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© Fotos: Alfred Bankhamer
Kirche Heiligenblut im Nationalpark Hohe Tauern
© Fotos: Alfred Bankhamer

Geburt der Nationalparks

Vor 40 Jahren wurde der Nationalpark Hohe Tauern gegründet

Vor 50 Jahren wurde in Heiligenblut die Gründung des Nationalparks Hohe Tauern vereinbart. Die sechs Nationalparks in Österreich sind heute wichtige Erholungs- und Biodiversitätsoasen und ein natürlicher Forschungsraum.

Ein paar Wolken trüben am Morgen noch die Aussicht auf Österreichs höchsten Berg, dem Großglockner. Umso beeindruckender präsentiert sich die spätgotische Kirche von Heiligenblut. In dieser kleinen Kärntner Gemeinde wurde vor einem halben Jahrhundert Geschichte geschrieben. Nach jahrzehntelanger Vorarbeit engagierter Naturschützer und Vereinen wie dem Alpenverein oder Naturschutzbund sowie langwierigen Verhandlungen unterschrieben hier die Landeshauptleute von Kärnten, Salzburg und Tirol am 21. Oktober 1971 die Heiligenbluter Vereinbarung. Das war die Grundsatzentscheidung für die Errichtung des Nationalparks Hohe Tauern. Danach dauerte es noch weitere zehn Jahre, bis vor 40 Jahren Österreichs erster Nationalpark geboren wurde, da noch große Kraftwerksprojekte mit Stauseen oder auch Liftprojekte sowie die Frage der Grund- und Jagdrechte im Wege standen. Gestartet wurde in Kärnten 1981 mit einem Areal von 195 Quadratkilometern. Salzburg folgte 1984 und Tirol erst 1992. Naturschutz ist Ländersache, weswegen es heute auch drei Nationalparkverwaltungen gibt, die nun in guter Zusammenarbeit 1.856 Quadratkilometer betreuen und eine kleine Journalistenrunde einluden, um die aktuellen Herausforderungen sowie Erkenntnisse aus jahrelanger Forschung zu präsentieren. Seit Anbeginn des Nationalparks gibt es einen oft hart geführten Konflikt zwischen Naturschutz und Naturnutzung. Die 47,8 Kilometer lange Glockner-Hochalpenstraße ist ein Beispiel dafür. Sie führt von Heiligenblut über den Alpenhauptkamm nach Salzburg und war einst eine wichtige Römerstraße, die laut Grabungsfunden zuvor schon in der Hallstattzeit genutzt wurde. Heute lockt sie pro Jahr knapp eine Million Touristen und 300.000 weniger der Nationalparkidee entsprechenden Kraftfahrzeuge an. Mit Straßen und schon zuvor errichteten Stauseen, Almen, Forstwirtschaft, Jagdrechten und vielem mehr muss der Nationalpark zurechtkommen. Deshalb gibt es auch drei unterschiedlich streng geschützte Zonen. Seit 2019 sogar ein den internationalen Kriterien der IUCN anerkanntes Wildnisgebiet, in dem sich die Natur wirklich sich selbst überlassen wird und von denen es in Europa kaum noch welche gibt. Besucher sind im Nationalpark, der längst eine wichtige Tourismusattraktion ist, sehr willkommen. Das Erleben der Natur und die Vermittlung der Bedeutung von Themen wie Natur- und Artenschutz, Biodiversität und Klimawandel sind wichtige Aufgaben der Nationalparks, von denen es in Österreich mittlerweile schon sechs mit sehr unterschiedlichen Landschaften gibt. Alle, ob der Nationalpark Neusiedler See, der um seine wertvollen Salzlacken bangt, oder der Nationalpark Hohe Tauern sind vom Klimawandel stark betroffen.

Nationalpark-Ranger Markus Lackner, der selbst aus Heiligenblut stammt. Das Exkursionsteam ist einige Kilometer weiter Richtung der Franz-Josefs-Höhe auf 2.369 Metern Seehöhe gefahren. Hier konnten die Besucher vor noch nicht allzu langer Zeit die prachtvolle Aussicht auf die Eismassen der Pasterze, Österreichs größtem Gletscher, bewundern. Heute sieht man vor allem Geröll, der Gletscher selbst verlor jährlich rund zehn Meter an Dicke, wie Markierungen an einem Wanderweg eindrucksvoll zeigen, und hat sich weit nach hinten zurückgezogen. Dafür zeigt sich im Hintergrund nun der Großglockner in seiner vollen Pracht.

Das Thema von Markus Lackner ist heute eigentlich der Steinbock, der durch intensive Bejagung in Österreichs Alpen Anfang des 19. Jahrhunderts völlig ausgerottet wurde. Er konnte in mühsamer Arbeit wie auch der ebenfalls ausgerottete Bartgeier und sehr stark dezimierte Steinadler (mit aktuell 40 Brutpaaren) wieder erfolgreich angesiedelt werden. Dabei stammen alle Tiere aus einer kleinen Population von rund 100 Tieren aus dem italienischen Gran-Paradiso-Gebiet, die die Gier nach magischen Steinbock-Produkten überlebt hatten, da sie König Viktor Emanuel II 1821 unter Schutz stellte. Einige Kitzen wurden damals gestohlen und in die Schweiz geschmuggelt. Aus dieser Nachzucht stammt heute legal erworben, der Bestand in Österreich. Mittlerweile leben wieder rund 1.000 Steinböcke im Nationalpark. Ein Problem ist natürlich die geringe genetische Vielfalt, die in Forschungsprojekten untersucht wird, sowie Krankheiten wie die Räude, die schon große Bestände dahingerafft hat oder der Klimawandel, der generell zur Verschiebung und oft Verkleinerung der Lebensräume von Tieren und Pflanzen führt. All dies wird wie etwa auch die interessante Bachökologie, die besondere Artenvielfalt der bewirtschafteten Almwiesen, der Gletscherschwund oder die auftauenden Permafrostböden in zahlreichen Forschungsprojekten untersucht. So betrifft etwa die frühe Blütezeit vieler Pflanzen, besonders auch die Steinböcke durch Mangel an wichtigen Nährstoffen. „Die Muttermilch muss ja eine entsprechende Energie haben. Sind die Nährstoffe aber nicht vorhanden, sterben viele der Jungtiere,“ so Lackner.

Am nächsten Tag führte die Reise ins Salzburger Hollersbachtal, eine typische Almlandschaft, in der besondere Aspekte der Einbindung lokaler Akteure wie Almbauern in der Außenzone beleuchtet wurden. Sie profitieren aber auch vom Tourismus oder neuen Jobs wie den Nationalpark Ranger. Dieser Bereich des Nationalparkmanagements bedarf Weitblick und Sensibilität. „Hier spielt der Vertragsnaturschutz, der eine freiwillige Zusammenarbeit mit den Grundbesitzern ermöglicht, eine wichtige Rolle“, betont der Salzburger Nationalparkdirektor Wolfgang Urban. So konnte erreicht werden, dass die ursprüngliche „Schutzgemeinschaft gegen den Nationalpark“ hier nun „Schutzgemeinschaft der Grundeigentümer“ heißt und heute 120 Mitglieder umfasst. Georg Altenberger, Almbauer und deren Obmann, betont, wie gut die Zusammenarbeit nun funktioniere. Nur das durch den Natura-2000-Beitritt nun EU-Recht über die Vereinbarungen der Landesgesetze stehe, mache einiges deutlich schwieriger.

In Salzburg sorgt derzeit auch der Wolf für Aufsehen, da ein paar „Problem-Wölfe“ größere Schafbestände gerissen hatten. Die Wiederansiedlung von Beutegreifer erfordert auch viele Maßnahmen und Geduld, um ein bestmögliches Zusammenleben von neuer wilder Natur und Mensch zu ermöglichen. In Tirol wurde schließlich noch das Haus des Wassers in St. Jakob im Defereggental besucht, um die wichtige Bildungsarbeit des Nationalparks – hier zum Thema Wasser und Klima – zu zeigen. Zum erholsamen Ausklang ging es in den Oberhausener Zirbenwald, dem größten in den Ostalpen, zum neu errichtete Wildtierbeobachtungsturm. Der Tiroler Nationalparkdirektor Hermann Stotter sprach hier über die Wegefreiheit und kluge Besucherlenkung. „Die Wege müssen spannend sein, damit die Touristen auf den richtigen Wegen bleiben“, so Stotter.

Der Nationalpark Hohe Tauern, eine der großartigsten Hochgebirgslandschaften unserer Erde, ist jedenfalls eine wichtige Biodiversitätsoase, in der es rund 15.000 Tierarten, 551 Bergseen, noch 342 Gletscher, 3.500 Pflanzenarten und 4.000 Pilzarten gibt. Diese Vielfalt der Natur gilt es, auch für kommende Generationen zu erhalten.


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