Kilian Kaminski, Co-Founder von refurbed. | © refurbed
Die geplante Paketabgabe des Finanzministeriums stößt in der heimischen Startup-Szene auf Kritik. AustrianStartups warnt davor, dass die vorgesehene Abgabe von zwei Euro pro kommerzieller Paketsendung vor allem österreichische Startups, Scaleups und kleinere E-Commerce-Unternehmen belasten könnte.
Die neue Regelung soll ab 1. Oktober 2026 gelten und Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro österreichischem B2C-Jahresumsatz treffen. Ziel sei es laut Regierung, gleiche Wettbewerbsbedingungen im internationalen Onlinehandel zu schaffen. Aus Sicht von AustrianStartups könnte die Maßnahme jedoch gegenteilige Effekte haben.
Kosten könnten an kleinere Händler weitergegeben werden
Formal richte sich die Abgabe zwar gegen große Plattformen und Versandunternehmen. In der Praxis würden die zusätzlichen Kosten aber voraussichtlich über höhere Gebühren und Provisionen an Händler weitergegeben, die auf diesen Plattformen verkaufen.
„Startups, die bewusst entschieden haben, in Österreich zu produzieren und von hier aus zu versenden, werden mit dem aktuellen Entwurf mit den großen Plattformen in einen Topf geworfen“, sagt Katrin Susanna Wallner, Gründerin von Lanbiotic. E-Commerce sei für viele junge Unternehmen „ein zentrales Standbein“.
Kritisch sieht AustrianStartups auch die fehlende Übergangsregelung: Unternehmen, die knapp über die Umsatzgrenze wachsen, müssten die Abgabe sofort vollständig zahlen. Gleichzeitig könnten internationale Anbieter den Schwellenwert durch Konzernstrukturen umgehen.
Reuse- und Refurbished-Modelle besonders betroffen
Besonders problematisch sei die geplante Abgabe für Secondhand-, Refurbished- und Reuse-Geschäftsmodelle. Dort seien die Margen deutlich geringer als im klassischen Neuwarenhandel.
„Bei einem refurbishten iPhone beispielsweise ist der Produktpreis zwar relativ hoch, aber die Marge für Refurbisher ist sehr gering“, erklärt Kilian Kaminski, Co-Founder von refurbed. Die Abgabe könne daher kaum weitergegeben werden. „Das Resultat: Preise im Reuse-Bereich steigen, neue Billigwaren nicht.“
Aus Sicht von AustrianStartups stehe die Maßnahme damit auch im Widerspruch zu klima- und wirtschaftspolitischen Zielen. Unternehmen, die lokal produzieren oder auf Kreislaufwirtschaft setzen, würden zusätzlich belastet.
Forderung nach EU-Lösung
AustrianStartups fordert deshalb, den Gesetzesentwurf in der aktuellen Form zurückzuziehen. Sollte eine Paketabgabe politisch weiterverfolgt werden, brauche es zumindest Ausnahmen für Secondhand- und Refurbished-Produkte sowie eine europäische Lösung statt eines österreichischen Alleingangs.
„Startups und Scaleups, die lokal produzieren, über Plattformen skalieren oder im Reuse-Bereich arbeiten, sind ein wichtiger Wachstumstreiber für den Wirtschaftsstandort Österreich“, sagt Hannah Wundsam, Co-Managing Director von AustrianStartups. Diese Perspektive müsse „bei solchen Maßnahmen mitgedacht werden“.
