Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und seltene Erden sind zentrale Bausteine für Batterien, Windturbinen und Solarmodule. | © Unsplash / Paul Alain Hunt
Die Europäische Union kommt bei der Sicherung kritischer Rohstoffe langsamer voran als geplant. Zu diesem Schluss gelangt der Europäische Rechnungshof in einem aktuellen Bericht. Demnach ist die EU weiterhin stark von wenigen Drittstaaten abhängig, während heimische Förderung und Recycling nicht ausreichend ausgebaut werden. Die Versorgung bis 2030 gilt als unsicher.
Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und seltene Erden sind zentrale Bausteine für Batterien, Windturbinen und Solarmodule. Viele dieser Rohstoffe stammen derzeit aus einer Handvoll Länder außerhalb der EU, darunter China, die Türkei und Chile. Zwar hat die EU 2024 eine Verordnung zu kritischen Rohstoffen verabschiedet, um die Versorgung langfristig zu sichern. Doch deren Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Abhängigkeit bleibt hoch
“Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben. Leider sind wir bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen heute in gefährlicher Weise von einer Handvoll Ländern außerhalb der EU abhängig”, sagt Keit Pentus-Rosimannus, das für die Prüfung zuständige Mitglied des Rechnungshofs.
Ziel der Verordnung ist es, Einfuhren zu diversifizieren, die heimische Produktion zu stärken und Recycling auszubauen. Bis 2030 sollen unter anderem 10 Prozent des EU-Bedarfs an strategischen Rohstoffen innerhalb der Union gefördert und 25 Prozent aus Recyclingquellen gedeckt werden. Doch diese Zielmarken sind unverbindlich und gelten nur für ausgewählte Rohstoffe. Zudem sei nicht nachvollziehbar, wie sie zustande kamen, kritisieren die Prüfer.
Die bisherigen Maßnahmen zur Diversifizierung der Lieferketten zeigen laut Bericht kaum Wirkung. In den vergangenen fünf Jahren hat die EU 14 strategische Partnerschaften geschlossen. Bei rund der Hälfte der untersuchten Rohstoffe gingen die Importe aus diesen Partnerländern zwischen 2020 und 2024 jedoch zurück. Handelsabkommen mit den USA sind ausgesetzt, das Mercosur-Abkommen ist noch nicht ratifiziert.
Recycling mit strukturellen Defiziten
Auch beim Recycling sieht der Rechnungshof erheblichen Nachholbedarf. Bei sieben der 26 für die Energiewende relevanten Rohstoffe liegen die Recyclingquoten zwischen ein und fünf Prozent. Zehn Rohstoffe werden überhaupt nicht wiederaufbereitet. Zudem fehlen spezifische Vorgaben für einzelne Materialien, was Investitionsanreize bremst.
Europäische Recyclingunternehmen kämpfen laut Bericht mit hohen Energiekosten, technologischen Hürden und regulatorischen Unsicherheiten. Das schmälert ihre Wettbewerbsfähigkeit – gerade in einem Markt, der global stark umkämpft ist.
Förderung in der EU kaum realistisch bis 2030
Auch die stärkere Rohstoffgewinnung innerhalb der EU kommt nur schleppend voran. Die Erkundung neuer Vorkommen gilt als unterentwickelt. Selbst bei erfolgreichen Funden kann es bis zu 20 Jahre dauern, bis ein Bergbauprojekt in Betrieb geht. Ein substanzieller Beitrag zur Versorgung bis 2030 erscheint daher unrealistisch.
Gleichzeitig werden Verarbeitungsanlagen innerhalb der EU teilweise stillgelegt – unter anderem wegen hoher Energiekosten. Der Rechnungshof warnt vor einem möglichen Teufelskreis: Fehlende Rohstoffe hemmen Investitionen in Verarbeitungskapazitäten, was wiederum die Abhängigkeit verstärkt.
Energiewende unter Versorgungsdruck
Kritische Rohstoffe sind für die Dekarbonisierung des Energiesystems unverzichtbar. Die EU hat sich verpflichtet, ihre Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu senken und bis 2050 klimaneutral zu werden. Ohne stabile Rohstoffversorgung geraten diese Ziele unter Druck.
Die Prüfer fordern daher entschlossenere Maßnahmen, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Investitionen in Recycling und heimische Produktion zu beschleunigen. Andernfalls drohen Engpässe – mit direkten Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit und Energiewende in Europa.
