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© Fotos: Alfred Bankhamer

Forschungsfragen

CDG-Präsident Gerzabek über Coronafolgen und den FTI-Pakt

Martin Gerzabek, Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG), über Corona, hohes Antragsvolumen und leere Kassen durch Wegfall der Nationalstiftung.

von: Von Alfred Bankhamer

Seit zwei Jahren leiten Sie als Präsident die CDG. Wie war diese erster Phase und welche Auswirkungen hatte die Pandemie?
Martin Gerzabek:
Ich war schon zuvor in der CDG im Senat tätig, als ich im Juli 2019 Präsident wurde. Vom Modell der CDG bin ich sehr überzeugt. Es ist ein Musterbeispiel für ein Private-Public-Partnership in der Forschung. Das Schöne ist, dass das auch alle so sehen. Sowohl die Forschungseinrichtungen als auch die Unternehmen. Die ersten zwei Jahre waren sehr spannend und es ergaben sich viele neue Kontakte – auch in die Wirtschaft. Nach einem halben Jahr meiner Präsidentschaft hat sich dann die Pandemie abgezeichnet. Da stellten sich Fragen, wie wir mit der Arbeit im Generalse

Gab es auch seitens der Partnerunternehmen bei den Projekten Probleme?
Da hatten wir anfangs Befürchtungen, dass Unternehmen wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit sehr früh aus CD-Labors aussteigen könnten. Das war zum Glück nicht so. Wir haben offensichtlich einen Ausschnitt der österreichischen und internationalen Unternehmen, die eine größere Substanz haben. Nur fünf Prozent der rund 190 Unternehmen hatten Probleme und vier Unternehmen kündigten die Kooperation aufgrund von Covid. Aber es mussten keine CD-Labors oder Josef Ressel Zentren zusperren. Eine wichtige Hilfe war, dass den Unternehmen die Mitgliedsbeiträge für die CDG in die Fixkostenhilfe eingerechnet wurde. 

Wie hoch sind diese Beträge? 
Das ist sehr unterschiedlich. Wir haben maximal 750.000 Euro Fördervolumen pro Jahr, welches selten ausgenutzt wird. Die Hälfte davon ist die maximale Firmenbeteiligung pro Labor. Wenn mehre Firmen beteiligt sind, teilt sich das auf. Wir haben aber auch weitere Hilfen organisiert. So waren beispielsweise erhöhte Budgetüberträge aus 2020 ins Jahr 2021 möglich, um Verzögerungen auszugleichen. 

Wie stark ist aktuell die Nachfrage für neue Projekte?
Das Interesse ist ungebrochen. Wir haben sehr viele Anträge. Das sehe ich als gutes Zeichen. Die Wirtschaft ist bereit, nun wieder namhafte Beträge auch mittelfristig für die Forschung einzusetzen. Da macht sie auch genau das Richtige. Ein CD-Labor läuft ja sieben Jahre, ein Josef-Ressel-Zentrum fünf Jahre. Wir kommen nur mit forschungsbasierten neuen Innovationen aus der Krise heraus. Das ist das Hauptgeschäft der CDG, nämlich Grundlagenforschung zu finanzieren, die dann mittel- und langfristige Impacts hat und einen höheren Innovationssprung bringt. Das ist auch mit der aktuellen Konkurrenzsituation zu Fernost, Südostasien und andere Regionen die einzige Möglichkeit. 

Wie stark unterscheiden sich eigentlich die Forschungsergebnisse der CD-Labors von den Josef Ressel Zentren?
Bei den CD-Labors haben wir absolut anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Da haben wir immer einen deutlich höheren Output an akademischen Publikationen. Die Josef Ressel Zentren haben nicht den Anspruch an die Grundlagenforschung. Die machen anwenderorientierte Forschung, aber oft auch mit Grundlagenanteilen. Sie sind näher an der Umsetzung. Sie sind auch eine deutliche Unterstützung für die Fachhochschulen, sich besser in der Forschung zu positionieren. Es gibt seit kurzem das zusätzliche Doktoratsprogramm „doc.funds.connect“ gemeinsam mit dem FWF. Hier geht es darum, dass Fachhochschulen mit Universitäten gemeinsam Doktoratsprogramme aufsetzen können. Das ist ganz wichtig für die Höherqualifizierungsmöglichkeiten an Fachhochschulen. Für Österreich ist das ein wichtiges forschungspolitisches Thema.

Wie viele Labors und Zentren gibt es aktuell?
Aktuell gibt es 101 Forschungseinheiten, 15 davon sind Josef Ressel Zentren. In Summe hat es schon 238 CD-Labors und 24 Josef Ressel Zentren gegeben. 43 davon an der TU Wien, 35 an der TU Graz und 26 an der Universität Linz. Die voestalpine Stahl war an 41, AVL List an 25 und Primetals Technologies an 21 Projekten beteiligt, um nur die Top 3 zu nennen.

Ein Höhepunkt ist wohl nun jedes Jahr die Verleihung des CDG-Preises, die am 6. Oktober 2021 erfolgt ist. Was kann man zum Siegerprojekt sagen?
Voriges Jahr hatten wir ein sehr spektakuläres Projekt aus dem medizinischen Bereich, bei dem KI verwendet wird, um lernende Prothesen zu entwickeln. Heuer haben wir ein herausragendes Projekt mit Professor Pirker von der JKU Linz, in dem es um partikuläre Strömungen und das Verhalten von Partikeln geht. Das Thema ist etwas abstrakter. Die Frage, wie sich Partikel in Luft oder Flüssigkeiten verhalten, etwa auch in flüssigem Stahl, ist extrem wichtig für das Prozessverständnis und die Prozessoptimierung. Pirker hat hierzu Tools entwickelt, die man für die Prozessoptimierung in Hochöfen oder chemischen Anlagen verwenden kann. Die Formeln dienen aber auch zur Berechnung von Aerosolen in der Luft wie bei Sars-Cov2. Er hat Programme entwickelt, mit denen man in ganz unterschiedlichen Anwendungen das Partikelverhalten nachvollziehen kann und bietet sie Open Source im Internet an. Das Produkt behalten wir also nicht für uns, sondern jeder in der Welt kann es benutzen. Die Software nutzt etwa auch die NASA, um die Fortbewegung des Mars-Roboters Curiosity zu berechnen. Nächstes Jahr wird übrigens nach den ersten zwei Jahren CDG-Preise für CD-Labors erstmals ein Projekt aus den Josef Ressel Zentren ausgezeichnet.

Ein wichtiger Punkt für die CDG ist die Finanzierung. Was hat das neue Forschungsfinanzierungsgesetz gebracht?
Wir wurden nun auch den zentralen Forschungsförderungsagenturen zugeordnet. Das ist für uns ein enormer Fortschritt. Wir können nun dreijährige Verträge mit dem BMDW abschließen.  Was aber ein großes Problem darstellt, ist, dass ab heuer sehr substanzielle Beiträge aus der Nationalstiftung und dem Österreich Fonds fehlen. 

Deswegen gab es ja eine Petition im Nationalrat.
Diese haben wir mit den anderen Fonds und Betroffenen über die Frau Nationalratsabgeordnete Maria Theresia Niss eingebracht. Sie erhielt 3.000 Unterstützungsunterschriften, wurde aber bis dato nicht behandelt. An sich gibt es ja ein klares Commitment, einen Nachfolgefonds einzurichten, da in Summe 140 Millionen Euro pro Jahr fehlen. In der Mitte Oktober präsentierten Regierungsvorlage für das Budgetbegleitgesetz 2022 sind diese Mittel nun als „Fonds Zukunft Österreich“ eingeplant. Wir hoffen auf einen Beschluss und eine zügige Umsetzung, damit die Mittel rechtzeitig für 2022 zur Verfügung stehen. 

Was passiert, wenn die Mittel erst später fließen?
Dann können wir einfach keine Zuerkennungen mehr machen und würden auch noch 50 Prozent vorhandene Innovationsgelder von Unternehmen für Forschungsprojekte liegenlassen. So eine Möglichkeit, um den Forschungsstandort Österreich und die Wirtschaft voranzubringen, dürfen wir nicht ungenutzt lassen.


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