Nach Angaben der ARA fallen in Österreich jährlich rund 213.000 Tonnen Textilabfälle an. | © Unsplash/Eric Prouzet
Mit dem Inkrafttreten des EU-weiten Verbots zur Vernichtung unverkaufter Textilien am 19. Juli rückt die Kreislaufwirtschaft im Textilsektor stärker in den Fokus. Eine repräsentative Umfrage der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) zeigt, dass die neuen Vorgaben in Österreich auf breite Zustimmung stoßen.
Demnach befürworten 85 Prozent der Befragten das Verbot, unverkaufte Kleidung zu vernichten. Noch größer ist die Zustimmung zum geplanten verpflichtenden Textilrecycling: 94 Prozent sprechen sich dafür aus, kaputte Kleidung künftig zu recyceln statt über den Restmüll zu entsorgen.
Hersteller künftig stärker in der Verantwortung
Grundlage der neuen Regelungen ist die überarbeitete EU-Abfallrahmenrichtlinie. Sie sieht neben dem Vernichtungsverbot auch eine erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) für Textilien vor. Künftig sollen Produzenten von Bekleidung, Schuhen und Heimtextilien Verantwortung für Sammlung, Sortierung und Recycling ihrer Produkte übernehmen.
Nach Angaben der ARA fallen in Österreich jährlich rund 213.000 Tonnen Textilabfälle an. Derzeit werden rund drei Viertel davon nicht getrennt gesammelt, sondern thermisch verwertet.
„Die Menschen in Österreich sind bereit, ihren Beitrag zu leisten und Textilien getrennt zu sammeln. Die Herausforderung liegt nun darin, die notwendigen Strukturen für Sortierung und Recycling aufzubauen, um das verpflichtende Textilrecycling ab 2028 umsetzen zu können“, sagt Harald Hauke, Vorstandssprecher der ARA.
Mehrheit wünscht bessere Sammelstrukturen
Die Umfrage zeigt zugleich eine deutliche Umsetzungslücke: Zwar entsorgen derzeit 51 Prozent der Befragten kaputte Kleidung und 68 Prozent kaputte Schuhe im Restmüll – dem aktuell vorgesehenen Entsorgungsweg. Gleichzeitig empfinden 69 Prozent dies als nicht richtig.
Gut erhaltene Kleidung wird hingegen bereits häufig weitergegeben: 42 Prozent nutzen Altkleidercontainer, 36 Prozent verschenken Kleidung im privaten Umfeld, 35 Prozent verkaufen sie weiter und 34 Prozent spenden sie an soziale Einrichtungen.
Für einen funktionierenden Textilkreislauf wünschen sich 84 Prozent der Bevölkerung mehr Informationen zur richtigen Entsorgung. Als wichtigste Voraussetzungen nennen sie zusätzliche Sammelcontainer, eine eindeutige Kennzeichnung von Produkten sowie die Gewissheit, dass gesammelte Textilien tatsächlich recycelt werden.
ARA fordert praxistaugliche Umsetzung
Aus Sicht der ARA braucht es nun rasch klare gesetzliche Rahmenbedingungen und Investitionen in die Recyclinginfrastruktur.
„Ein pragmatisches, von der Wirtschaft getragenes EPR-System ist der einzig vernünftige Weg. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern können das bewährte Know-how und die etablierten Prozesse aus dem Verpackungsrecycling eins zu eins nutzen“, betont Hauke.
Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Marketagent-Umfrage unter 1.000 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren, die im Auftrag der ARA durchgeführt wurde.
