Am 29. April öffnet das Institut für Schallforschung seine Türen. | © ÖAW
Heute, am Internationalen Tag gegen Lärm, rückt in Wien nicht nur die Wirkung von Geräuschen auf den Menschen in den Fokus, sondern auch auf Tiere. Das Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nutzt den Aktionstag, um aktuelle Forschung zur Kommunikation von Elefanten zu präsentieren – und deren Störung durch menschengemachten Lärm.
Im Zentrum steht das Projekt „ELECOM“, das mithilfe Künstlicher Intelligenz versucht, die Lautsprache afrikanischer Savannenelefanten zu entschlüsseln. Grundlage ist ein umfangreicher Datensatz, den die Verhaltensbiologin Angela Stöger und ihr Team über mehr als zwei Jahrzehnte aufgebaut haben.
Kommunikation im Infraschall
Elefanten verständigen sich zu einem großen Teil über sogenannte „Rumbles“ – tieffrequente Laute, die oft unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegen. Diese Signale können über weite Distanzen übertragen werden und enthalten offenbar differenzierte Informationen.
„Die Grundfrequenz liegt durchschnittlich bei 15 Hz – wir Menschen hören also nur die Obertöne“, erklärt Jure Železnik vom Institut für Schallforschung. Entscheidend seien vor allem feine Modulationen und harmonische Strukturen, die durch einen komplexen Stimmapparat erzeugt werden.
KI als Schlüssel zur Entschlüsselung
Um diese komplexen Muster zu analysieren, setzt das Forschungsteam auf neuronale Netze. Das Modell wurde zunächst mit menschlichen Sprachdaten trainiert und anschließend mit rund 1.600 Elefantenrufen aus verschiedenen Lebensräumen verfeinert.
Ziel ist es, akustische Parameter gezielt zu variieren und deren Wirkung zu testen. „Wir können Parameter gezielt verändern und systematisch testen, wie die Tiere auf veränderte künstliche Laute reagieren“, sagt Daniel Haider. Das ermögliche neue Einblicke in die Struktur und Funktion der Tierkommunikation.
Lärm als Störfaktor
Die Forschung hat auch eine ökologische Dimension: Menschlicher Lärm kann die Kommunikation von Elefanten erheblich beeinträchtigen. Gerade bei Arten, die auf tieffrequente Signale angewiesen sind, könnten Störungen weitreichende Folgen für soziale Interaktionen haben.
Um diese Effekte besser zu verstehen, führt das Team auch Experimente in Südafrika durch. Dabei werden Elefanten mit akustischen Signalen konfrontiert, während ihre Reaktionen gemessen werden.
Forschung zum Anfassen
Am 29. April öffnet das Institut für Schallforschung seine Türen für die Öffentlichkeit. Besucherinnen und Besucher können an interaktiven Stationen selbst erleben, wie Schall entsteht, gemessen und analysiert wird. Auch die Elefantenforschung wird anschaulich vermittelt – etwa mit Bezug zum jüngst geborenen Elefantenbaby im Tiergarten Schönbrunn.
Der Aktionstag ist Teil des internationalen „Noise Awareness Day“, der seit 1996 weltweit auf die Auswirkungen von Lärm aufmerksam macht.
Eckdaten zur Veranstaltung:
Termin:
Mittwoch, 29. April 2026
15:00–19:00 Uhr
Ort:
Institut für Schallforschung der ÖAW
Otto Wagner PSK, 3. Stock
Wiesingerstraße 4, 1010 Wien
