„Europa braucht einen digitalen Humanismus, um Grund- und Freiheitsrechte zu sichern", sagte Konferenzleiter Erich Prem. | © Arman Rastegar / APA
Mit der Gründung des Center for Digital Humanism (CDH) Vienna wollen vier Wiener Universitäten die Zusammenarbeit in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung ausbauen. Das neue Zentrum wurde im Rahmen der Digital Humanism Conference 2026, die vom 24. bis 26. Juni in Wien stattfand, vorgestellt und nimmt mit 1. Juli offiziell seine Arbeit auf.
Mehr als 120 internationale Expertinnen und Experten diskutierten während der Konferenz über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz, digitalen Plattformen und datengetriebenen Geschäftsmodellen auf Demokratie, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Europa seine digitale Souveränität stärken und technologische Innovation mit demokratischen Werten verbinden kann.
„Europa braucht einen digitalen Humanismus, um Grund- und Freiheitsrechte zu sichern, eine für alle fruchtbare wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und seine Souveränität wiederherzustellen“, sagte Konferenzleiter Erich Prem.
Vier Universitäten bündeln ihre Kompetenzen
Träger des neuen Zentrums sind die Universität Wien, die TU Wien, die Wirtschaftsuniversität Wien und die Central European University (CEU). Das CDH Vienna soll künftig interdisziplinäre Forschungs- und Praxisprojekte koordinieren, Politik und Verwaltung beraten sowie den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft fördern.
Designierter Direktor ist Peter Knees, Professor für Informatik an der TU Wien und UNESCO-Chair for Digital Humanism. Die operative Arbeit des Zentrums soll im Herbst 2026 starten.
Wien setzt auf menschenzentrierte Digitalisierung
Veronica Kaup-Hasler, amtsführende Stadträtin für Kultur und Wissenschaft, sieht in der Gründung einen wichtigen Schritt für den Forschungsstandort Wien: „Die großen digitalen Herausforderungen unserer Zeit brauchen mehr als technologische Antworten – sie brauchen einen klaren Wertekompass.“
Auch die beteiligten Hochschulen betonen die Bedeutung einer interdisziplinären Zusammenarbeit. Sebastian Schütze, Rektor der Universität Wien, bezeichnet das CDH als Plattform, die „Kräfte aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft“ bündelt. TU-Wien-Rektor Jens Schneider sieht darin die Chance, technologische Entwicklung stärker an gesellschaftlichen Grundwerten auszurichten.
Europa vor Herausforderungen der KI
Zu den internationalen Gästen zählte unter anderem KI-Expertin Rumman Chowdhury. Sie warnte vor einer zunehmenden Machtkonzentration im Technologiesektor und sprach sich für unabhängige Kontrollmechanismen aus. Europa verfüge mit dem Digital Services Act und dem AI Act bereits über wichtige Instrumente, müsse nun aber einen menschenzentrierten Gegenentwurf zu den Entwicklungen in den USA weiter ausbauen.
Mit dem CDH Vienna soll Wien künftig eine zentrale europäische Plattform für Forschung, Vernetzung und den gesellschaftlichen Dialog rund um den Digitalen Humanismus etablieren.
