02/2024 News mittlere Spalte Personalia
AIT / Christian Husar
AIT / Christian Husar

Das AIT ist relevanter denn je

Interview: Die Dreier-Geschäftsführung des AIT Austrian Institute of Technology möchte Forschung noch wirksamer machen. Ein Gespräch über Kooperation und Diversität, Forschung als Innovationsmotor und Lösungen für die Zukunft.

von: Redaktion

Dem AIT steht nunmehr eine Dreier-Geschäftsführung vor. Wohin steuert Österreichs größte Forschungs- und Entwicklungsorganisation?

Brigitte Bach: Forschung und Technologie sind der wesentlichste Innovations-Motor. Unser Ziel ist, dass die Forschungsarbeit des AIT einen starken „impact“ für Innovationen „made in Austria“, für den Erfolg unserer Partnerunternehmen und den Standort Österreich hat. Wir legen unseren Fokus auf zwei zentrale Schwerpunkte: Die eine Priorität sind nachhaltige und resiliente In-frastrukturen – das umfasst Bereiche wie Energiesysteme der Zukunft, nachhaltige Mobilität und ausgewählte Bereiche des Gesundheitssystems. Der zweite Schwerpunkt ist die Digitalisierung im Dienst der Wirtschaft und der Gesellschaft – von Fragen der Cybersecurity über innovative Automatisierungslösungen bis hin zur Beziehung Mensch–Maschine. Darüber hinaus interessieren wir uns dafür, wie Innovationssysteme funktionieren und wie Transformationsprozesse ablaufen. Im Vergleich dieser Schwerpunkte mit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen – etwa Digitalisierung, Dekarbonisierung oder alternder Gesellschaft – zeigt sich klar und deutlich, dass das AIT relevanter ist denn je. Wir geben Antworten auf die großen Zukunftsfragen.

Was heißt „höhere Wirksamkeit“ in der Praxis?

Andreas Kugi: Wir forschen in jenen Bereichen, in denen wir einen klaren Bedarf aus der Industrie erkennen und die für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie mittel- und langfristig relevant sind. Das AIT ist positioniert zwischen der Grundlagenforschung, die typischerweise auf Universitäten stattfindet, und der Umsetzung und Verwertung von Innovationen durch die Industrie. Wir bewegen uns dabei in einem mittleren Technologiereifegrad, der die Methoden- und Technologieentwicklung, den Bau von Prototypen und die Einrichtung von Demons-tratoren umfasst. Um diese Brückenfunktion ausfüllen zu können, knüpfen wir enge Kooperationsnetzwerke mit Universitäten und Unternehmen, die wir in den nächsten Jahren strategisch ausweiten und verdichten werden. Die großen Lösungen entstehen gemeinsam.

Alexander Svejkovsky: Für uns ist der Wissenstransfer wesentlich – dass das Wissen aus Forschungs-projekten auch tatsächlich umgesetzt wird. Zur Unterstützung dieses Prozesses haben wir eine Strategie zum Umgang mit Intellectual Property aufgesetzt, die die Bewertung von Erfindungsmeldungen, die Anmeldung von Patenten, Lizenzierungen und die Gründung von Start-ups umfasst. Wir ermuntern alle AIT-Forscher:innen, bei der Verwertung ihrer Ergebnisse auch unternehmerisch zu denken, und unterstützen sie aktiv auf diesem Weg. Damit sind wir sehr erfolgreich: In den vergangenen drei Jahren haben wir sechs Start-ups ausgegründet, von denen viele bereits Investoren gefunden haben und am Markt erfolgreich sind.

Die wirtschaftlichen Rahmenbe­dingungen sind derzeit schwierig. Wie spürt das das AIT?

Svejkovsky: Wir haben uns in den vergangenen Jahren, die von zahlreichen Krisen geprägt waren, sehr gut entwickelt: Unsere Betriebsleistung und unser Auftragsstand sind auf Rekordwerte gestiegen, bei der Beteiligung am EU-Programm -HORIZON EUROPE sind wir unter den Top drei der österreichischen Forschungseinrichtungen. Aber die Folgen von Inflation und schwachem Wirtschaftswachstum sind gleichzeitig auch sehr herausfordernd – noch dazu, da die Bundesmittel gemäß Forschungsfinanzierungsgesetz bisher nicht valorisiert wurden. Die Forschung schneller und wirksamer zu machen, geht nur, wenn man die Mittel dafür hat. Es braucht daher eine deutliche Steigerung der Forschungsförderung und eine entsprechende Valorisierung.

Welche Bereiche sollen am AIT in nächster Zeit gestärkt werden?

Kugi: Das AIT hat in den Schwerpunktfeldern umfangreiche Methoden- und Technologiekompetenz. Um die Herausforderungen der zunehmend komplexen Systeme beherrschen zu können, braucht es breite Systemkompetenz. In ausgewählten Themengebieten wollen wir eine führende technologische Rolle im europäischen Kontext einnehmen, daher bauen wir Stärkefelder, wie beispielsweise Quantenkommunikation, Batterietechnologie, mikro-benbasierte Bioökonomie, KI-basierte Automatisierung oder multimodale Mensch–Maschine-Schnittstellen, weiter aus. Wir investieren kontinuierlich in neue Labors, darunter ein Large-Scale-Robotics-Labor, ein Labor für Feststoffbatterien oder einen 100-kW-Luft-Wasser-Wärmepumpenprüfstand. Künstliche Intelligenz spielt in praktisch allen Bereichen eine zunehmend wichtige Rolle. Dazu wurde eine eigene AI-Task-Force mit dem Ziel eingerichtet, das AIT mittelfristig zu einem Unternehmen mit durchgängiger KI-Unterstützung in allen Bereichen der Forschung, des Laborbetriebs und der Verwaltung zu transformieren.

Svejkovsky: Die allumfassende Digitalisierung aller unserer Abläufe und Prozesse sowie die Integration neuer KI-Technologien stellen eine Voraussetzung für Erfolg und Schnelligkeit dar.

Forschung und Entwicklung braucht die besten Köpfe – und diese sind heiß begehrt. Wie rekrutiert das AIT?

Bach: Forschung ist international, daher rekrutieren wir auch immer internationaler: Unter unseren 1.465 Mitarbeiter:innen sind mehr als 50 Nationen vertreten. Als im globalen Vergleich relativ kleine Forschungs- und Entwicklungsorganisation ist es entscheidend, den Mitarbeiter:innen beste Arbeitsbedingungen zu bieten. Wir sind überzeugt, dass Vielfalt bereichernd ist. Das ist nicht nur eine Frage der Gleichstellung, sondern ermöglicht auch das Ausschöpfen des gesamten Potenzials an Talenten und hebt die Qualität der Arbeit: Je diverser und interdisziplinärer Teams zusammengesetzt sind, umso kreativer und ganzheitlicher sind die Technologien und Lösungen. Gemäß unserem Motto „Diversity inspires Innovation“ haben wir z. B. eine genderbeauftragte Person und eine eigene Gender-Task-Force ins-talliert, die viele Maßnahmen umsetzen und deren Wirkung monitort. Ein Beispiel ist das „Female Leadership Development Program“, in dem junge Mitarbeiterinnen in ihren Führungs-Skills gefördert werden.

Das AIT erfindet nun die Technologiegespräche neu – inwiefern?

Bach: Nach 40 erfolgreichen Jahren im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach finden die Technology Talks Austria 2024 erstmals in Wien statt, und zwar – back-to-back mit dem FFG Forum – am 12. und 13. September im Wiener Museumsquartier. In den Folgejahren ist eine Rotation mit anderen zentralen -Orten Österreichs, etwa Graz und Linz, geplant. Unseren Anspruch, die relevanteste Technologiekonferenz Österreichs mit europäischem und internationalem Fokus zu sein, unterstreichen die Partner, mit denen wir dabei kooperieren – von den Ministerien für Klimaschutz, Bildung und Wirtschaft über die Industriellenvereinigung bis hin zur FFG.

Kugi: Bei der inhaltlichen Ausrichtung kooperieren wir mit zahlreichen Wissenschaftsorganisationen, etwa mit der TU Austria, der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), dem IST Austria, mit Forschung Austria, der Christian Doppler Gesellschaft und der deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech. Das Leitthema ist heuer die Rolle der FTI-Policy bei der „Triple Transition“ – den ökologischen und digitalen Transformationen, die menschengerecht sein sollen. Die Technology Talks Austria sind eine Plattform für die österreichische Technologie-Community – Universitäten, Unternehmen, Politik bzw. Verwaltung –, um Lösungen für die großen Herausforderungen der Zukunft voranzutreiben.

Lesen Sie diesen Artikel ab Seite 14 der aktuellen Ausgabe 2-24 oder am Austria Kiosk!


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