Weiterbildung und lebensbegleitendes Lernen bleiben unsere Kernaufgaben. | © Walter Skokanitsch
Austria Innovativ Lebenslanges Lernen ist heute ein wesentlicher Baustein für eine erfolgreiche Berufslaufbahn – nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines späteren Pensionsantrittsalters. Wie positioniert sich die UWK in diesem Kontext?
Viktoria Weber: Gerade in der heutigen Zeit des Wandels und der raschen gesellschaftlichen Änderungen liegt es auf der Hand, dass statisches Wissen nur mehr bedingt hilfreich ist und dass kontinuierliche Weiterbildung unerlässlich ist. Lebensbegleitendes Lernen ermöglicht nicht nur persönliche Weiterentwicklung, sondern ist auch für den Wohlstand der Gesellschaft und für die Wettbewerbsfähigkeit unverzichtbar. Als Universität für Weiterbildung sind wir die einzige öffentliche Universität in Österreich und eine der wenigen Institutionen in Europa mit diesem speziellen Profil, die die Weiterbildung von berufstätigen Menschen als ihre Grundaufgabe hat.
Erst voriges Jahr hat die Universität für Weiterbildung Krems ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert – was hat sich beim Start in die nächste Dekade an der Ausrichtung der Universität verändert?
Weiterbildung und lebensbegleitendes Lernen bleiben unsere Kernaufgaben. Dabei steht neben den Inhalten auch die Frage nach dem „Wie“, nach der optimalen Vermittlung von Wissen an bestimmte Studierendengruppen in unterschiedlichen Lebensphasen im Mittelpunkt.
In ihrer Entwicklung hat die Universität für Weiterbildung Krems in den vergangenen Jahren wesentliche Meilensteine erreicht: Dazu zählt etwa die Aufnahme in das Universitätsgesetz 2002 und damit die vollständige Integration in den öffentlichen Universitätssektor. Weiters erfolgte der Aufbau von PhD-Studien. Seit 2015 wurden fünf forschungsbasierte, international ausgerichtete PhD-Programme eingerichtet, die eng an unsere gesamtuniversitären Forschungsschwerpunkte angebunden sind. Weitere wichtige Entwicklungen waren das Habilitationsrecht, unsere starke Entwicklung der Forschung mit den ersten ERC Grants und nun ab dem kommenden Wintersemester unser erstes ordentliches Masterstudium, Psychotherapie.
Welche Herausforderungen prägen das Arbeitsleben, die Wirtschaft, die Gesellschaft und damit den universitären Bildungsbereich aus Ihrer Sicht heute?
Der Wandel der Gesellschaft und die gestiegene Komplexität aller gesellschaftlichen Subsysteme sind prägend. Wir müssen daher flexibel und vernetzt denken und handeln. Das betrifft sowohl die Arbeitswelt als auch die universitäre Bildung und Weiterbildung. Wir stehen vor komplexen Fragestellungen, wie sich unter anderem anhand aktueller Konflikte zeigt, die globale Auswirkungen haben. Zeiten des Wandels, einer veränderten Arbeitswelt und veränderte Lebensrealitäten erfordern eine andere Art der Wissensvermittlung und des Wissenserwerbs. Studien der Weiterbildung müssen laufend geänderte Rahmenbedingungen adressieren.
Welche Rolle spielt die UWK beim Wissenstransfer zwischen Forschung und Wirtschaft und inwiefern trägt sie zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes bei?
Keine Universität kann und will Elfenbeinturm sein. Unsere besondere Stärke als Universität für Weiterbildung ist, dass wir durch unsere Studierenden, die alle große berufliche Erfahrung mitbringen, einen intensiven Wissenstransfer aus der Gesellschaft in die Universität und wieder zurück – zum Beispiel in die Wirtschaft – erreichen. Ein weiterer wichtiger Aspekt für den Wissenstransfer sind Kooperationen. Wir suchen die Zusammenarbeit mit Akteuren außerhalb der Wissenschaft, um taugliche Lösungen für gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragestellungen zu entwickeln. Dieser transdisziplinäre Zugang ist Voraussetzung für die Lösung komplexer Themen.
Was sehen Sie heute als Schlüsselfaktoren für Innovation in Österreich bzw. Europa?
Innovation kann man gerade durch diesen transdisziplinären Denkansatz forcieren. Weiterbildung ist ein weiterer Schlüsselfaktor für Innovation. Auf politischer Ebene gibt es in Europa ein klares Bekenntnis zur Erwachsenenbildung, da sie entscheidend für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit ist. Es gilt aber auch hier, nationale und fachliche Grenzen zu überwinden. Nur in der Vernetzung ist Innovation möglich. Und schließlich der Umgang mit Ungewissheit: Diese stellt nicht in erster Linie eine Gefahr dar, sondern bietet Raum für Entwicklung und Gestaltung.
Wo liegen aktuell die Forschungsschwerpunkte an Ihrem Haus?
Unsere Leitmotive und die Entscheidungsgrundlage für unser Handeln als Universität sind Qualität, Innovation und gesellschaftliche Wirksamkeit. Wir orientieren uns an gesellschaftlichen Herausforderungen, benötigen aber gleichzeitig ein klares Profil.
Unsere Schwerpunkte:
– Bildungstechnologien und Weiterbildungsforschung
– Evidenzbasierte Gesundheitsforschung
– Innovation für nachhaltige und kohäsive Gesellschaften
– Kulturelles Erbe
– Regenerative Medizin und Prävention
– Migration und transnationale Gesellschaften
Kostendruck und Druck zur Budgetkonsolidierung – wie sieht die Finanzierung aus?
Exzellente Lehre und Forschung brauchen eine ausreichende Finanzierung. Die Universität für Weiterbildung Krems ist eine öffentliche Universität und wird derzeit zu 40% finanziert von Bund und Land NÖ, zu 60% durch Einnahmen aus Weiterbildungsstudien und Forschungsmitteln. Die eingeworbenen Forschungsmittel sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen – allein gegenüber dem Vorjahr um über 20% – besonders stark sind wir bei europäischen Förderprogrammen positioniert. Bei den Weiterbildungsstudien gilt es, verstärkt neue, auch internationale Zielgruppen zu erschließen und uns durch die Qualität und Aktualität unseres Angebotes stark zu positionieren.
Die Universität für Weiterbildung Krems in weiteren 30 Jahren – Ihre Zukunftsvision?
Hier möchte ich zunächst etwas nennen, was, wenn Sie mich vor wenigen Jahren gefragt hätten, wahrscheinlich noch nicht an erster Stelle gestanden wäre: Die Universität bekennt sich zu europäischen Werten der Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Sie ist ein Ort freien Denkens und des kritischen Diskurses.
Lebensbegleitendes Lernen wird in 30 Jahren dauerhafter und selbstverständlicher Teil des Erwachsenen-und Erwerbslebens sein. Weiterbildung an einer Universität wird die Regel und nicht die Ausnahme sein. Die Universität für Weiterbildung Krems wird Themenführerin und Impulsgeberin mit internationaler Sichtbarkeit auf diesem Gebiet sein – und eine verlässliche, innovative und gefragte Partnerin, um den großen Themen der Zukunft wirkungsvoll zu begegnen.
Ad personam:
Viktoria Weber studierte Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur Wien und erwarb dort auch ihre Habilitation für das Fach Biochemie (2008). Seit 1999 ist sie an der Universität für Weiterbildung Krems tätig, wo sie seit 2010 eine Professur für Medizinische Biochemie innehat. Seit 2011 war sie Vizerektorin für Forschung und seit 2021 Vizerektorin für Forschung und nachhaltige Entwicklung. Seit August 2025 leitet sie die Universität als Rektorin. Sie ist Past-Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für Künstliche Organe (ESAO) und der Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT).
Viktoria Weber war an mehreren Europäischen Projekten auf dem Gebiet der therapeutischen Apherese und Sepsis beteiligt und leitete von 2013–2019 das CD-Labor für Innovative Therapieansätze in der Sepsis. Sie ist Mitglied im Board des Complexity Science Hub Vienna, im Aufsichtsrat der Vienna Biocenter Core Facilities, sowie des wissenschaftlichen Beirats der Österreichischen Forschungsgemeinschaft. Seit 2021 gehört sie der Klasse für Naturwissenschaften und Technikwissenschaften der Leibniz- Sozietät an.
