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Foto: ÖNB Hejduk
Der 1723 bis 1726 nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtete barocke Prunksaal zählt zu den beeindruckendsten Bibliotheksbauten der Welt.
Foto: ÖNB Hejduk

Bibliotheken

Hurra, wir lesen noch!

Foto: Stift Altenburg
Bewahrtes Wissen in höchst repräsentativem Umfeld: prachtvolle Kuppelfresken in der Stiftsbibliothek von Altenburg.
Foto: Stift Altenburg

Von wegen Ende des Buches! In Österreich gibt fast 1.400 öffentliche Bibliotheken, die mehr als elf Millionen Medien bieten. Die Zahl der NutzerInnen nahm zuletzt wieder leicht zu – und einige Bibliotheken genießen Weltruf.

von: Harald Hornacek

Wissen Sie, wo sich die nächstgelegene Bibliothek befindet? Wahrscheinlich liegt sie näher, als Sie denken. Denn Österreich verfügt laut der Österreichischen Büchereistatistik derzeit über ein flächendeckendes Netz von Bibliotheken – rund 1.070 Gemeinden  haben mindestens eine Bibliothek. Nachsatz: Seit Anfang 2014 haben mehr als 110 meist kleine öffentliche Bibliotheken bei uns geschlossen. Doch weltweit befindet sich der Buchmarkt sogar in einer kleinen Aufwärtsbewegung, die Umsätze legten zumindest 2017 leicht zu. Unterschiedlich sind die Segmente, die sich nach Endkonsumenten, Fachpublikum und Lehrbüchern grob unterscheiden lassen. Natürlich spielt auch das Medium selbst eine Rolle, Stichwort: E-Book. Aber wenn man sich im Bekanntenkreis umhört, so lässt sich immer wieder eine Botschaft vernehmen: E-Book ja eh, aber ein gutes Buch liest sich am besten „analog“.  Woraus sich wohl auch die steigenden Zahlen der Bibliotheken-Nutzer*innen in Österreich erklären lässt: Ein Plus von 2,2 Prozent im Jahr 2018 hätten wir wohl alle gerne bei den Zinsen auf dem Sparbuch. Ein großer Teil dieses Anstiegs, sagt die Österreichische Büchereistatistik, resultiert eben aus der stärkeren Nutzung von E-Medien-Verbünden. Aber interessant ist, dass sich auch ein Berufsbild recht gut entwickelt, das man vor ein paar Jahren eigentlich totgeschrieben hatte: 2018 stieg nämlich erstmals die Zahl der Bibliothekar*innen in Österreich auf über 10.000. Vor allem nebenberuflich entdecken viele Menschen ihre Berufung. Und wenn man ehrlich ist, braucht es die Serviceleistung auch: Wie soll man sonst aus Millionen von Medien den Überblick gewinnen? Sage und schreibe 11.283.903 Medien standen 2018 den Benutzer*innen in den erfassten öffentlichen Bibliotheken zur Auswahl – ein Plus von 3,8 % gegenüber 2017. Daraus resultierte auch ein deutlicher Zuwachs an Entlehnungen: 23.815.086 mal wurde ein Medium in einer öffentlichen Bibliothek entlehnt. Rund 812.000 Benutzer*innen nahmen 2018 die Services der Bibliotheken an – ein starker, konstanter Wert.

Viele Wege führen zum Lese-Genuss

Es sind unterschiedliche Aspekte, die Bibliotheken interessant machen. Natürlich spielt das Angebot eine Rolle. Aber vieles läuft auch über Veranstaltungen und unterschiedliche Formate wie Lesungen, Führungen oder auch zielgruppengerechte Aktivitäten für Kindern oder Senioren. All das bringt die Menschen ins Haus und öffnet ihnen oftmals eine neue Welt. Gleichzeitig gibt es gerade in Österreich viele Möglichkeiten, mancherorts in jahrhundertealte Traditionen einzutauchen. Denn je nach Träger verbindet eine Bibliothek oftmals eigene Anliegen mit dem Angebot an Medien: So sind die Einrichtungen, die von AK und ÖGB getragen werden, beispielsweise sehr gut bestückt in sozialwissenschaftlichen Fragen oder der Entwicklung von Berufsbildern und der Gesellschaft. Große städtische Bibliotheken wie in Wien oder Salzburg bieten oftmals neben einem sehr breiten Leseschatz auch ganz gezielt regionale bzw. lokale Literatur an. Landesbibliotheken sammeln Schätze des eigenen Bundeslandes und horten damit wichtige Elemente der regionalen Historie. Und in kirchlich organisierten Bibliotheken finden sich oft wahre Schätze der geistlichen und kulturellen Hochliteratur.

Die größte Klosterbibliothek der Welt ist in der Steiermark

Die Admonter Stiftsbibliothek ist eines der großen Gesamtkunstwerke des europäischen Spätbarocks. Das Benediktinerkloster wurde 1074 gegründet. Bis heute vereint die Admonter Stiftsbibliothek verschiedene Kunstgattungen – Architektur, Fresken, Skulpturen, Schriften & Druckwerke– , die regelrecht zu einer großen beeindruckenden Einheit verschmelzen. Damit taucht man in einen einzigartigen, über Jahrhunderte befüllten und gepflegten Wissensspeicher ein. Mittepunkt des prächtigen Ensembles ist der klösterliche Bibliothekssaal – als weltweit größter seiner Art auch ein beliebtes und empfehlenswertes Ausflugsziel. Zumal die weltgrößte Klosterbibliothek barrierefrei zugänglich und auch ohne Führung zu besichtigen ist. Wer die Evolution der Menschheit in Wort und Bild von der Erkenntnis des Denkens und Sprechens über die Wissenschaften bis zur göttlichen Offenbarung erleben möchte, wird hier fündig. Der Bibliothekssaal beherbergt ca. 70.000 Bände, wobei der Gesamtbestand an Büchern knapp dreimal so groß ist. Als besonders kostbar gelten die mehr als 1.400 Handschriften (ab dem 8. Jahrhundert) sowie die 530 Inkunabeln (Frühdrucke bis zum Jahr 1500).

Gesammeltes Wissen eines Landes: Die Österreichische Nationalbibliothek

Acht Sammlungen, mehr als 12,5 Millionen Objekte, eine traditionsreiche Geschichte, die bis in 14. Jahrhundert zurückreicht – die Österreichische Nationalbibliothek gilt als zentrale wissenschaftliche Bibliothek der Republik Österreich. In ihr ist praktisch alles gespeichert, was kluge und kreative Köpfe hervorgebracht haben und täglich hervorbringen. Die ÖNB sieht sich selbst als „lebendige Brücke zwischen dem reichhaltigen Erbe der Vergangenheit und den zukunftsorientierten Ansprüchen der modernen Informationsgesellschaft“, und das ist insofern gut beschrieben, weil hier wie kaum an einem anderen Ort Geschichte, Gegenwart und Zukunft verschmelzen. Bücher können analog und haptisch gelesen werden, aber ein großer und wachsender Teil der Serviceleistungen kann auch online über die Website der ÖNB abgewickelt werden. Richtig spürbar wird die Geschichte unseres Landes natürlich vor Ort: Das Erbe der Habsburgischen Hofbibliothek gilt als schriftliches Weltkulturerbe. Einzigartig sind auch die Bestände an antiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Handschriften verschiedenster Kulturkreise sowie an Musikautografen. Unzählige alte Drucke, historischen Karten, Porträts, Plakate, Flugblätter und nicht zuletzt literarische Nachlässe österreichischer Autor*innen geben Zeugnis von der Schaffenskraft der Menschen. Nicht zu vergessen: Objekte aus der weltweit größten Sammlung an Papyri oder einem einzigartigen Bestand historischer Globen. Mit dem Haus der Geschichte Österreich betreibt die Österreichische Nationalbibliothek auch ein zeitgeschichtliches Museum mit besonderem Schwerpunkt auf der österreichischen Geschichte ab 1918.

Bibliothek St. Peter: die älteste Bibliothek Österreichs

Die Bibliothek St. Peter in Salzburg ist Österreichs älteste Sammlung und wurde wohl in der Mitte des 8. Jahrhunderts begründet. Sie beinhaltet kostbare und bedeutsame Zeugnisse des religiösen und kulturellen Wirkens der Mönche von St. Peter. So entstand seit dem Mittelalter beginnend mit den ältesten liturgischen und theologischen Handschriften über die Universalbibliothek der Barockzeit eine umfangreiche Büchersammlung, die durch kontinuierliche Bestandserweiterung bis heute die Wertschätzung des Benediktinerordens für Wissenschaft und Bildung dokumentiert. Man findet hier neben zahlreichen Handschriften und Frühdrucken auch Musiknoten und Gemälde. Die aktuellen Sammlungsschwerpunkte sind Benediktinisches Mönchtum, Ordens- und Kirchengeschichte, christliche Kunst oder auch Salzburgensien.

Universitäten als Zentrum der Wissenschaft

Die Salzburger Universitäts- und L andesbibliothek wurde 1652 gegründet, die Tiroler Universitäts- und Landesbibliothek 1745, die Bibliothek der Technischen Universität Wien 1815, die Universitätsbibliothek Graz sogar schon 1573 – es ist naheliegend, dass Wissenschaft, Forschung und Lehre schon sehr früh dokumentiert wurden. Die Wurzeln der Universitätsbibliothek Wien reichen denn auch sogar bis ins Jahr 1365 zurück. Aber auch das Leben in Städten wurde schon früh zu archivieren begonnen. So gilt die Wienbibliothek, begründet offiziell 1856, aber mit Vorläufersammlungen, die weit zuvor zurückreichen, bis heute als eine der reichhaltigsten und spannendsten städtischen Sammlungen weltweit. Auch die Steiermärkische Landesbibliothek reicht zurück bis auf das Gründungsjahr 1811. Und die jüngste Landesbibliothek wurde 1922 in Eisenstadt begründet – sozusagen in der Geburtsstunde unseres jüngsten Bundeslandes.

Die ältesten Bibliotheken der Welt

Im weltweiten Vergleich kann Österreich mit seinen Bibliotheken durchaus mithalten. Wenngleich die älteste noch zugängige Buchsammlung in unserem Nachbarland liegt: Die Geschichte der Stiftsbibliothek St. Gallen in der Schweiz reicht bis 612 zurück, als ein emsiger Mönch den Grundstein für ein Benediktinerkloster legte. Daraus wurde im Laufe ein Kloster mit Schule und eigener Bibliothek, deren Ursprung auf ca. 750 datiert wird. Heute sind in der Stiftsbibliothek St. Gallen tausende Handschriften und mehr als 150.000 Bücher präsent.

Wenig überraschend, kann auch die Vatikanisch Apostolische Bibliothek auf eine jahrhundertelange Tradition verweisen. Bereits im Jahr 300 wurde mit der Sammlung und Ordnung von ausgewählten Briefen und Schriften begonnen, um 800 herum wurde dann eine systematische Sammlung angelegt. Diese Sammlung ist heute berühmt für ihre Handschriften, Karten und Münzen.

Die wohl mächtigste und prächtigste Bibliothek aller Zeit gibt es aber leider nicht mehr: Die Bibliothek von Alexandria prägte die Antike und war der heilige Gral des Wissens, der Kunst und der Wissenschaft. Sie wurde nach Schätzungen etwa 300 vor Christus erbaut, wobei es dazu unterschiedliche wissenschaftliche Meinungen gibt. Auch der genaue Ort der Bibliothek ist bis heute nicht restlos und klar dokumentiert. Die Sammlung soll 700.000 Schriftrollen umfasst haben. Vermutlich wurde die Bibliothek Alexandria 48 nach Christus bei einer Invasion durch Cäsar niedergebrannt. Allerdings gibt es auch einige Überlieferungen, die dieser Version der Geschichte widersprechen. Und 2018 stand in der „Süddeutschen Zeitung“ zu lesen, dass das Ende möglicherweise auch aus anderen Gründen erfolgt sei: „Es fehlte“, so die Zeitung, „schlicht am Interesse und an den Möglichkeiten, einen so umfangreichen Literaturspeicher zu unterhalten und zu pflegen.“ Auch das ist der Lauf der Zeit.


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