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© Foto: IMC FH Krems
An der IMC FH Krems werden neue Methoden zum Recyling seltener Erden erforscht.
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Leuchtturmprojekte der FHs

Best of Fachhochschule

Die Fachhochschulen haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Und das nicht nur im Lehrangebot, sondern auch in der Forschung, die oft gemeinsam mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten erfolgt.

von: Susanne Prosser

Praxisnähe, Aktualität und Wissenschaftlichkeit ist die Kombination, die an den Fachhochschulen durch ihre enge Zusammenarbeit mit Unternehmen und anderen Einrichtungen auf einzigartige Weise möglich wird. Im Jahr 2020 gab es insgesamt 1.894 Forschungsprojekte an den FHs in den Bereiche Informations- und Kommunikationstechnologie, Wirtschaftswissenschaften und Führung, Life Sciences und Lebensmittel, Sozialwissenschaften, Sicherheitswissenschaften sowie Gesundheitswissenschaften. Die meisten Forschungsprojekte (562) gab es im Bereich Technik und Ingenieurwissenschaften, gefolgt von ITK (337),Wirtschaftswissenschaften und Führung (253) und Energie- und Umweltwissenschaften (219). Seit 2002 ist der F&E-Umsatz jährlich gewachsen. 2019 investierten die Fachhochschulen bereits rund 133 Millionen Euro in F&E. 

Aktuell und relevant

Die Forschungsaktivitäten und Studiengänge der Fachhochschulen orientieren sich an hochaktuellen gesellschaftlichen Themen wie aktuell dem „Green Deal“ und der Nachhaltigkeit. Diesem Bereich widmen sich derzeit 78 FH-Studiengänge. Eine Erhebung der Fachhochschulkonfernz FHK zeigt weiter, dass etwa 240 geförderte Forschungsprojekte, die aktuell an Fachhochschulen abgewickelt werden, mit den Themen Green Deal, Umwelt und Nachhaltigkeit zu tun haben. 
Da FHs anders als die staatlichen Unis nicht als Verwaltungseinheiten des Bundes gedacht sind, orientieren sie sich stark an regionalen gesellschaftlichen Bedürfnisse. Es gibt oft eine enge Kooperation mit regionalen Partnern und attraktive Studienangebote für die regionale Bevölkerung. Gleichzeitig ist dadurch sichergestellt, dass ihre Absolvent*innen entsprechende berufliche Perspektiven in den Regionen vorfinden. Im Jahr 2020/21 waren insgesamt 58.668 Studierende an Fachhochschulen inskribiert. 

In Sachen Forschung fahren FHs oft auf sehr hohem Niveau. Das gilt insbesondere für die 15 laufenden Josef Ressel Zentren der Christian Doppler Gesellschaft CDG, die langfristige und strukturierte Forschungskooperationen zwischen Fachhochschulen und Unternehmen fördert.
 

Leuchtturmprojekte der FHs
 

Die besten Forschungsprojekte aus den vielfältigen Forschungsvorhaben an den Fachhochschulen auszuwählen, ist schwer möglich. Mit Hilfe der Fachhochschulkonferenz suchte Austria Innovativ Leuchtturmprojekte aus.

Recycling von Seltenen Erden

An der IMC FH Krems wird im Department of Life Sciences im Projekt REEgain an einer neuen Recycling-Methode von Seltenen Erden mit Hilfe von Mikroorganismen geforscht. Es handelt sich um eine völlig neue Technologie der umweltfreundlichen und nachhaltigen Rückgewinnung dieser besonderen Metalle. Angesichts fortschreitender Umweltschäden und des Klimawandels sind umweltfreundliche, CO2-neutrale Technologien in der Industrie gefragter denn je. Seltene Erden ohne umweltbedenkliche Abfälle zu recyclen, ist das Forschungsziel des Projektes REEgain, das derzeit grenzübergreifend von österreichischen und tschechischen Forscherinnen und Forschern umgesetzt wird.
 

Ionenantrieb für Satelliten

Ziel des vom „Science & Technology Department“ der Europäischen Weltraumorganisation ESA finanzierten Projektes Sci-FIT ist die Weiterentwicklung und Optimierung des von der FOTEC, dem Forschungsunternehmen der FH Wiener Neustadt, entwickelten und mit dem renommierten Houskapreis ausgezeichneten FEEP-Ionentriebwerks für künftige Wissenschaftsmissionen der ESA – beispielsweise das Projekt „Laser Interferometer Space Antenna“ (LISA), bei dem u. a. Gravitationswellen von superschweren Schwarzen Löchern gemessen werden sollen. „Sci-FIT“ umfasst ein Gesamtvolumen von zwei Millionen Euro, bis Ende 2022 werden insgesamt 15 Wissenschafter*innen und Technolog*innen der    FOTEC an „Sci-FIT“ arbeiten.
 

Mixed Reality in der Ausbildung

Im Projekt „Erfolgsfaktor Führung - Implementierung von Mixed Reality in die Führungskräfteausbildung“ geht es um die technische Unterstützung des militärischen Führungskräftetrainings an der Theresianischen Militärakademie im Studiengang Militärische Führung.
Wichtig bei diesem Führungskräftetraining ist, dass in die Realität eingespielte virtuelle Elemente als möglichst real wahrgenommen werden, um so das aktive Erfahrungslernen zu unterstützen. Denn die Entscheidungsfähigkeit kann nur dann verbessert werden, wenn ein Führungsmoment ausgelöst und der Auszubildende überhaupt in eine Entscheidungssituation gebracht wird. Dazu werden adaptive Szenarien, angereichert durch Überraschungsmomente, eingespielt. Um einen optimalen Lernerfolg zu erzielen, ist es wichtig, die Vorstellung und Wahrnehmung bestmöglich zu unterstützen. Mixed Reality, die mit visuellen Bildern und akustischen Reizen die Szenarien deutlich realer gestaltet, vermittelt Studierenden ein realistisches Bild von komplexen Entscheidungsszenarien. Das Konzept ist auch auf andere Lehrveranstaltungen anwendbar. Der Entwicklungspartner REALSIM arbeitet konkret an Lösungen für Distance Learning und Präsenztraining mit MR-Unterstützung.

Kampf gegen Demenz

Die Volkskrankheit Demenz galt lange Zeit als weder vermeidbar noch behandelbar. Obwohl die zugrundeliegenden Krankheiten nicht heilbar sind, wissen wir heute, dass der Krankheitsverlauf durch gute präventive Maßnahmen zu einem frühen Zeitpunkt positiv beeinflussbar ist. Im EU-Horizon-2020-Projekt LETHE, das von der FH Joanneum koordinierte wird und zahlreiche Partner wie die MedUni Wien, die University of Perugia, das Karolinska Institutet und viele weitere internationale Forschungseinrichtungen hat, wird an einem datengesteuerten Modell für die Vorhersage von Risikofaktoren, neuartigen digitalen Biomarkern sowie einer digital gestützte Intervention zur Vorbeugung von Demenz und kognitiver Verschlechterung gearbeitet. Ziel ist, Menschen bei einem aktiven Lebensstil zu unterstützen und eine stärker personalisierte Risikofaktor-Prävention für Personen mit beginnender kognitiver Verschlechterung zu bieten. 

Kollektives Handeln

Bei Collective-Action-Initiativen werden Kooperationsprozesse zwischen Unternehmen und anderen Stakeholdern zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme als vielversprechender Lösungsansatz diskutiert. Sie sind weit effektiver als etwa einzelen CSR-Maßnahmen oder Nachhaltigkeitsmanagement, um etwa globale gesellschaftliche Herausforderungen wirksam zu begegnen Das JR-Zentrum Collective Action und Responsible Partnerships (CARe) an der FH Wien der WK Wien möchte in diesem fünfjährigen Projekt einen entscheidenden Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung von Collective Action liefern. Die Publikations- und Vortragstätigkeit findet in Zusammenarbeit mit Co-Autor*innen international führender Forschungseinrichtungen wie INSEAD, Wharton Business School oder der Universität St. Gallen statt. Zugleich ist das Zentrum ein kompetenter Ansprechpartner für Unternehmen und Stakeholder für Fragen aus der betrieblichen Praxis. Ein besonderes Anliegen ist, die Unternehmenspartner des JR-Zentrums (Josef Manner & Comp AG, Kapsch TrafficCom AG und Simacek Facility Management Group GmbH) in die Forschung direkt mit einzubeziehen. Daher werden regelmäßige Workshops zum Wissenstransfer organisiert. Darüber hinaus wurde ein unterstützender Beirat des JR-Zentrums CARe gegründet, der aus etablierten Persönlichkeiten aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft besteht. Er verfolgt den Fortschritt des Zentrums und fungiert darüber hinaus als ethisches und akademisches Beratungsgremium. 
 

Nachhaltige Headquaters in Wien

Das Forschungsprojekt „Nachhaltige sozioökonomische Handlungs- und Entwicklungsperspektiven im Hinblick auf den Headquarterstandort Wien“ der FH des BFI Wien ging der Frage nach, wie nachhaltig die 221 in Wien ansässigen Headquarter großer Konzerne agieren und wie eine nachhaltige Politik im Hinblick auf den Headquarterstandort Wien – eingebettet in einen regionalen, nationalen, europäischen und globalen Kontext – gestaltet werden kann. Finanziert wird das Projekt von der Stadt Wien. Ein Ergebnis war, dass im Hinblick auf ein formelles Nachhaltigkeitsengagement die in Wien ansässigen Headquarters befriedigend abschneiden. Allerdings wurde im Rahmen des Forschungsprojektes auch deutlich, dass Nachhaltigkeit auf mehreren räumlichen Ebenen zu betrachten ist. Außerdem reicht ein formelles Bekenntnis der Unternehmen zu Nachhaltigkeit nicht aus. Über die zahlreichen Publikationen hinaus wurden zentrale Forschungsergebnisse auch zusammengefasst in einer Springer-Publikation veröffentlicht. 
 

Plattformen für Elektronik

Das JR-Zentrum „Innovative Plattformen für Elektronische Systeme“ (INES) der Fachhochschule Technikum Wien nahm 2018 seinen Betrieb auf. Im Jahr 2020 konnte es unter Hinzuziehung internationaler Fachgutachter bereits erfolgreich die wissenschaftliche Zwischenevaluierung passieren und wurde nun verlängert. Der Praxisbezug ist stark: Projektpartner sind die Unternehmen Elektrobit Austria, Kapsch TrafficCom und Oregano Systems. Thematisch beschäftigt sich das Josef Ressel Zentrum INES mit der anwendungsnahen Erforschung von aktuellen Teilgebieten wie High-Level Entwurfsmethoden, Hardware/Software Co-Design, Hi-Speed Computing, Low-Power Design sowie Safety- und Security-Aspekte im Bereich der „Field-Programmable Gate Arrays“ (FPGAs): Das sind hochintegrierte mikroelektronische Bauelemente, die als Kernkomponenten in einer Vielzahl von Applikationsdomänen – wie in der Telekommunikation aber auch in Bereichen wie Fahrzeugelektronik oder Automatisierungstechnik – verwendet werden.
 

Informiert in der Mobilen Pflege

Im Rahmen des vierjährigen interdisziplinären FFG-Projektes „Linked Care Entwicklung einer durchgehenden Informationsversorgung in der mobilen Pflege und Betreuung“, das von der FH Campus Wien koordiniert wird, werden IT-Systeme für Schnittstellen entwickelt, um den Informationsaustausch zu verbessern und die oft stark belasteten mobilen Pflegenden zu entlasten. Hierzu werden Datenlücken und neue Informationen zu den verschiedenen handelnden Personen im Pflege- , Betreuungs- und Therapiesektor identifiziert und gesammelt. Darüber hinaus sollen die neu entwickelten Datensätze bisher ungenutzte Möglichkeiten des Datenaustausches ermöglichen. 

Sie werden erstmals ohne digitale Datenbrüche einen standardisierten Datenaustausch zwischen Pflege, niedergelassenen Allgemeinmediziner*innen, Apotheken sowie Therapeut*innen und anderen Akteur*innen erlauben. Die Lösung dient der interdisziplinären Unterstützung und der Anbindung relevanter Stakeholder*innen im Versorgungsprozess und bietet eine neuartige, responsive Benutzer*innenschnittstelle.
 

3D-optimierte Wärmetauscher

Das Projekt INSTAF (Integrierte Strukturen für komplexe Wärmetauscher und Satelliteninstrumente mittels additiver Fertigung) der FH Campus 02  beschäftigt sich mit der Entwicklung von neuartigen, komplexen Wärmetauschern und Spiegelstrukturen mittels additiver Fertigungstechniken. Die Entwicklung von effizienteren Wärmetauschern wurde in INSTAF durch eine höhere Leistungsdichte und die Anpassung der äußeren Kontur an das umgebende System realisiert. Ein Materialbenchmark von verschiedenen Metallen, Kunststoffen und Keramiken dient in weiterer Folge als Grundlage für zusätzliche Auswahl- und Konzeptentscheidungen. Die zu vergleichenden Musterlösungen wurden unter Berücksichtigung der technologischen Randbedingungen der verschiedenen 3D-Druckverfahren wissenschaftlich getestet. Mittels der optimierten Strukturen aus verschiedenen polymeren, metallischen und keramischen Materialien konnten Wärmetauscher für unterschiedlichste Umgebungen und Anwendungstemperaturen entwickelt werden.

Mensch-Maschine-Kollaboration

Moderne Produktionsstätten stehen derzeit vor der Herausforderung, ein effizientes und flexibles Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine zu finden. Das Horizon-2020-Projekt „FELICE – Mensch-Maschine-Kollaboration in der Fabrik der Zukunft“ der FH Oberösterreich setzt genau hier an und erarbeitet neue Möglichkeiten der koordinierten Interaktion zwischen Mensch und Roboter innerhalb einer Montagelinie. Der Schlüssel zum Erreichen dieses Ziels ist die Entwicklung von Technologien, die die Genauigkeit und Ausdauer von Robotern mit den kognitiven Fähigkeiten und der Flexibilität von Menschen kombinieren. Im Projekt arbeiten weitere zwölf Partner aus unterschiedlichsten Disziplinen.
 

Mixed Reality in der Ausbildung 

Ziel des Projektes DiabPeerS der FH St. Pölten ist es,  eine Peer-Support-Intervention mittels Instant Messaging (wie WhatsApp oder Signal) für Patient*innen mit Diabetes mellitus Typ 2, an der über 460 Millionen Menschen leiden, zu implementieren. Auch die Analyse, ob die Intervention Effekte auf die Kontrolle des Blutzuckerspiegels hat, ist Teil der Forschungen. Die grundlegende Annahme ist, dass die Intervention das Diabetes-Selbst-Managements fördert und somit zu dauerhaft verbesserten krankheitsspezifischen Parametern und einer höheren Lebensqualität führt. Das Projekt wird bis inklusive 2024 umgesetzt.


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