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© Foto: BMK

Kreislaufwirtschaft

Österreich soll mehr im Kreislauf wirtschaften

Die Ende 2022 von der Regierung beschlossene „Kreislaufwirtschaftsstrategie Österreich“ will eine umfassende Transformation des heimischen Wirtschaftssystems erreichen. Anstatt einer „Take-Make-Use-Waste“-Wirtschaft soll nun alles rund im Kreislauf laufen. Erste Beispiele gibt es schon.

von: Alex Kohl

Das Thema Kreislaufwirtschaft fehlt in kaum einem der jüngeren Szenarien rund um die häufig geforderte Transformation der heimischen Wirtschaft. Der Wert von Produkten, Rohstoffen und Ressourcen soll so lange wie möglich innerhalb des Systems erhalten und dabei Abfall und Umweltbelastungen reduziert werden. So die Idee – die auch 2020 schon den Bogen für den Aktionsplan Kreislaufwirtschaft der EU-Kommission spannte. Auch darin wird aber immer wieder betont, dass ein zirkulärer Wirtschaftsansatz nur über eine gesamtwirtschaftliche Planung umsetzbar sein wird. Um gemäß diesem Grundsatz eine österreichische „Circular Economy“ wirksam aufzustellen, hat sich das Bundesministerium für Klimaschutz zwei Jahre lang mit der Erarbeitung einer umfassenden Kreislaufwirtschaftsstrategie beschäftigt. „Wir haben in einem Strategiefindungsprozess hunderte Stakeholder eingebunden und konnten einen wichtigen zivilgesellschaftlichen Dialog anfachen“, schildert Thomas Jakl vom BMK die Anfänge der jüngst präsentierten „Kreislaufwirtschaftsstrategie Österreich“. Im Dezember 2022 wurde sie im Ministerrat beschlossen und wird damit in den nächsten Jahren umgesetzt.

Klimaneutrale und nachhaltige Wirtschaft
Die Vision der Strategie ist die Umgestaltung der österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft in eine klimaneutrale, nachhaltige Kreislaufwirtschaft bis 2050. Konkret fixiert die Strategie vier quantifizierte Ziele bis 2030: Darin findet sich zum Beispiel eine anvisierte Reduktion des Ressourcenverbrauchs auf maximal 14 Tonnen pro Kopf und Jahr, die Steigerung der Ressourcenproduktivität um 50 Prozent, den Anstieg der Zirkularitätsrate auf 18 Prozent und eine Reduktion im Konsum privater Haushalte um zehn Prozent. Zusammen mit Maßnahmen in sieben Schwerpunktbranchen sieht die Strategie auch vor, Ziele, Grundsätze und Aufgaben für die notwendige Transformation in einem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz zu verankern.

Circularity Lab Austria“ in Planung
„Aktuell wird eine Roadmap ausgearbeitet mit konkreten Zielen und Deadlines für Fortschrittsberichte“, beschreibt Thomas Jakl den Status quo im BMK. Parallel soll auch ein sogenanntes „Circularity Lab Austria“ gegründet werden, das die Kreislaufwirtschaftsstrategie begleiten und den Fortschritt kontrollieren soll. Zudem wird ein Partizipationsprozess in der Zivilgesellschaft angestoßen mit Bürgerkonferenzen, Fokusgruppen und vielem mehr: „Die Kreislaufwirtschaftsstrategie soll eine Richtschnur geben. Sie war ein notwendiger erster Schritt. Jetzt aber beginnt ein Change-Management-Prozess, in dem wir alle Bürgerinnen und Bürger mitnehmen, animieren und begeistern müssen“, so Jakl. Ein verändertes Konsumdenken sei dazu der zentrale Punkt einer Circular Economy.
ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch sieht in diesem Zusammenhang auch Möglichkeiten, das Konsumentenverhalten durch Anreize und Förderungen zu lenken: „Konsumenten gehen zum größten Teil den Weg, der die umfangreichsten Vorteile für sie beinhaltet. Hier kann der Gesetzgeber ansetzen und regulierend eingreifen.“ Resch hat dabei vor allem die ressourcenintensive Bauwirtschaft im Blick. So hätten die Stoffströme beim Bauen mit mehr als 50 Prozent den größten Anteil sowohl am Ressourcenverbrauch als auch am Abfallstrom in Österreich. Hinzu komme der enorme Flächenverbrauch für Neubauten und dafür notwendige Infrastrukturmaßnahmen. „Wir werden uns künftig noch mehr überlegen müssen, wie wir Wohnräume schaffen oder Mobilität gewährleisten wollen. Denn mit der Kreislaufwirtschaftsstrategie erhalten sämtliche althergebrachten Muster unseres Wirtschaftens und Zusammenlebens einen neuen Drive.“

Weinviertler Weltneuheit
Dass die Forderung für mehr Stoffstromeffizienz etwa im Baubereich nicht leicht umzusetzen ist, zeigt ein Blick in die tagtägliche Routine auf einer österreichischen Baustelle: Hier wird zwar vielerorts Mineralwolle getrennt gesammelt, die Sammelsäcke aber bestehen wiederum aus hochwertigem, reißfestem und UV-beständigem Kunststoff-Primärmaterial. Eine von vielen Kreislaufwirtschafts-Lücken, die in Zukunft durch „Circular Design“ geschlossen werden müssen. Im konkreten Fall zeigt dies ein Familienunternehmen aus dem Weinviertel vor: Mit einer zukunftsweisenden Kombination von Recyclingkunststoffen ist es der Puhm GmbH aus Drasenhofen in Niederösterreich gelungen, erstmals Sammelsäcke für Mineralwolle-Reste vollständig aus heimischem, recyceltem Plastik herzustellen. Diese Weltneuheit in der nachhaltigen Kunststoffmaterialentwicklung steht Polypropylen-Foliensäcken in nichts mehr nach: „Wir haben nach intensiven Forschungen einen Sammelsack aus 100 Prozent österreichischem Recycling-Plastik (LDPE) herstellen können, der sowohl reißfest als auch transparent und UV beständig ist“, sagt Geschäftsführer Joachim Puhm. „Unsere neu entwickelte Materialkombination ermöglicht also erstmals weltweit eine Fertigung von Sammelsäcken aus Recyclingmaterial für besonders anspruchsvolle Anwendungen.“ Damit ist es möglich, nicht nur gröbere Abfälle von Baustellen zu sammeln, sondern auch das Verpackungsmaterial selbst, in dem diese Abfälle gesammelt werden, nachhaltig herzustellen und einzusetzen.

Auf der Baustelle oder am Recyclinghof wird der Sammelsack mit einem Aufstellrahmen aus rostfreiem Stahl aufgestellt und schon kann die künstliche Mineralfaser eingeworfen werden. „Für viele Bauunternehmen und Betreiber von Recyclinghöfen wird dieser Sack eine Erleichterung darstellen“, weiß Puhm, der dabei auf die jüngste Änderung der Deponieverordnung Bezug nimmt, mit der eine Deponierung von Mineralwollabfällen ab 2027 verboten sein wird. Besondere Bedeutung erhält die Kunststoffinnovation zudem vor dem Hintergrund der neuen EU-Ziele im Kunststoffverpackungsrecycling: Danach sollen – gemäß den Forderungen im Rahmen des „European Green Deal“ – bis spätestens 2030 alle auf dem EU-Markt in Verkehr gebrachten Kunststoffverpackungen wiederverwendbar sein oder kosteneffizient recycelt werden können. „Mit unserem neuen Sammelsack liefern wir heute schon eine kleine, aber hilfreiche Lösung für zukünftig auftretende gesetzliche Notwendigkeiten und zeigen, dass gelebte Kreislaufwirtschaftslücken mit innovativen Neuentwicklungen geschlossen werden können“, so Puhm.

Weitere Informationen unter:

bmk.gv.at

oewav.at

circulareconomyforum.at

puhm.eu


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