie Globale Wertschöpfungsketten und Produktionsnetzwerke.…

Weiterlesen
Credit: Manuela Schwarzl

Mit der abermals gesteigerten Forschungsquote auf 5,14% des BIP erzielt die Steiermark eine Spitzenplatzierung in Europa und ist – im Vergleich zur…

Weiterlesen
Credit: Studio Simonis/ Andrei Pungovschi

Rechtzeitig vor dem Alpbacher Technologiegesprächen wurde am 22. August wurde die Zukunftsoffensive für Forschung, Technologie und Innovation…

Weiterlesen
Credit: Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs 2018

Trotz einer F&E-Quote von 3,16 Prozent wird Österreich am selbstgesteckten Ziel, in die Gruppe der Innovation Leaders vorzustoßen, wegen der…

Weiterlesen
JustSmilePics

Mobilität ist im Wissenschaftssystem ein zentraler Faktor, der für die internationale Position des Forschungsstandortes Österreich immer wichtiger…

Weiterlesen

Am 3. und 4. März 2021 findet zum fünften Mal das „Deutsch-Österreichische Technologieforum“, das größte bilaterale Forum zum Thema Digitalisierung in…

Weiterlesen

Die European Researchers’ Night ist findet europaweit jedes Jahr zur gleichen Zeit in vielen europäischen Städten statt.

Weiterlesen

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten