Kurzfristige Preissprünge bei Kraftstoffen wirken sich häufig zeitverzögert aus. | © vadish – stock.adobe.com
Die stark gestiegenen Dieselpreise infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten erhöhen den Kostendruck im europäischen Straßengüterverkehr. Doch im Spotmarkt für Transporte schlagen sich die höheren Energiekosten bislang nur verzögert nieder.
Das zeigen aktuelle Auswertungen der TIMOCOM Frachtenbörse, die eine deutliche Diskrepanz zwischen Kraftstoffkosten und Transportpreisen erkennen lassen.
Transportpreise steigen – aber langsamer als Kosten
Im europäischen Spotmarkt legten die von Frachtführern geforderten Preise zuletzt zwar zu, allerdings deutlich moderater als die Dieselpreise.
So stieg der durchschnittliche Kilometerpreis für europaweite Transporte von 1,49 Euro (KW 9) auf 1,59 Euro (KW 11) – ein Plus von rund 6,7 Prozent innerhalb von zwei Wochen.
Im deutschen Binnenmarkt fiel der Anstieg etwas stärker aus: Hier erhöhten sich die Preise von 1,62 Euro pro Kilometer auf 1,76 Euro, zu Beginn der darauffolgenden Woche sogar auf knapp 1,80 Euro/km.
Dieselpreise steigen deutlich stärker
Im gleichen Zeitraum entwickelte sich der Dieselpreis deutlich dynamischer. Seit Kalenderwoche 9 stieg er in Deutschland um rund 32 Prozent – und damit deutlich stärker als die Transportpreise.
Dass sich diese Entwicklung nicht sofort im Markt widerspiegelt, hat mehrere Gründe.
„Viele Transportunternehmen spüren diese Entwicklung jedoch nicht unmittelbar in voller Höhe“, erklärt Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei TIMOCOM. Größere Flotten verfügten häufig über eigene Tankinfrastruktur oder langfristige Lieferverträge. Zudem werde oft im Ausland getankt, wo die Preise niedriger seien.
Zeitverzögerung im Spotmarkt
Kurzfristige Preissprünge bei Kraftstoffen wirken sich daher häufig erst zeitverzögert auf die Transportpreise aus – insbesondere im Spotmarkt, in dem Transportaufträge kurzfristig vergeben werden.
Sollte das hohe Preisniveau bei Diesel jedoch anhalten, dürfte sich der Effekt verstärken.
„Falls die Dieselpreise langfristig auf dem hohen Niveau bleiben, dürfte dies einen deutlicheren Anstieg der Transportpreise nach sich ziehen“, so Gunnar Gburek.
Weitergabe der Kosten bleibt unsicher
Ob Transportunternehmen die steigenden Betriebskosten vollständig an ihre Auftraggeber weitergeben können, ist allerdings offen.
Angesichts eines schwachen Wirtschaftswachstums und eines intensiven Wettbewerbsumfelds bleibt die Durchsetzbarkeit höherer Preise begrenzt.
Damit steht die Branche vor einem bekannten Problem: steigende Kosten auf der einen Seite – und begrenzte Spielräume bei der Preisgestaltung auf der anderen.
