Die Diskussionen zeigen, dass die langfristige Sicherung der Wasserversorgung nicht allein eine Frage zusätzlicher Infrastruktur ist. | © Wirlphoto
Österreich ist ein wasserreiches Land, doch die Ressource steht zunehmend unter Druck. Steigende Temperaturen verändern den Wasserhaushalt, längere Trockenperioden belasten die Landwirtschaft und regionale Nutzungskonflikte gewinnen an Bedeutung. Beim Symposium „Wasser unter Druck“ des forum. ernährung heute (f.eh) diskutierten Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, wie sich die Versorgung langfristig sichern lässt.
Besonders deutlich zeigen sich die Veränderungen bei der Verdunstung. Diese ist in Österreich innerhalb von rund vier Jahrzehnten infolge steigender Temperaturen um etwa 17 Prozent gestiegen, erläuterte der Hydrologe Günter Blöschl von der TU Wien.
„Das verändert das Verhältnis zwischen Niederschlag, Bodenfeuchte, Grundwasserneubildung und Abfluss. Dabei sind die Menge, die Zeit und der Ort des Niederschlags ausschlaggebend“, erklärte Blöschl. Längere Trockenperioden erhöhen den Wasserbedarf der Pflanzen, während Starkregen häufig rasch abfließt, anstatt die Wasserspeicher im Boden aufzufüllen.
Landwirtschaft drohen Ertragsverluste
Die Folgen könnten insbesondere in den trockeneren Regionen Ostösterreichs spürbar werden. Dort sind bei bestimmten landwirtschaftlichen Kulturen aufgrund der veränderten Wasserverfügbarkeit Ertragsverluste von bis zu 30 Prozent möglich.
Hermine Mitter von der Universität Graz sieht deshalb Anpassungsbedarf bei Anbauverfahren, Sortenwahl und Bewässerung. Wassersparende Technologien und eine gezielte Bewirtschaftung könnten helfen, die Auswirkungen zunehmender Trockenheit abzufedern.
Auch Blöschl plädierte für eine bessere hydrologische Datengrundlage, vorausschauende Raumplanung und Maßnahmen, die Wasser länger in den Böden halten.
Umweltminister Norbert Totschnig verwies auf die Notwendigkeit eines langfristigen Ressourcenmanagements. „Wir müssen daher noch besser über Ressourcen Bescheid wissen und sie vorausschauend bewirtschaften.“
Als Grundlagen dafür nannte er das Wasserentnahmeregister, die Studie „Wasser im Klimawandel“, den Trinkwassersicherungsplan und die geplante Nationale Wasserstrategie.
Wasserverbrauch endet nicht an Landesgrenzen
Eine weitere Herausforderung liegt im indirekten Wasserverbrauch. Roman Neunteufel von der BOKU University machte deutlich, dass ein wesentlicher Teil des österreichischen Wasserfußabdrucks außerhalb der Landesgrenzen entsteht.
Über internationale Lieferketten ist Österreich damit auch von der Wasserverfügbarkeit in anderen Weltregionen abhängig. Unternehmen benötigen deshalb transparente Informationen über den Wasserverbrauch entlang ihrer Wertschöpfungsketten.
Gudrun Obersteiner von der BOKU University verwies zudem auf die Bedeutung der Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Mit jedem weggeworfenen Lebensmittel gehen auch die Ressourcen verloren, die für dessen Herstellung benötigt wurden.
Wie begrenzte Wasservorkommen zwischen Landwirtschaft, Industrie, Energieversorgung und Trinkwasserwirtschaft aufgeteilt werden können, war ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion. Emmerich Haimer von der FH Wiener Neustadt, Manfred Weinhappel von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und Theresa Fleischberger von Coca-Cola Hellenic betonten die gemeinsame Verantwortung der verschiedenen Nutzer.
Sabrina Peer vom WWF Österreich erinnerte daran, dass auch Flüsse, Böden und Ökosysteme ausreichend Wasser benötigen, um ihre Funktionen erfüllen zu können.
Trinkwasserqualität stärker schützen
Neben der verfügbaren Wassermenge rückt auch die Qualität stärker in den Mittelpunkt. Andreas Farnleitner von der TU Wien und der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems verwies auf mögliche Risiken durch Schadstoffeinträge, Krankheitserreger und veränderte Umweltbedingungen.
Österreich verfügt zwar über hochwertige Grundwasserressourcen und etablierte Versorgungsstrukturen. Um die Trinkwasserqualität langfristig zu sichern, sind jedoch neben regelmäßigen Kontrollen auch der Schutz von Einzugsgebieten, systematische Risikoanalysen und kontinuierliches Monitoring erforderlich.
Ein weiterer Diskussionspunkt waren die ökologischen Auswirkungen unterschiedlicher Getränkeangebote. Leitungswasser weist insbesondere bei gut ausgebauter und energieeffizienter Infrastruktur Vorteile auf. Bei abgefülltem Mineralwasser beeinflussen unter anderem Verpackungsmaterial, Transportwege, Mehrwegsysteme und Recyclingquoten die Umweltbilanz.
Regionale Strategien statt einheitlicher Lösungen
In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass sich die Herausforderungen der Wasserwirtschaft nicht mit einem einheitlichen Maßnahmenkatalog bewältigen lassen. Charlotte Eberl von AGRANA verwies auf die regional unterschiedlichen Bedingungen bei Wasserverfügbarkeit, Nutzungskonkurrenz und Regulierung.
Jakob Schrittwieser vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft betonte die Bedeutung belastbarer Daten, transparenter Wasserbilanzen und standortspezifischer Risikomanagementpläne.
Anna Selitsch von der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) hob hervor, dass bestehende Versorgungsinfrastruktur laufend instandgehalten und neue Projekte rechtzeitig vorbereitet werden müssen.
Vor einer rein nationalen Betrachtung warnte Verena Winiwarter von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Österreich dürfe sich nicht als „Insel der Seligen“ verstehen. Wasserknappheit und Nutzungskonflikte in anderen Weltregionen könnten sich über globale Lieferketten auch auf die heimische Wirtschaft auswirken.
Für Marlies Gruber, Geschäftsführerin des forum. ernährung heute, ist deshalb eine gemeinsame Herangehensweise notwendig. „Wasser ist eine zentrale Grundlage, aber knapper werdende Ressource unseres Ernährungssystems.“
Die Diskussionen zeigen, dass die langfristige Sicherung der Wasserversorgung nicht allein eine Frage zusätzlicher Infrastruktur ist. Ebenso entscheidend sind ein effizienterer Umgang mit den vorhandenen Ressourcen, der Schutz der Wasserqualität und eine bessere Abstimmung zwischen Landwirtschaft, Industrie, Politik und Gesellschaft.
