Das Center for Translational Medicine (CTM) verfügt über rund 14.000 Quadratmeter Nutzfläche. | © MedUni Wien/ Hörmandinger
Die Medizinische Universität Wien hat am 1. Oktober zwei neue Forschungszentren am MedUni Campus AKH eröffnet. Das Center for Translational Medicine und das nach Nobelpreisträger Eric Kandel benannte Center for Precision Medicine sollen Grundlagenforschung, klinische Studien und Patientenversorgung enger miteinander verbinden. In die beiden Gebäude flossen insgesamt rund 210 Millionen Euro.
Beide Zentren sind über Brücken direkt mit dem Universitätsklinikum AKH Wien verbunden. Damit sollen Forschungsergebnisse schneller in klinische Anwendungen überführt werden. Gleichzeitig können Erkenntnisse aus der Patientenversorgung unmittelbar neue Forschungsfragen anstoßen.
„Mit den beiden neuen Zentren werden, vor allem für die kommenden Generationen, hier in Wien die Schienen für zwei zentrale Zukunftsfelder der modernen Medizin gelegt: die rasche Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung und eine zunehmend präzise, individuell ausgerichtete Medizin“, sagt Markus Müller, Rektor der MedUni Wien.
120 Millionen Euro für translationale Medizin
Das Center for Translational Medicine (CTM) verfügt über rund 14.000 Quadratmeter Nutzfläche. Davon entfallen etwa 11.700 Quadratmeter auf Forschung und weitere 2.300 Quadratmeter auf die Lehre.
Unter einem Dach wird dort die Entwicklungskette von experimentellen Laboruntersuchungen bis zur frühen klinischen Forschung gebündelt. Zur Infrastruktur gehören ein Zentrum für Phase-I- und Phase-II-Studien, Laborflächen, eine Biobank sowie Einrichtungen für Bioinformatik und präklinische Forschung. Hinzu kommen GMP-Einheiten für Zelltherapie, Radiopharmazie und Biologicals.
Die Investitionskosten von rund 120 Millionen Euro werden von Bund und Stadt Wien getragen.
„Wir investieren nicht in Forschung um ihrer selbst willen. Wir investieren in Forschung, weil sie unser Leben besser machen kann“, sagt Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner. Die neuen Einrichtungen sollen dazu beitragen, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller für Patient nutzbar zu machen.
Der größte Hörsaal der MedUni Wien befindet sich ebenfalls im neuen CTM und trägt künftig den Namen Eugene Braunwald Auditorium. Der 1929 in Wien geborene österreichisch-US-amerikanische Kardiologe Eugene Braunwald musste 1938 vor dem Nationalsozialismus fliehen und wurde später zu einer prägenden Persönlichkeit der modernen Herzmedizin. Er starb im April 2026 im Alter von 96 Jahren.
Eric Kandel Institut bündelt Präzisionsmedizin
Das zweite neue Forschungsgebäude ist das Eric Kandel Institute – Center for Precision Medicine (CPM). Auf rund 6.100 Quadratmetern sollen künftig etwa 200 Forschende an personalisierten Präventions-, Diagnose- und Therapiemethoden arbeiten.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie biologische und molekulare Unterschiede zwischen Patient:innen stärker in medizinische Entscheidungen einbezogen werden können. Forschungsfelder sind unter anderem Genomtechnologien, Bioinformatik, klinische Studien und digitale Medizin. Verfahren wie Genomsequenzierung und molekulare Bildgebung sollen helfen, Krankheitsmechanismen und individuelle Risiken genauer zu erfassen.
Dafür stehen unter anderem Technologieplattformen, eine Biobank und Flächen für computergestützte Biomedizin zur Verfügung. Die Errichtung kostete rund 90 Millionen Euro und wurde aus Mitteln der European Recovery and Resilience Facility der Europäischen Union sowie aus Spenden finanziert.
Forschung und Klinik rücken räumlich zusammen
Die direkte Anbindung an das AKH ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Grundlagenforschung, spezialisierte Forschungsinfrastruktur und klinische Versorgung sollen dadurch stärker ineinandergreifen.
„Wenn Spitzenforschung und Patientenversorgung Tür an Tür arbeiten, kommen neue Therapien schneller und präziser dort an, wo sie gebraucht werden – bei den Menschen in unserer Stadt“, sagt Wiens Bürgermeister Michael Ludwig.
Das Center for Precision Medicine trägt den Namen des 1929 in Wien geborenen Neurowissenschafters Eric Kandel. Er musste 1939 mit seiner Familie vor dem nationalsozialistischen Regime in die USA emigrieren. Für seine Forschung zu den molekularen Grundlagen von Lernen und Gedächtnis erhielt Kandel 2000 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. 2018 verlieh ihm die MedUni Wien die Ehrendoktorwürde.
Mit den beiden Forschungsgebäuden erweitert die MedUni Wien ihren Campus damit vor allem in zwei Bereichen, die in der medizinischen Forschung zunehmend ineinandergreifen: der schnellen Übertragung von Forschungsergebnissen in klinische Anwendungen und der Entwicklung stärker individualisierter Medizin.
