Das Basisjahr wurde 2015 eingeführt, um klinische Grundkompetenzen zu vermitteln. | © Unsplash
Die Österreichischen Hochschüler:innenschaften der Medizin-Universitäten schlagen Alarm: Fehlende Ausbildungsplätze in der verpflichtenden Basisausbildung würden zunehmend zum Problem für den medizinischen Nachwuchs – und damit langfristig auch für die Gesundheitsversorgung in Österreich.
Konkret kritisieren die ÖHs der Medizinischen Universitäten Innsbruck, Wien und Graz, der Studienvertretung Humanmedizin Linz sowie der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems die Situation nach dem Medizinstudium. Absolvent:innen müssten nach sechs Jahren Studium zunächst eine neunmonatige Basisausbildung absolvieren, bevor sie mit der Facharztausbildung beginnen dürfen. Doch genau dort fehle es vielerorts an Stellen.
Wartelisten statt Berufseinstieg
Das Basisjahr wurde 2015 eingeführt, um klinische Grundkompetenzen zu vermitteln. Laut den Studierendenvertretungen habe sich jedoch gezeigt, dass sich viele Inhalte mit dem bereits im Studium verpflichtenden Klinisch-Praktischen Jahr überschneiden. Gleichzeitig führe die begrenzte Zahl an Ausbildungsplätzen zu monatelangen Wartezeiten.
„Die Abwanderung der Medizinstudierenden ist keine Seltenheit. Bereits jetzt wandern knapp 20 % aller Medizinstudierenden ins Ausland ab“, sagt Maximilian Haslinger, Vorsitzender der ÖH an der Medizinischen Universität Innsbruck. Immer häufiger würden Absolvent:innen ihre Ausbildung im Ausland fortsetzen, weil sie in Österreich „keine Perspektive sehen“.
Auch Rosalie O’Donovan, Vorsitzende der ÖH an der Karl Landsteiner Privatuniversität, sieht eine strukturelle Schieflage: „Wir erleben derzeit eine paradoxe Situation: Einerseits wird von Ärztemangel im öffentlichen System gesprochen, andererseits warten Absolvent:innen in ganz Österreich bis zu zwei Jahre auf einen Ausbildungsplatz. Dieses System produziert Stillstand statt Versorgung.“
Kritik an Gesundheitspolitik
Die ÖHs sprechen von einem „strukturellen Flaschenhals“, der den Berufseinstieg unnötig verzögere. Viele Jungmediziner:innen würden in der Zwischenzeit fachfremde Jobs annehmen oder sich arbeitslos melden.
Zugleich verschärfe sich der Druck auf das Gesundheitssystem: Laut den Studierendenvertretungen sind bereits mehr als ein Drittel der Ärzt:innen in Österreich älter als 55 Jahre. Mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle fordern die ÖHs rasche Reformen.
„Österreich kann es sich nicht leisten, dieses wertvolle Potenzial durch künstliche Flaschenhälse zu verlieren“, erklärt Anant Thind, zweiter stellvertretender Vorsitzender der ÖH an der Medizinischen Universität Wien.
Forderung nach Reform oder Abschaffung
Als langfristige Lösung fordern die ÖHs die Abschaffung des Basisjahres. Jungärzt:innen sollten direkt nach dem Studium mit der Facharztausbildung beginnen können. Kurzfristig seien aber auch andere Modelle denkbar – etwa mehr Planstellen oder eine freiwillige Basisausbildung, wie sie die Österreichische Ärztekammer vorgeschlagen hat.
Die Studierendenvertretungen appellieren an Bundesregierung und Landesgesundheitsreferent:innen, die Ausbildungskapazitäten rasch auszubauen, um Versorgungslücken zu verhindern.
