Ende Oktober nutzten das ÖWF und die FH Oberösterreich den Standort von Gebrüder Weiss in Wels, um technische Systeme und wissenschaftliche Experimente zu erproben. | © Gebrüder Weiss
Wie können Roboter Astronaut:innen bei der Erkundung des Mars unterstützen? Dieser Frage geht ein Forschungsteam der FH Oberösterreich nach. Für die internationale Mars-Analog-Mission AMADEE-27 entwickelt es ein Robotersystem, das Geländeoberflächen und unterirdische Strukturen dreidimensional erfassen soll. Ende Oktober wurden die Technologien bei einem Probelauf in Wels getestet. Der eigentliche Missionseinsatz ist für April 2027 in Portugal geplant.
Sechs Analog-Astronaut:innen werden dort unter möglichst realitätsnahen Bedingungen das Leben und Arbeiten auf dem Mars simulieren. Koordiniert wird die Mission vom Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF). Insgesamt sind 17 wissenschaftliche Experimente vorgesehen, an deren Entwicklung mehr als 20 Forschungseinrichtungen aus Österreich, Europa und den USA beteiligt sind.
Vierbeiniger Roboter erkundet das Gelände
Eine zentrale Aufgabe übernimmt das Robotik-Team um Raimund Edlinger vom Campus Wels der FH Oberösterreich. Die Forschenden statten einen vierbeinigen Roboter mit mehreren Messsystemen aus, um sowohl die Geländeoberfläche als auch Strukturen unterhalb des Bodens untersuchen zu können.
„Wir integrieren einen Raman-Spektrometer und ein Ground Penetrating Radar (GPR) auf einem vierbeinigen Roboter. Durch die Kombination dieser Sensoren mit den integrierten LiDAR-Systemen erstellen wir ein umfassendes dreidimensionales Umgebungsmodell, das die Geländeoberfläche wie auch unterirdische Strukturen erfasst“, erklärt Edlinger.
Während LiDAR-Sensoren die räumliche Umgebung vermessen, ermöglicht das Bodenradar Einblicke unter die Oberfläche. Die Raman-Spektroskopie dient der Untersuchung von Materialien anhand ihrer molekularen Eigenschaften.
Für die Welser Forschenden eröffnet die Mission zugleich ein neues Anwendungsfeld für Technologien, die ursprünglich für andere Einsatzbereiche entwickelt wurden.
„Für mich und mein Team bietet dieses Training eine spannende Möglichkeit, unsere Expertise aus der Rettungsrobotik in den Weltraumbereich einzubringen“, sagt Edlinger.
Kommunikation mit zehn Minuten Verzögerung
Neben der Robotik werden bei AMADEE-27 auch Arbeitsabläufe, medizinische Verfahren und die Zusammenarbeit zwischen Astronaut:innen und Bodenkontrolle untersucht.
Die sechsköpfige Crew wird auf einem Testgelände in Portugal unter simulierten Marsbedingungen arbeiten. Bei Aufenthalten außerhalb ihres Wohnbereichs tragen die Analog-Astronaut:innen Raumanzüge.
Die Kommunikation mit dem Bodenkontrollzentrum in Österreich erfolgt mit einer künstlichen Signalverzögerung von zehn Minuten. Damit soll eine wesentliche Herausforderung künftiger Marsmissionen nachgestellt werden: Entscheidungen müssen teilweise eigenständig getroffen werden, weil unmittelbare Rückmeldungen von der Erde nicht möglich sind.
Ein interdisziplinäres Team aus Technik, Raumfahrt, Medizin, Robotik und Meteorologie übernimmt die wissenschaftliche und technische Unterstützung. Dazu gehören die Planung der täglichen Experimente sowie die Überwachung des Gesundheitszustands der Crew.
Probelauf bei Gebrüder Weiss in Wels
Ende Oktober nutzten das Österreichische Weltraum Forum und die FH Oberösterreich den Standort des Logistikunternehmens Gebrüder Weiss in Wels, um technische Systeme und wissenschaftliche Experimente für AMADEE-27 zu erproben. Dabei kam auch der von der FH Oberösterreich entwickelte Roboter zum Einsatz.
Gebrüder Weiss begleitet bereits zum dritten Mal eine Mars-Analog-Mission des ÖWF als offizieller Logistikpartner. Das Unternehmen übernimmt unter anderem den Transport der empfindlichen Forschungsausrüstung nach Portugal.
„Eine Mars-Analog-Mission funktioniert nur, wenn auch die Logistik stimmt“, betont Klaus Bannwarth, Niederlassungsleiter von Gebrüder Weiss in Wels. „Unser Team in Wels sorgt dafür, dass die sensible Forschungsausrüstung sicher und termingerecht von Österreich nach Portugal gelangt.“
Robotikkompetenz aus Oberösterreich
Für die FH Oberösterreich ist AMADEE-27 bereits die zweite Beteiligung an einer Mars-Analog-Mission des Österreichischen Weltraum Forums.
Die Hochschule verfügt über Erfahrung in der Entwicklung autonomer Robotersysteme. Das Team DYNAMICS gewann 2025 sowohl die RoboCup Rescue League als auch den Robotikwettbewerb Eurobot und verteidigte 2026 seinen Weltmeistertitel im RoboCup.
Hochschulpräsident Michael Rabl sieht in der Teilnahme an AMADEE-27 eine Möglichkeit, die internationale Zusammenarbeit in der angewandten Forschung auszubauen.
Auch ÖWF-Direktor Gernot Grömer hebt den Ausbildungsaspekt hervor. „Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit für Studierende, ihr erlerntes Wissen im Rahmen eines so spannenden und international ausgerichteten Forschungsprojekts praktisch anzuwenden und an realen technischen Herausforderungen zu wachsen.“
Die Ergebnisse der Mission sollen zeigen, wie sich autonome Robotersysteme unter erschwerten Einsatzbedingungen bewähren und wie die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern bei künftigen Weltraummissionen gestaltet werden kann. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse könnten auch für Anwendungen auf der Erde, etwa in der Rettungsrobotik oder bei der Erkundung schwer zugänglicher Gebiete, relevant sein.
