Bei einem Besuch vor Ort informierte sich Umweltminister Norbert Totschnig über aktuelle Forschungsprojekte. | © UBA
Die Forschungsstation Zöbelboden im Nationalpark Kalkalpen zählt zu den wichtigsten Umwelt-Monitoringstandorten Europas. Bei einem Besuch vor Ort informierte sich Umweltminister Norbert Totschnig über aktuelle Forschungsprojekte, die die Auswirkungen des Klimawandels auf Wälder, Pflanzen und Ökosysteme untersuchen.
Seit knapp 35 Jahren betreibt das Umweltbundesamt die Station gemeinsam mit Partnern wie dem Nationalpark Kalkalpen und den Österreichischen Bundesforsten. Die dort erhobenen Langzeitdaten liefern Erkenntnisse zu Biodiversität, Luftqualität sowie den Folgen des Klimawandels auf alpine Waldökosysteme.
650 Sensoren überwachen den Wald in Echtzeit
Am Zöbelboden erfassen rund 650 vernetzte Messgeräte kontinuierlich Daten zu Luftschadstoffen, Bodentemperatur, Bodenfeuchte und Baumwachstum. Ergänzt werden die Messungen durch Analysen von Wasser, Böden, Pflanzen und Gestein.
„Der Forschungsstandort Zöbelboden liefert wertvolle Daten und Informationen, um die Wechselwirkung zwischen Klimawandel und Biodiversität zu verstehen und um unsere Wälder widerstandsfähiger zu machen“, sagt Umweltminister Norbert Totschnig. Gleichzeitig zeigten die Messungen, dass die Luftschadstoffbelastung in vielen Ökosystemen zurückgehe.
Klimawandel verändert Pflanzenwelt der Alpen
Die Daten der Forschungsstation fließen in internationale Forschungsprojekte ein. So war das Umweltbundesamt an einer 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichten Studie beteiligt, die Veränderungen europäischer Pflanzengemeinschaften untersucht hat.
Die Ergebnisse zeigen, dass wärmeliebende Pflanzenarten zunehmend von der Klimaerwärmung profitieren, während kältetolerante Arten zurückgedrängt werden. Besonders stark betroffen sind alpine Regionen. Arten wie der Gletscherhahnenfuß oder die Nordostalpen-Primel gelten als besonders gefährdet.
Neue Erkenntnisse aus Europas Wäldern
Auch eine in Science veröffentlichte Langzeitstudie nutzte Daten vom Zöbelboden. Die Untersuchung analysierte Vegetationsdaten aus rund 3.000 europäischen Laubwäldern und zeigte eine überraschende Entwicklung: Viele Pflanzenarten verlagern sich nicht nur nach Norden oder in höhere Lagen, sondern zunehmend nach Westen.
Als Ursache nennen die Forschenden die unterschiedliche Belastung durch Stickstoffeinträge in Europa. Stickstoffliebende Arten breiten sich aus und verdrängen teilweise seltenere Pflanzenarten, was Auswirkungen auf die Biodiversität hat.
Internationaler Hotspot für Umweltforschung
Aktuell nutzen 18 internationale Forschungs- und Monitoringnetzwerke die Infrastruktur und die Langzeitdaten des Standorts. Damit zählt der Zöbelboden zu den wenigen europäischen Forschungsstationen, die über mehrere Jahrzehnte hinweg Daten aus nahezu allen Bereichen eines Ökosystems erfassen.
Auch für aktuelle Forschungsprojekte spielt der Standort eine wichtige Rolle. Im Projekt TreeNet-AT werden unter anderem Trockenstress und Klimafolgen für Bäume in Echtzeit überwacht. Die gewonnenen Daten sollen helfen, Wälder besser an zukünftige Klimabedingungen anzupassen.
