06/2023 Bildung
© imBILDE.at - Bernhard Plank
In das neue Wasserstoffforschungszentrum am FH OÖ Campus Wels werden bis 2025 8,4 Mio. Euro investiert, unter anderem für eine 600 m² große, multifunktionale H2-Forschungs- und Testanlage.
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Best of FH

Schon beinahe in alter Tradition präsentiert Austria Innovativ auch heuer die Highlights aus den vielfältigen Forschungsvorhaben an den Fachhochschulen. Im Jahr 2024 feiern die Fachhochschulen zudem ihr 30-jähriges Bestehen. Bei der Auswahl der Projekte half wieder die Fachhochschulkonferenz.

von: Alfred Bankhamer

Die Fachhochschulen können optimistisch in ihr Jubiläumsjahr 2024  blicken. Denn das  Bildungsministerium hat jüngst nicht nur einen Finanzierungsschub verkündet, sondern will auch 1.050 neue, bundesfinanzierte FH-Studienplätze im Zeitraum 2023 bis 2026 in den Zukunftsbereichen MINT, Digitalisierung und Nachhaltigkeit schaffen. Aktuell besuchen rund 60.000 Studierende an 45 Standorten mehr als 500 Studiengänge, betreut von 1.050 Professor*innen. Die FHs haben sich längst als wichtiger Partner für die angewandte Forschung etabiliert und  schaffen in der Zusammenarbeit mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten Innovationen für Gesellschaft und Wirtschaft.

Forschung im Aufwind
So ist die Anzahl der Forschungsprojekte mit Unternehmen 2022 auf 1.770 angestiegen. Zum Vergleich: im schwierigen Corona-Jahr 2021 waren es nur 1.500. Auch die Anzahl jener Studierenden, die an den FHs in der Forschung mitarbeiten, nimmt konstant zu. Aktuell sind es rund 1.500 Forscher*innen. Zudem arbeiten rund 600 FH-Absolvent*innen an den Forschungsprojekten mit. In Summe konnten schon 145 Patente erlangt werden. Im Zeitraum 2020-2023 wurden 240 Dissertationen und 30 Habilitationen im Rahmen einer Forschungstätigkeit an der Hochschule abgeschlossen. Auch die unternehmerischen Aktivitäten können sich sehen lassen. Im Jahr 2022 gab es 70 Gründungen von Start-ups und Spin-offs. Der Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten liegt klar auf der grünen Transformation sowie den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit und globale Herausforderungen. Diesem Bereich sind mehr als 100 FH-Studiengänge zuzuordnen.

Die FH-Leuchtturmprojekte

Wasserstoffforschungszentrum OÖ
Klimaneutraler Wasserstoff gilt als ein  Schlüsselelement für die Energie- und Mobilitätswende. Am FH OÖ Campus Wels entsteht deshalb gerade ein Zen-trum für die Wasserstoffforschung mit einer 600 m2 großen, multifunktionalen H2-Forschungs- und Testanlage. Im Industrieland Oberösterreich ist der Ausbau von Wasserstoff-Technologien ein wichtiges Zukunftsthema. Etwa 40 Betriebe und Einrichtungen in OÖ beschäftigen sich derzeit mit der Nutzung von Wasserstoff. Mit ihrem langjährigen Know-how im Bereich grüner Wasserstofftechnologien will die FH OÖ als forschungsstärkste FH Österreichs nun die Industrie noch stärker unterstützen. In Summe werden 8,4 Mio. Euro bis 2025 in Infrastruktur und Aufbau des H2-Forchungszentrums investiert (Just Transition Funds der EU, Land OÖ, Stadt Wels und Industrie). Inhaltlicher Fokus liegt auf dem Einsatz in treibhausgas-intensiven Branchen wie Papier und Druck, der  chemischen und pharmazeutischen Erzeugung, der Metallerzeugung und -bearbeitung sowie der Verarbeitung mineralischer Rohstoffe. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Analyse von Werkstoffen und Komponenten zur Speicherung, Messung und zum Transport von H2 und anderer Gase. Am Standort arbeiten schon 13 Forscher*innen für die H2-Forschung.

Kooperative Krebsforschung
Auf eine gemeinsame Doktoratsausbildung am IMC Krems und der MedUni Wien im Bereich der Krebsforschung zielt das Projekt TOPICO (Transformation of Pre-Clinics into Clinics by Organoids), das im Rahmen von doc.funds connect des FWF gefördert wird. Hier wird gemeinsam am Problem der Therapieresistenz von Krebszellen geforscht. In der Krebsbehandlung wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Das Thema Behandlungsresistenz bleibt aber eine der größten Herausforderungen in der Krebstherapie. Deshalb ist es wichtig, die Mechanismen der Therapieresistenz zu verstehen und Strategien zu entwickeln, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern und so die Lebensqualität von Krebspatient*innen zu erhöhen. Die im Rahmen des Projekts gewonnenen Erkenntnisse werden zur Entwicklung neuer Arzneimittel und Biomarker führen.

Wien – Out Of The Box
Die zwei globalen Trends Urbanisierung und der stark steigende Online-Handel bringen für die Logistik neue Herausforderungen. Das gilt besonders für die „Last Mile“ zu den Kund*innen, die bislang hohe Kosten verursacht hat. Zudem besteht ein hoher Optimierungsbedarf in Sachen Nachhaltigkeit. Abhilfe sollen hier betreiberunabhängige Paket- und Umschlagsboxen bieten, die Vorteile für alle im Lieferprozess bringen. Das von den Wiener Lokalbahnen initiierte Pilotprojekt der Wiener Stadtwerke „Wien – Out Of The Box“ (wienbox.at) hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, interdisziplinär neue rechtliche und technische Rahmenbedingungen für die Wiener Paket-Logistik zu entwickeln. Gemeinsam mit der Stadt Wien wird unter der Dachmarke WienBox an einem Netzwerk sogenannter „White Label Boxen“ gearbeitet, die als „Stadtmöbel“ Teil der städtischen Infrastruktur sind und die Abwicklung typischer Logistik-Prozesse über Umschlagsboxen ermöglichen. Die FH des BFI Wien tritt hierbei als wissenschaftliche Begleitung auf und erarbeitet u. a. weiters gemeinsam mit der WU Wien Themen wie Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit.

24/7-Digital
Das von der FFG geförderte Projekt „24/7-Digital“, geleitet von Cornelia Schneider, Chefin des Instituts für Informatik an der Fakultät Technik und Gesundheit der FH Wiener Neustadt, greift die Herausforderungen in der 24h-Betreuung auf. Aufbauend auf bisherigen Erkenntnissen im Bereich der 24h-Betreuung,  wird gemeinsam mit allen am Betreuungsprozess Beteiligten eine alle Phasen der 24h-Betreuung (On-Boarding/Wechsel, Betreuung, Phasing-out/Übergabe) umfassende Lösung konzipiert und bereitgestellt. Der Hauptfokus liegt dabei auf den Funktionen einer Fernunterstützung (Live Bild/Ton), klaren Betreuungsleitlinien, einen Infopoint zur Administration der Selbstständigen-Tätigkeit und Betreuungsdokumentation sowie interaktive Übersetzungs- und Sprachfunktionen. Projektpartner sind die Wirtschaftsuniversität Wien, MOCCA Software GmbH, Hilfswerk-Personaldienstleistungs-GmbH sowie Fabian Wittmann.

Smarter Transport von Arzneimitteln
Im Projekt DigiPharmaLogNet wurde ein System zur Automatisierung der Pharmalogistik aufgebaut. „Wir entwickeln ein Logistiksystem mit intelligenten Mehrwegboxen und Regalen, das den Transport von Medikamenten schneller, günstiger und sozial nachhaltiger macht“, beschreibt Projektleiter Gerald Schneikart vom Institute for Digital Transformation and Stra-tegy (IDS) der FH Wien das Projekt. Partner sind das KI-Forschungszentrum KI4LIFE von Fraunhofer Austria, die Logistik- und Technologie-Start-ups BOOXit OG, Compunity GmbH und temprify GmbH sowie die Pharmalogistik-Unternehmen Lassmann International GmbH und Richter Pharma AG. Die bisher verwendeten Einwegboxen werden nun durch wiederverwendbare, digital unterstützte Kunststoffbehälter von BOOXit ersetzt, die mit Sensoren zur Erfassung der Position, Innentemperatur oder auch Feuchtigkeit und Erschütterungen ausgestattet sind. Ein KI-basiertes Routingsystem von Fraunhofer Austria optimiert die Routen.

Weiters können die Boxen über eine Cloud-Software künftig selbstständig mit den Regalen der Pharmalogistikunternehmen kommunizieren. Die Softwarekomponenten dazu liefert das Internet-of-Things-Start-up Compunity. Das Wiener Start-up temprify steuerte wiederum neuartige Kühlakkus bei und entwickelte mit BOOXit den ersten Prototyp einer Mehrweg-Kühlbox. In der Endausbaustufe wird das System den Schwund oder das Verfallen von Medikamenten vermindern, Zeit und Kosten sparen und den ökologischen Fußabdruck durch kürzere Wege und weniger Verpackungsmaterial reduzieren. Im Herbst 2023 konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. Nun gibt es zwei Folgeprojekte. Das Projekt „ReKEP – Mehrweg – Mehrwert für die Paketlogistik“ sowie RESISTANT mit weiteren  Forschungspartnern wie dem AIT, dem Logistikum Steyr der FH Oberösterreich, der JKU Linz, der Heereslogistikschule oder dem Bundesministerium für Landesverteidigung.


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