Seit 2016 wird intensiver und differenzierter über Klima berichtet. | © Marie Kogler
Ob Klimaberichterstattung Menschen zu klimafreundlichem Verhalten motiviert, lässt sich nicht allein daran festmachen, ob Medien Bedrohungen oder Lösungen in den Vordergrund stellen. Zu diesem Ergebnis kommt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der Universität Graz. Eine wesentliche Rolle spielen vielmehr die ausgelösten Emotionen und das Gefühl, durch das eigene Handeln tatsächlich etwas bewirken zu können.
Im vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt REASON untersuchen Forschende unterschiedlicher Disziplinen, wie Klimanachrichten wahrgenommen werden und welche Reaktionen sie auslösen. Dafür wurden unter anderem mehr als 100.000 Medienbeiträge analysiert und empirische Studien mit Rezipient durchgeführt. Auch neurowissenschaftliche Untersuchungen sind Teil des Projekts.
Mehr als 100.000 Medienbeiträge untersucht
Für die Analyse der österreichischen Klimaberichterstattung untersuchte das Forschungsteam Beiträge der neun auflagenstärksten Medien aus den Jahren 2002 bis 2023. Dabei zeigte sich ab 2016 eine deutlich intensivere und differenziertere Berichterstattung über Klimathemen.
Die verbreitete Annahme, Klimajournalismus bestehe vorwiegend aus alarmierenden Nachrichten, bestätigte sich dabei nicht. Detaillierte Analysen der Berichterstattung seit 2018 ergaben, dass lösungsorientierte Botschaften mindestens ebenso häufig vorkamen wie bedrohungsorientierte.
„Auch diese einfache Annahme, Klimajournalismus sei vor allem Doom and Gloom, wurde durch unsere Studie etwas ausgehebelt“, sagt Projektleiterin Marie Kogler von der Universität Graz.
Entscheidend ist allerdings die Frage, welche Wirkung unterschiedliche Formen der Berichterstattung beim Publikum entfalten.
Bedrohung und Lösungen können unterschiedlich wirken
In zwei empirischen Fallstudien untersuchten die Forschenden, ob bedrohungs- oder lösungsorientierte Klimanachrichten die Bereitschaft zu Verhaltensänderungen beeinflussen. Ein eindeutiger Zusammenhang ließ sich nicht feststellen.
„Das Interessante war, dass der direkte Effekt nicht entlang der Unterscheidung zwischen lösungs- oder bedrohungsorientierten Statements messbar war“, erklärt Annina Thaller vom Institut für Umweltsystemwissenschaften der Universität Graz.
Stattdessen erwiesen sich die ausgelösten Emotionen als wichtiger. Alarmierende Nachrichten können Klimaangst hervorrufen. Diese kann bei manchen Menschen Hoffnungslosigkeit und Apathie auslösen, bei anderen hingegen politisches Engagement fördern.
Auch lösungsorientierte Beiträge wirken nicht automatisch mobilisierend. Konkrete Handlungsmöglichkeiten können Menschen zum Handeln bewegen. Gleichzeitig kann die positive Darstellung einer Lösung aber auch das Gefühl erzeugen, das Problem werde bereits ausreichend bearbeitet – und damit den eigenen Handlungsdruck verringern.
Die Forschenden kommen deshalb zu dem Schluss, dass es für Klimakommunikation keine universell wirksame Strategie gibt.
Selbstwirksamkeit wird zum Schlüsselfaktor
Als besonders relevant erweist sich die wahrgenommene Selbstwirksamkeit: Menschen müssen den Eindruck haben, dass ihre Entscheidungen tatsächlich etwas verändern können.
Damit stößt Klimakommunikation allerdings an Grenzen, die Medien allein kaum beeinflussen können. Ob Menschen beispielsweise auf das Auto verzichten können, hängt nicht nur von ihrem Wissen oder ihrer Einstellung ab, sondern ebenso von Einkommen, sozialem Umfeld und vorhandener Infrastruktur. Fehlt eine öffentliche Verkehrsanbindung, bleiben individuelle Handlungsmöglichkeiten begrenzt.
Die Ergebnisse stellen damit auch die verbreitete Annahme infrage, mehr Wissen oder mehr lösungsorientierte Berichterstattung führe automatisch zu klimafreundlicherem Verhalten.
Gehirn reagiert ähnlich auf Bedrohung und Lösungen
Ergänzt werden die Untersuchungen durch neurowissenschaftliche Experimente unter der Koordination von Florian Fischmeister an der Medizinischen Universität Wien. Versuchspersonen wurden 57 unterschiedliche Aussagen zum Klima vorgelegt und ihre Reaktionen mittels MRT untersucht.
„Das Gehirn reagierte ähnlich auf bedrohliche und lösungsorientierte Klimaaussagen. Insgesamt wurden negative Klimanachrichten jedoch etwas weniger leicht verarbeitet als neutrale Nachrichten“, sagt Projektmitarbeiterin Gabija Aurylaite.
Bei lösungsorientierten Botschaften zeigte sich zudem etwas mehr Aktivität in Gehirnbereichen, die mit Mobilisation in Verbindung gebracht werden. Aurylaite schränkt allerdings ein: „Dieser Befund ist allerdings noch vorläufig und muss weiter untersucht werden.“
Das Forschungsprojekt REASON läuft noch bis Ende 2026, weitere Publikationen sind angekündigt. Die bisherigen Erkenntnisse sollen zudem in Workshops und Webinaren mit Journalist:innen, NGOs und Politiker:innen diskutiert werden. Ziel ist es, Strategien für eine wirksamere Klimakommunikation zu entwickeln – ohne davon auszugehen, dass eine bestimmte Art der Berichterstattung bei allen Menschen dieselbe Reaktion hervorruft.
