Während Nachhaltigkeitsstudiengänge ökologische und ökonomische Aspekte vertiefen, fehle es oft an kommunikativen Kompetenzen. | © Unsplash/Jan Piatkowski
Nachhaltigkeit ist in vielen Studienprogrammen angekommen – doch häufig bleibt sie auf einzelne Module oder betriebswirtschaftliche Perspektiven beschränkt. Eine aktuelle Untersuchung der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) kommt zu dem Schluss: Hochschulen vermitteln zwar Wissen über Umwelt- und Klimathemen, bereiten Studierende aber zu wenig darauf vor, gesellschaftliche Veränderungsprozesse aktiv zu gestalten.
Franzisca Weder, Professorin für Organisations- und Nachhaltigkeitskommunikation an der WU Wien, analysierte gemeinsam mit ihrem Team internationale Bachelor- und Masterprogramme sowie einschlägige Fachliteratur. Das Ergebnis: Nachhaltigkeit wird in vielen Curricula als Zusatzthema behandelt – nicht als integrativer Bestandteil strategischer Kommunikations- und Transformationskompetenz.
„Viele Organisationen, etwa große Unternehmen, kommunizieren über Nachhaltigkeit, um die Erwartungen von Stakeholdern wie Aktionär*innen zu erfüllen. Das ist auch die Art von Kommunikation, die meist an Hochschulen gelehrt wird“, so Weder. Nachhaltigkeitskommunikation werde damit häufig auf Reputationsmanagement oder Informationsvermittlung reduziert.
Zwischen Fachwissen und fehlender Transformationskompetenz
Die Studie identifiziert ein strukturelles Ungleichgewicht: Während Nachhaltigkeitsstudiengänge ökologische und ökonomische Aspekte vertiefen, fehle es oft an kommunikativen Kompetenzen. „Nachhaltigkeitsexpert*innen lernen über Umweltfragen, aber sie lernen nicht die Fähigkeiten, die sie benötigen, um die Themen zu kommunizieren und Veränderungen voranzutreiben“, betont Weder.
Umgekehrt bleibe Nachhaltigkeit in Kommunikationsstudiengängen meist eines von vielen Themenfeldern. „Meist wird Kommunikation über Nachhaltigkeit allerdings als reine Wissensvermittlung behandelt“, erklärt die Forscherin. Gerade angesichts komplexer Krisen wie Klimawandel oder Biodiversitätsverlust greife dieser Ansatz jedoch zu kurz.
Mehr als Information: Kommunikation als Transformationsprozess
Weder plädiert für einen Perspektivwechsel in der Hochschullehre. Nachhaltigkeitskommunikation müsse als Aushandlungs- und Lernprozess verstanden werden – nicht nur als Transfer von Fakten. Dazu brauche es neue didaktische Formate, die Irritation zulassen und Studierende aktiv einbinden.
„Wir müssen von der reinen Wissensvermittlung wegkommen und stattdessen Irritation erzeugen und Diskussionen anstoßen“, so Weder. Experimentelle und partizipative Ansätze könnten dazu beitragen, Kommunikationsprozesse erfahrbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.
Gleichzeitig sieht die Studie institutionelle Hürden: Starre Strukturen und Hierarchien im Hochschulsystem erschwerten transformative Lehrformate. Dennoch wachse der Druck, Bildungsangebote stärker an gesellschaftlichen Transformationsprozessen auszurichten.
Die Untersuchung macht deutlich: Nachhaltigkeit als Studieninhalt allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob Hochschulen Studierende befähigen, komplexe ökologische und soziale Herausforderungen kommunikativ zu begleiten – und aktiv mitzugestalten.
