Soneo AI Team, v.l.n.r.: Yanik Yeganehfar, Co-Founder & COO; Andreas Schaubmaier, Co-Founder & CEO; Lukas Ebermann, Co-Founder & CTO | © Soneo AI GmbH
Das Augsburger Ingenieurbüro Roschiwal + Partner setzt seit Oktober die KI-Plattform KoAssist des Wiener Startups Soneo AI im Regelbetrieb ein. Nach einer sechsmonatigen Pilotphase unterstützt das System Ingenieur:innen dabei, Informationen aus früheren Projekten, Zeichnungen und Normen schneller wiederzufinden. Die fachliche Bewertung der Ergebnisse bleibt beim jeweiligen Team.
Damit schafft die 2025 gegründete Soneo AI mit ihrer Plattform den Schritt vom Pilotprojekt in den produktiven Einsatz bei einem deutschen Ingenieurbüro. KoAssist adressiert dabei ein typisches Problem in Konstruktionsabteilungen: Technisches Wissen ist häufig über Jahre hinweg in unterschiedlichen Projektordnern, Zeichnungen und Dokumenten verteilt.
Statt einzelne Ablagen zu durchsuchen, können die Mitarbeiter:innen bei Roschiwal Fragen über eine Chat-Oberfläche stellen. KoAssist liefert dazu passende Textstellen aus den hinterlegten Unterlagen und weist die jeweiligen Quellen aus. Eingesetzt wird das System derzeit vor allem für Recherchen in abgeschlossenen Projekten und beim Start neuer Projektierungen.
„Unsere Stärke ist die Erfahrung unserer Ingenieure aus vielen Jahren Projektarbeit. KoAssist hilft uns, dieses Wissen schneller wiederzufinden, und jede Antwort ist mit Quelle nachvollziehbar“, sagt René Hedrich, Geschäftsführer von Roschiwal + Partner Ingenieur GmbH.
Pilotphase führt zu weiteren KI-Anwendungen
Während der sechsmonatigen Pilotphase floss das Feedback der Roschiwal-Ingenieur:innen in die Weiterentwicklung der Plattform ein. Nun sollen auch laufende Projektordner eingebunden werden. Zudem testet das Unternehmen eine neue Funktion zur Prüfung technischer Zeichnungen.
„Unsere Aufgabe ist, diese Erfahrung im Alltag schneller greifbar zu machen. Dass Roschiwal nach sechs Monaten Pilotphase in den Regelbetrieb geht und mit uns neue Module testet, zeigt uns, dass das gelingt“, sagt Soneo-CEO Andreas Schaubmaier.
Die Zeichnungsprüfung wird nach Angaben des Startups seit September 2026 mit Pilotkund:innen erprobt. Das System soll technische Zeichnungen vor ihrer Freigabe auf Vollständigkeit, Konsistenz und kundenspezifische Konstruktionsrichtlinien überprüfen. Die endgültige Freigabe erfolgt weiterhin durch die Fachkräfte.
Ein weiteres Modul befindet sich noch in Entwicklung. Eine sogenannte Gleichteilsuche soll vor einer Neukonstruktion ähnliche vorhandene Bauteile identifizieren und damit helfen, unnötige Neukonstruktionen und Dubletten zu vermeiden.
Fokus auf Maschinenbau und Konstruktion
Soneo AI will KoAssist schrittweise von einer Wissenssuche zu einer umfassenderen KI-Plattform für Konstruktionsabteilungen im Maschinenbau ausbauen. Zu den zahlenden Kund:innen zählen nach Angaben des Unternehmens bereits Maschinenbau- und Konstruktionsunternehmen in Österreich und Deutschland.
Die Plattform läuft laut Soneo AI auf Servern in Deutschland, während die eingesetzten KI-Modelle über europäische Infrastruktur betrieben werden. Für größere Unternehmen wird auch eine On-Premise-Variante angeboten.
Soneo AI wurde im Juli 2025 in Wien gegründet und startete zunächst als KI-Agentur. Gemeinsam mit dem oberösterreichischen Sondermaschinenbauer GISCON begann das Team anschließend mit der Entwicklung von KoAssist.
Soneo AI im AI Coworking Hub
Das Startup gehört zu den ersten Unternehmen im Coworking Hub der AI Factory Austria AI:AT in Wien-St. Marx. Die dortige Community ist mittlerweile auf mehr als 200 Co-Worker angewachsen.
Für Karl Kugler, Co-Lead der AI Factory Austria AI:AT, ist insbesondere die Rollenverteilung zwischen KI und Fachkräften relevant: „Besonders schätze ich, dass KoAssist die Erfahrung der Ingenieur:innen in den Mittelpunkt stellt. Genau so verstehen wir vertrauenswürdige KI: als Unterstützung für Menschen, die Verantwortung tragen.“
Auch Markus Stöhr, Co-Lead von AI Factory Austria AI:AT, verweist auf die menschliche Verantwortung beim Einsatz der Technologie: „Entscheidend ist für uns, dass die Verantwortung beim Menschen bleibt und das Wissen dort, wo es entstanden ist.“
Soneo AI und Roschiwal wollen in den kommenden Monaten weitere Einsatzmöglichkeiten im Konstruktionsalltag erproben. Langfristig plant das Wiener Startup, KoAssist zu einer KI-Plattform für den europäischen Maschinenbau auszubauen.
