FH-Prof. Dr. Marina Luketina LL.M., Projektleiterin TaxoLogic. | © JKU
Ein Konsortium aus Wissenschaft und Industrie arbeitet seit März 2026 an einer KI-Lösung für eines der komplexesten Felder im internationalen Steuerrecht: Verrechnungspreise. Ziel ist es, die Analyse konzerninterner Transaktionen zu automatisieren und gleichzeitig nachvollziehbar zu machen.
An dem von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) mit 1,2 Millionen Euro geförderten Projekt „TaxoLogic“ sind unter anderem die FH Oberösterreich, die Johannes Kepler Universität Linz, die Wirtschaftsuniversität Wien sowie Unternehmen wie voestalpine, Greiner und MIC Datenverarbeitung beteiligt. PwC Österreich unterstützt das Vorhaben als Sparringpartner im Bereich Tax Technology.
Black Box KI als Risiko im Steuerrecht
Gerade bei grenzüberschreitenden Geschäftsbeziehungen stoßen klassische Analysen an Grenzen. Verrechnungspreise müssen so gestaltet sein, dass sie internationalen Regelwerken und dem Fremdvergleichsgrundsatz entsprechen – eine Aufgabe, die komplexe rechtliche Interpretationen erfordert.
Bisher eingesetzte KI-Systeme liefern zwar Ergebnisse, bleiben aber oft intransparent. Diese „Black Box“-Problematik ist im Steuerrecht besonders kritisch, da Entscheidungen nachvollziehbar und rechtlich begründet sein müssen.
Hybrid AI soll Transparenz schaffen
Das Projekt setzt deshalb auf einen hybriden Ansatz: Die Kombination aus symbolischer und subsymbolischer KI soll sowohl die Leistungsfähigkeit moderner Sprachmodelle als auch die logische Nachvollziehbarkeit regelbasierter Systeme nutzen.
Rechtstexte und Richtlinien werden dabei in strukturierte Daten überführt und anschließend mit logikbasierten Methoden ausgewertet. So sollen konsistente und überprüfbare Ergebnisse entstehen.
Projektleiterin Marina Luketina erklärt: „So verbinden wir die Präzision regelbasierter Modelle mit dem Potential von LLMs, um komplexe Themen wie Verrechnungspreise transparenter, effizienter und nachvollziehbarer zu gestalten.“
Industrie liefert reale Anwendungsfälle
Für die Praxisnähe liefern die beteiligten Unternehmen reale Daten und Anwendungsfälle aus internationalen Lieferketten und Steuerprozessen. Die Ergebnisse sollen perspektivisch in marktfähige Lösungen überführt werden, die sich in bestehende Compliance- und Steuersysteme integrieren lassen.
Auch aus technologischer Sicht wird das Projekt als richtungsweisend bewertet. RISC-CEO Wolfgang Freiseisen sieht darin „einen ersten Proof-of-Concept“, der als Grundlage für breitere industrielle Anwendungen dienen kann.
Ergänzend betont Wolfgang Windsteiger von der JKU Linz: „Im Hybrid-AI-Ansatz kompensiert das symbolische Rechnen die inhärenten Schwächen von LLMs, indem es deren statistische Unsicherheiten durch formale, nachvollziehbare Logik ersetzt.“
Perspektiven über das Steuerrecht hinaus
Langfristig soll der Ansatz über das Steuerrecht hinaus Anwendung finden – etwa überall dort, wo komplexe Regelwerke mit hoher Transparenzanforderung analysiert werden müssen.
Für Projektleiterin Luketina steht fest, dass hybride KI einen grundlegenden Wandel einleiten kann: „ein leistungsfähiges, nachvollziehbares und zukunftsorientiertes System, welches steuerliche Entscheidungsprozesse unterstützt und die Grundlage für eine neue Ära digitaler Steuerintelligenz bildet.“
