Brigitte Bach, Präsidentin der Forschung Austria und Sprecherin der Geschäftsführung des AIT Austrian Institute of Technology. | © AIT / Peter Rigaud
Forschung Austria ist Österreichs Dachverband der außeruniversitären, anwendungsorientierten und wirtschaftsnahen Forschung und technologischen Entwicklung. Mit gesamt rund 4.000 hochqualifizierten Expert:innen bieten die Mitgliedorganisationen (AIT Austrian Institute of Technology, Joanneum Research, Salzburg Research, ACR – Austrian Cooperative Research, Silicon Austria Labs, Forschung Burgenland und Upper Austrian Research) ein umfangreiches und international konkurrenzfähiges Leistungsspektrum.
Zum Thema Diversität bezieht die Forschung Austria klar Stellung: Vielfalt, Chancengleichheit und faire Rahmenbedingungen (DEE – Diversity, Equality & Equity) sind keine „Soft Factors“, sondern zentrale und unverzichtbare Voraussetzungen für Exzellenz und Wettbewerbsfähigkeit der Forschung in Österreich.
„Forschung lebt von Vielfalt, Neugier und unterschiedlichen Blickwinkeln. Studien belegen, dass diverse Teams und ein höherer Frauenanteil die Innovationskraft, Produktivität und Rentabilität von Unternehmen steigern. Diverse Teams treffen fundierte Entscheidungen, lösen Konflikte besser und arbeiten kreativer“, betont Brigitte Bach, Präsidentin der Forschung Austria.
Strukturelle Schieflage
Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Dringlichkeit: Zwar sind Frauen mit rund 56 Prozent unter Studiere-den in Österreich in der Mehrheit, doch nach dem Studium kehrt sich dieses Verhältnis um. In Forschung und Entwicklung liegt ihr Anteil nur bei etwa 32 Prozent, in Vollzeitäquivalenten so-gar lediglich bei rund 25 Prozent. Besonders kritisch zeigt sich die Situation im MINT-Bereich: Weniger als ein Drittel der Frauen, die eine entsprechende Ausbildung absolvieren, bleibt langfristig in diesem Berufsfeld tätig. „Es braucht daher konsequente Anstrengungen, um strukturelle Barrieren abzubauen und Frauen für MINT-Karrieren zu gewinnen und langfristig zu halten.“, so Brigitte Bach. Leitlinien für eine zukunftsfähige Forschungslandschaft Forschung Austria betont in ihrem Positionspapier unmissverständlich, dass Diversität weit über eine gesellschaftspolitische Zielsetzung hinausgeht. Um den strukturellen Herausforderungen zu begegnen, formuliert Forschung Austria sechs zentrale Handlungsfelder:
1. Vielfalt sichtbar machen: Diversität aktiv als Qualitäts- und Erfolgsfaktor etablieren.
2. Strukturelle Maßnahmen stärken: etwa durch diversitätssensibles Recruiting, transparente Auswahlprozesse und gezielte Förderprogramme.
3. Kulturwandel vorantreiben: ein Arbeitsumfeld schaffen, das auf Respekt, Inklusion und Wertschätzung basiert.
4. Monitoring intensivieren: Fortschritte systematisch messen und strukturelle Barrieren analysieren.
5. Führungsverständnis erweitern: inklusive, kooperative Führungsmodelle etablieren.
6. Diversität strategisch verankern: DEE-Prinzipien (Diversity, Equality und Equity) als integralen Bestandteil institutioneller Strategien festlegen.
Gleichstellung wird nicht als Einzelmaßnahme verstanden, sondern als kontinuierlicher Entwicklungsprozess, der durch Monitoring, interne Netzwerke und strukturelle Verankerung abgesichert wird. Die Herausforderung liegt nun darin, die formulierten Leitlinien breit umzusetzen und strukturelle Barrieren konsequent abzubauen. Denn eines ist klar: Ohne mehr Frauen und mehr Diversität wird das volle Innovationspotenzial der Forschung ungenutzt bleiben.
