Autarkiegrad einer beispielhaften Energiegemeinschaft im Jahresverlauf mit auf den Winter zentrierter Darstellung. Dunklere Grüntöne stehen für einen höheren Grad an Selbstversorgung. | © Salzburg Research
Energiegemeinschaften gelten als wichtiger Baustein der Energiewende – viele verbinden damit die Hoffnung auf weitgehende Unabhängigkeit vom Energiemarkt. Eine aktuelle Studie relativiert diese Erwartung nun und zeigt zugleich, welche Maßnahmen die Versorgungssicherheit tatsächlich verbessern können.
Präsentiert wurden die Ergebnisse beim 19. Symposium Energieinnovation in Graz. Untersucht wurde, wie unterschiedliche Kombinationen aus Photovoltaik, Speichern, Wärmepumpen und kontinuierlicher Stromerzeugung die Autarkie von Energiegemeinschaften beeinflussen.
Warum rechnerische Autarkie wenig aussagt
Im Zentrum der Studie steht die Unterscheidung verschiedener Autarkie-Begriffe. Während „bilanzielle Autarkie“ bedeutet, dass übers Jahr gerechnet so viel Energie erzeugt wie verbraucht wird, beschreibt „lastgerechte Autarkie“ die tatsächliche Fähigkeit, den Energiebedarf jederzeit aus eigener Produktion zu decken.
Gerade im Winter stoßen viele Modelle an Grenzen. „Die detaillierte Betrachtung zeigt eine signifikante Winterlücke, die durch das Auseinanderklaffen von PV-Erzeugung und saisonalem Wärmebedarf entsteht“, erklärt Studienautor Stefan Linecker von Salzburg Research.
Einzelmaßnahmen reichen selten aus
Für die Untersuchung wurden typische österreichische Energiegemeinschaften simuliert – darunter eine gemeindegeführte Gemeinschaft mit 230 Zählpunkten aus Haushalten, Gewerbe und kommunalen Einrichtungen.
Die Ausgangslage zeigt die Herausforderung deutlich: Bei rein elektrischer Betrachtung lag die Autarkie bei 26 Prozent, unter Einbeziehung von Wärme und Mobilität jedoch nur bei 4,2 Prozent.
Besonders wirksam seien kombinierte Ansätze. Zusätzliche Batteriespeicher erhöhen den Eigenverbrauch schrittweise, während größere Photovoltaikflächen zunehmend Überschüsse erzeugen, die nicht immer genutzt werden können. Kontinuierliche Energiequellen wie Kleinwasserkraftwerke wirken dagegen stabilisierend, weil sie unabhängig von Sonnenstunden Strom liefern.
Wärmepumpen und E-Mobilität verändern die Bilanz
Die Studie zeigt zudem, dass eine sinkende Strom-Autarkiequote nicht zwangsläufig negativ zu bewerten ist. Durch Wärmepumpen und Elektromobilität steigt zwar der Strombedarf, gleichzeitig werden fossile Energieträger ersetzt.
„Sinkende Quoten bei der Strom-Autarkie sind bei gleichzeitiger Sektorkopplung kein Versagen“, betont Linecker. Vielmehr könne dies ein Hinweis darauf sein, „dass fossile Primärenergie erfolgreich substituiert wird“.
Akzeptanz bleibt entscheidender Faktor
Neben technischen Fragen analysierte die Studie auch die gesellschaftliche Akzeptanz. Die Zahlungsbereitschaft für zusätzliche Autarkie-Maßnahmen sei stark kostenabhängig. Zustimmung gebe es vor allem für etablierte Technologien wie Photovoltaik und Batteriespeicher, während komplexe Wasserstofflösungen deutlich skeptischer bewertet würden.
Die Forschenden sehen Autarkie deshalb weniger als rein technisches Ziel, sondern als Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und gesellschaftlicher Akzeptanz.
„Autarkie ist damit weniger ein technisches Optimierungsproblem als ein interdisziplinäres Gestaltungsfeld aus Technologie, Wirtschaftlichkeit und sozialer Akzeptanz“, fasst Linecker zusammen.
