Neben öffentlichen Sammelstellen spielt auch der Handel eine zentrale Rolle. | © Unsplash/John Cameron
Die Zahl der Brände in der Abfallwirtschaft steigt – und mit ihr der Druck auf Politik, Gemeinden und Entsorger. Auslöser sind häufig falsch entsorgte Lithium-Akkus. Mit der bundesweiten Kampagne „Her mit Leer II“ wollen öffentliche Hand und Wirtschaft nun gegensteuern und die Sammelquote deutlich erhöhen.
Allein 2025 wurden in Österreich rund 36 größere Brandereignisse registriert, die auf unsachgemäß entsorgte Batterien zurückgeführt werden. Gleichzeitig wächst die Zahl akkubetriebener Alltagsgeräte – von Kopfhörern bis zu E-Zigaretten – rasant. Viele dieser Geräte werden jedoch nicht als potenzielle Gefahrenquelle wahrgenommen.
Brandrisiko als zentrales Problem
Für Klimaschutzminister Norbert Totschnig ist die Lage klar: „Lithium-Akkus haben in den letzten Jahren einen technologischen Wandel ermöglicht. Doch diese Fortschrittstechnologie birgt bei unsachgemäßer Entsorgung enorme Gefahren.“
Die Brände gefährden nicht nur Beschäftigte in Entsorgungsbetrieben, sondern können ganze Anlagen lahmlegen. Auch Gemeinden sehen sich zunehmend belastet. Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl warnt: „Fast täglich brennt es irgendwo in einer Müllentsorgungsanlage, weil sich Batterien […] entzündet haben.“
Sammelquote soll deutlich steigen
Ziel der Kampagne ist es, die Bevölkerung stärker zur Rückgabe von Altbatterien zu motivieren. Hintergrund sind auch verschärfte EU-Vorgaben: Die Sammelquote soll von derzeit 53 Prozent auf 63 Prozent bis 2028 und 73 Prozent bis 2031 steigen.
Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), sieht dabei vor allem ein Verhaltensproblem: „Information allein reicht nicht mehr aus – wir müssen eine Verhaltensveränderung herbeiführen.“
Bereits die erste Kampagnenphase zwischen 2021 und 2024 hatte zu einer messbaren Steigerung geführt. Nun soll die Fortsetzung diesen Trend verstärken.
Handel und Infrastruktur als Schlüssel
Neben öffentlichen Sammelstellen – mehr als 2.000 österreichweit – spielt auch der Handel eine zentrale Rolle.
„Wir […] sehen uns im Elektro- und Einrichtungsfachhandel als unverzichtbare Partner für die sichere Rücknahme von Batterien“, betont WKO-Vertreter Robert Pfarrwaller. Der stationäre Handel übernehme dabei zunehmend auch Batterien aus Onlinekäufen und sorge für deren Entsorgung.
Kampagne setzt auf emotionale Ansprache
Die neue Kampagne setzt stärker auf visuelle und emotionale Kommunikation. Mit den Figuren „Hermit“ und seinem Gegenpart „Li-Zifer“ soll die Gefahr falscher Entsorgung greifbar werden. Der Slogan: „Sei kein Zündler“.
Neben TV- und Radiospots sind auch Social Media, Out-of-Home-Werbung und eine zentrale Informationsplattform geplant. Ziel ist es, die richtige Entsorgung so selbstverständlich zu machen wie den Kauf neuer Geräte.
Langfristig geht es nicht nur um Sicherheit, sondern auch um Ressourcenschonung: Batterien enthalten wertvolle Rohstoffe, die nur durch korrekte Rückgabe im Kreislauf gehalten werden können.
