Die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen soll auf europäischer Ebene deutlich stärker gefördert werden. | © Stadt Wien/Martin Votava
Die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen soll auf europäischer Ebene deutlich stärker gefördert werden. Mit einem gemeinsamen „Call for Action for Circular Construction“ haben 90 Städte, Regionen, Unternehmen und Organisationen in Brüssel bessere Rahmenbedingungen für zirkuläres Bauen eingefordert. Mit dabei war auch Wien, vertreten durch Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky.
Die Unterzeichner sehen den Bausektor als einen entscheidenden Hebel für Ressourcenschonung und Klimaschutz. Zirkuläres Bauen – vom ressourceneffizienten Planen bis zur Wiederverwendung von Baustoffen – müsse künftig zum Standard werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken und die Klimaziele zu erreichen.
„Unser Ziel in Wien ist klar: eine hohe Lebensqualität für alle zu sichern und gleichzeitig die Grenzen unseres Planeten zu respektieren. Zirkuläres Bauen ist eines der wirkungsvollsten Instrumente, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte Czernohorszky.
Städte sehen Handlungsbedarf auf EU-Ebene
Nach Ansicht der Initiatoren bremsen Rohstoffknappheit, regulatorische Hürden und fehlende faire Wettbewerbsbedingungen für Sekundärrohstoffe den Ausbau der Kreislaufwirtschaft.
„Städte und Regionen erleben das aus erster Hand und brauchen Rahmenbedingungen auf EU-Ebene, um den Weg zur Kreislaufwirtschaft einzuschlagen“, betonte Czernohorszky. Viele Hindernisse könnten nur auf europäischer Ebene beseitigt werden.
Wiener Zirkularitätsfaktor als Bewertungsinstrument
Wien stellte in Brüssel den Wiener Zirkularitätsfaktor vor. Das Instrument bewertet die Zirkularität von Gebäuden und Stadtentwicklungsprojekten anhand objektiver Kriterien und soll mehr Transparenz bei Wettbewerben schaffen.
Zu den zentralen Ansätzen zählen ein geringerer Materialeinsatz, langlebige und anpassungsfähige Gebäude, die Wiederverwendung von Baustoffen sowie der verstärkte Einsatz von Sekundärrohstoffen und nachwachsenden Materialien. Erste Anwendungen erfolgen bereits in den Stadtentwicklungsgebieten Rothneusiedl und Nordwestbahnhof. Zum Abschluss appellierte Czernohorszky an die Europäische Union, den politischen und finanziellen Rahmen für zirkuläres Bauen auszubauen. „Nur dann kann zirkuläres Bauen zum neuen Standard werden und gleichzeitig Ressourcensicherheit, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit gewährleisten.“
